Am Dienstagnachmittag (30. November) haben 40 führende Intensivmediziner aus Berlin und Brandenburg einen gemeinsamen Appell verfasst. Das Schreiben des Netzwerks „SAVE Berlin/Brandenburg@COVID-19“ liegt moz.de exklusiv vor. Darin skizzieren die Verfasserinnen und Verfasser die sich immer mehr zuspitzende Corona-Lage in den Krankenhäusern und richten Forderungen an Politik und Gesellschaft.
Die „außer Kontrolle geratene Corona-Pandemie“ werde schon bald nicht mehr zulassen, dass die medizinische Versorgung so erfolgt, wie es der Anspruch des Krankenhaus-Personals ist und wie es die Menschen gewohnt sind.
„Die Priorisierung planbarer Eingriffe nach medizinischer Dringlichkeit ist bereits unsere tägliche Realität – und die von vielen kranken Menschen in der Region“, schreiben die Mediziner. Die weiter anwachsende Zahl von Covid-Patienten auf den Intensivstationen werde „zwangsläufig zu einer Verminderung der Qualität führen“. Wo bisher sechs Intensivpatienten von drei Pflegekräften und einem Arzt betreut wurden, werden es bald deutlich mehr sein müssen. Dies könnte man nur dadurch verhindern, „dass manchen Bedürftigen eine Intensivtherapie schlicht versagt wird“.

Auch die Notversorgung von Unfallopfern könnte sich verschlechtern

Bei der Notversorgung von Opfern schwerer Unfälle könne wichtige Zeit dadurch verloren gehen, dass Rettungswagen und Notärzte nicht mehr einfach die nächstgelegene Klinik anfahren können, sondern längere Wege für das nächste freie Intensivbett in Kauf nehmen müssen. „Die Patientensicherheit sowie das Ergebnis intensivmedizinischer Behandlungen können nicht mehr lange auf dem heutigen Niveau aufrechterhalten werden“, lautet der Befund. Dies treffe alle Intensivpatienten gleichermaßen, egal aus welchem medizinischen Grund sie im Krankenhaus sind.
Diese Situation könne jedoch auch jetzt noch durch sofortiges Handeln in ihrem Ausmaß abgemildert werden. An die Bevölkerung appellieren die Mediziner: „Tun Sie alles, was in Ihrer persönlichen Macht steht, um die 4. Pandemiewelle zu brechen! Schränken Sie Ihre Kontakte auf ein Minimum ein! Lassen Sie sich Impfen und Boostern! Tragen Sie eine FFP2-Maske!“ Und: „Vermeiden Sie alles, wodurch Sie auf eine Intensivstation kommen könnten!“ An die Politik haben die Ärztinnen und Ärzte nur eine Bitte: „Treffen Sie die erforderlichen Entscheidungen – sofort, ohne weiteren zeitlichen Verzug!“

Warnampel für Krankenhaus-Belegung springt auf Rot

Zu den Unterzeichnern des Appells gehören unter anderem Dr. Georg Fritz, Leiter der Intensivmedizin am Immanuel Klinikum Bernau und Dr. Jörg Weimann, Chefarzt der Intensivmedizin im Sankt Gertrauden-Krankenhaus Berlin-Wilmersdorf. In Brandenburg sind derweil zwei Signale der Warnampel auf Rot. Nach der Sieben-Tage-Inzidenz, die bei 728 liegt, überstieg auch der Anteil der Covid-19-Patienten in den Brandenburger Intensivstationen den Alarmwert. Bei einem Anteil von 20 Prozent springt die Ampel auf Rot. Aktuell liegt der Wert bei 21,2 Prozent.
Weitere Informationen zur Corona-Pandemie in Berlin und Brandenburg gibt es auf unserer Themenseite.