Die Zahl der bestätigten Corona-Ansteckungen in Brandenburg schießt trotz des harten Lockdowns weiter in die Höhe. Das Gesundheitsministerium meldete am Mittwoch einen Höchstwert von 1580 zusätzlichen Fällen innerhalb eines Tages. Das wäre mehr als eine Verdopplung zum Vortag, allerdings hatte die Stadt Potsdam wegen eines technischen Fehlers am Dienstag keine neuen Zahlen übermittelt.

Brandenburg-Zahlen schießen in die Höhe

Die Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung sind gestiegen, 49 kamen zuletzt hinzu, so viele wie bisher noch nicht im Land. Beim Wert neuer Infektionen je 100.000 Einwohner in einer Woche übersprang Brandenburg die Schwelle von 300 und lag bei 306.
Als aktuell erkrankt gelten in Brandenburg 14.526 Menschen, das sind laut Ministerium 776 mehr als am Tag zuvor. Diese Zahlen sind geschätzt. Wegen einer Covid-19-Erkrankung werden 1078 Patienten in Krankenhäusern behandelt, davon 191 auf Intensivstationen. Von ihnen werden 126 künstlich beatmet. Der Landkreis Elbe-Elster ist der neue Corona-Schwerpunkt mit 578 neuen Infektionen je 100.000 Einwohner in einer Woche, gefolgt vom bisherigen Hotspot, dem Kreis Oberspreewald-Lausitz, mit einem Wert von fast 524.

Telefonische Anmeldung von Hilfspersonal

In Brandenburgs Pflegeheimen spitzt sich die Lage zu - ihnen machen Corona-Infektionen beim Personal zu schaffen. „Wir brauchen dringend Fach- und Hilfskräfte aus der Pflege, um die Dienste sicherstellen zu können“, sagte Anne Baaske, Geschäftsführerin der AWO Brandenburg. „Corona hat Brandenburg ganz fest im Griff.“ Helfer sollten sich am besten in Einrichtungen in ihrer Nähe telefonisch melden und angeben, inwieweit sie einsetzbar sind. „Es geht darum, die Versorgung sicherzustellen. Und um Solidarität“, sagte Baaske.
„Der Bedarf ist überall gegeben“, sagte Cindy Schönknecht, Sprecherin des Arbeiter-Samariter-Bundes in Brandenburg, der landesweit 20 Pflegeeinrichtungen betreibt. Fachkräftemangel in der Pflege sei schon lange ein Thema. „Jetzt haben wir das Dilemma.“

Zahlreiche Probleme in Pflegeheimen

In einem Seniorenheim der KMG Kliniken in Pritzwalk (Prignitz) war das Coronavirus ausgebrochen. 20 Mitarbeiter aus anderen Heimen des Trägers hätten eingesetzt werden müssen, um den Dienst aufrechtzuhalten, sagte KMG-Sprecher Christian Meier. Dort sind nach Unternehmensangaben sieben Bewohner im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben. 79 Bewohner und 46 Mitarbeitende wurden demnach positiv auf das Virus getestet nach Stand vom Dienstag. Allein in Märkisch-Oderland gab es nach Angaben des Landkreises 288 Corona-Fälle unter den Heimbewohnern und 88 unter den Mitarbeitenden.

Corona-Hilferuf aus Landkreis Oder-Spree

In einem Heim in Woltersdorf (Oder-Spree) mussten nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sechs Katastrophenhelfer aushelfen. Der Landkreis hatte um Hilfe gerufen, dort herrsche akuter Personalmangel, sagte Jule-Sophie Hermann, Sprecherin des DRK-Kreisverbandes Märkisch-Oder-Havel-Spree.
Aus der stark von Infektionen belasteten Lausitzer Region wurden 40 Covid-19-Patienten in Berliner Krankenhäuser verlegt. Weitere 17 Patienten aus der Lausitz sollen innerhalb von Brandenburg in andere Krankenhäuser gebracht werden. Die Verlegungen hatten bereits am Dienstag begonnen. Damit sollen die Kliniken in den Brandenburger Hotspot-Landkreisen entlastet werden.

Böllerverbot im Stadtgebiet Potsdam

Zur Entlastung der Kliniken und aus Gründen des Infektionsschutzes hat die Landhauptstadt Potsdam am Mittwoch ein Böllerverbot im gesamten Stadtgebiet erlassen. Die Allgemeinverfügung gelte am gesamten Silvestertag und am kompletten Neujahrstag, teilte die Stadtverwaltung mit.
Demnach dürften auf allen öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen pyrotechnische Produkte der Kategorie F2 nicht verwendet werden. Davon ausgenommen seien Feuerwerke der Kategorie F1 wie Wunderkerzen, Tischfeuerwerke oder Knallerbsen. Neben dem Infektionsschutz gelte es, die in den Vorjahren aufgetretenen Verletzungen durch Feuerwerk zu vermeiden, weil die Krankenhäuser in der Region wegen der Corona-Pandemie keine freien Kapazitäten hätten, erklärte die Stadtverwaltung zur Begründung.

Eine Stufe unter dem Katastrophenfall

Der Landkreis Oder-Spree hatte am Dienstag ein Großschadensereignis eines Massenanfalls von Erkrankten festgestellt. Diesen Schritt waren wegen der drohenden Überlastung der Krankenhäuser bereits Cottbus und Potsdam sowie der Landkreis Oder-Spree gegangen. Damit wird etwa die Koordination der Verlegung von Corona-Patienten verbessert, die Katastrophenschutzbehörde bekommt mehr Kompetenzen. Das Großschadensereignis ist die letzte Stufe unter der Erklärung des Katastrophenfalls.
Knapp 20.000 Menschen können schon bald gegen das Coronavirus geimpft werden - Brandenburg wird laut Gesundheitsministerium bis Ende des Jahres rund 39.000 Impfdosen bekommen. Den Start macht am 27. Dezember ein Pflegeheim im Landkreis Oberspreewald-Lausitz. Es folgen Heime im Havelland und in Cottbus, bevor dann Krankenhäuser an der Reihe sein sollen.
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