Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hält bei sinkender Corona-Gefahr eine Lockerung in Stufen für möglich - allerdings nicht mehr im Februar. „Was zuletzt eingeschränkt wurde, soll wieder zuerst aufmachen. Deshalb haben für mich die Grundschulen Vorrang“, sagte Woidke am Montag auf Anfrage. „Die nächsten Schritte könnten einzelne körpernahe Dienstleistungen wie das Friseurhandwerk sein.“ Zu alldem gehörten klare Hygienekonzepte.
Trotz zurückgehender Ansteckungen hält der Regierungschef die geltenden Corona-Regeln noch mindestens bis zum Monatsende für notwendig. „Aber es reicht noch nicht, wir müssen weiter vorsichtig sein“, sagte Woidke. „Aufgrund der aktuellen Zahlen halte ich es für erforderlich, dass die bestehenden Einschränkungen im Grundsatz über den 14. Februar bis Ende Februar verlängert werden.“

Corona-Beratungen am 10. Februar

Die Regierungschefs von Bund und Ländern beraten am Mittwoch über den weiteren Umgang mit den Corona-Beschränkungen. Mehrere Länder wie Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Thüringen hatten einen Stufenplan für Lockerungen je nach Entwicklung der Ansteckungen mit dem Coronavirus vorgelegt. Für Woidke sollten dabei nicht nur die Infektionszahlen, sondern auch die Belastung der Krankenhäuser und der Fortschritt beim Impfen gegen Corona eine Rolle spielen.
Die Brandenburger Städte und Gemeinden und CDU-Landtagsfraktionschef Jan Redmann dringen auf einen Stufenplan. „Die Bevölkerung erwartet jetzt auch so eine gewisse Orientierung“, sagte der Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Jens Graf, am Montag. „Wir würden das jetzt nicht als Lockerungsplan bezeichnen.“ Je nach Entwicklung der Infektionszahlen könne es auch Verschärfungen geben.
Redmann warb für bestimmte Lockerungen, wenn der positive Trend anhalte. Der Stufenplan der Regierung von Schleswig-Holstein sei „sehr gut“ und könne als Orientierung dienen, sagte er der „Märkischen Oderzeitung“ (Print/Montag). „Das würde für Brandenburg bedeuten, dass dort, wo die Inzidenz unter 100 Neuinfizierte je 100.000 Einwohner sinkt, die Grundschulen wieder in den Wechselunterricht gehen können. Das würde ich mir nach zwei Monaten, in denen die Lehrer die Schüler nicht gesehen haben, sehr wünschen.“ In Brandenburg liegt die Zahl neuer Infektionen je 100.000 Einwohner in einer Woche seit vergangenem Freitag unter 100.

Vierstufiger Corona-Plan aus Schleswig-Holstein

Nach dem vierstufigen Plan von Schleswig-Holstein ist ein eingeschränkter Regelbetrieb an Kitas und wechselnder Unterricht in Schulen und zuhause möglich, wenn die Zahl neuer Infektionen je 100.000 Einwohner in einer Woche sieben Tage lang stabil unter 100 liegt. Dann können auch Friseure öffnen. Weitere Lockerungsschritte sieht der Plan vor, wenn die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz stabil unter 50 liegt. Niedersachsen schlägt sechs Stufen vor, Thüringen vier. Seit Dezember gelten in Brandenburg verschärfte Beschränkungen.
Wer sich in Brandenburg impfen lassen will, muss voraussichtlich nicht mehr nur über die Telefon-Hotline 116117 gehen. Man wolle auch zielgerichtet die Menschen im Alter von über 80 Jahren anschreiben, so wie Berlin das bereits mache, sagte Gesundheitsstaatssekretär Michael Ranft, der auch Leiter des Krisenstabes ist, am Montag dem RRB-Inforadio. Details sind bisher noch unklar. Kitas und Schulen sollen Schnelltests für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bekommen.
Brandenburg erhielt am Sonntag 9600 Dosen des neu zugelassenen Impfstoffs des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca. Dieser Impfstoff sei für unter 65-jährige Menschen vorgesehen, sagte Ranft. Voraussichtlich in dieser Woche sollen Termine für das Personal in Krankenhäusern, Altenheimen und in den ambulanten Pflegediensten angeboten werden. Insgesamt sollen ab dieser Woche bis Anfang März knapp 170.000 Impfdosen von Biontech/Pfizer und Astrazeneca nach Brandenburg geliefert werden, sagte Ranft. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Brandenburg verlangte eine schnellere Impfung von Erziehern und Lehrkräften.
Mehr zu Corona und den Folgen in Brandenburg und Berlin gibt es auf unserer Themenseite.