Normalerweise startet das Ausbildungsjahr in den meisten Berufen am 1. August oder am 1. September. "Das sind keine Ausschlussdaten. Ein verspäteter Einstieg ist oft möglich. Werden Sie jetzt aktiv!", appellierte Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) an die jugendlichen Bewerber und deren Eltern, die bekanntermaßen eine wichtige Rolle bei der Berufswahl spielen würden.

Berufsberater stehen bereit

Bernd Becking, Regionalchef der Arbeitsagentur, verwies darauf, dass am 1. Juli noch rund die Hälfte der knapp 12.400 betrieblichen Ausbildungsplätze unbesetzt waren. Aktuelle Zahlen gibt es erst wieder zum Monatsende. Er rief die Familien dazu auf, online oder per Telefon Kontakt zur Arbeitsagentur aufzunehmen. Auch persönliche Beratungsgespräche seien kurzfristig möglich. "Die Auswahl ist groß. Für fast alle Berufe gibt es freie Stellen", sagte Becking.
Technische Ausbildungen etwa in den Bereichen Mechatronik oder Elektronik würden hervorragende Zukunftschancen bieten, wenn man zum Beispiel an die Tesla-Ansiedlung in Grünheide denke. Auch im Baubereich sei der Nachwuchsbedarf hoch und die Aussichten auf einen Job hervorragend, betonte Becking.
Wie in jedem Jahr hoffe man, Berliner Jugendliche zum Pendeln an einen Ausbildungsort in Brandenburg bewegen zu können. Oft scheitere das an der Uninformiertheit der Bewerber, bedauerte Becking. Während in der Mark seit längerem Kandidaten fehlen, gebe es in der Bundeshauptstadt mehr Bewerber als Lehrstellen.
Interessant sind erste Verschiebungen bei Angebot und Nachfrage von Lehrstellen, die nach Einschätzung der Experten ein Indiz dafür sein könnten, wie die Corona-Krise die Arbeitswelt verändert. Für E-Commerce-Kaufleute etwa gebe es deutlich mehr Ausbildungsstellen als in der Vergangenheit, auch das Interesse der Bewerber an dem neuen Beruf sei groß. In vielen technischen Bereichen sie die Zahl der Ausbildungsplätze im Vergleich zu den Vorjahren ebenfalls gestiegen, freute sich der Arbeitsagentur-Chef.
Die stärksten Rückgänge bei von den Betrieben angebotenen Ausbildungsplätzen gebe es anders als befürchtet nicht im Hotel- und Gaststättenbereich, sondern in den Sektoren Fahrzeugtechnik, Versicherungen und Finanzdienstleistungen sowie in der Lebensmittelherstellung.
Plus und minus in den einzelnen Bereichen sorgen unter dem Strich dafür, dass es laut Becking lediglich knapp fünf Prozent weniger Lehrstellen gibt als vor einem Jahr. Angesichts der Corona-Krise sei das ein erfreulicher Befund.

Tesla sucht jetzt Personal für die Produktion


Für das künftige Tesla-Werk beginnt jetzt die Rekrutierung von Personal im Produk­tionsbereich. "Das entwickelt sich sehr gut", sagte am Montag der Regionalchef der Arbeitsagentur Berlin-Brandenburg, Bernd Becking. Man sei in regelmäßigen Gesprächen und berichte, welche Menschen sich bei der Agentur für einen Tesla-Job gemeldet haben. Er sei davon überzeugt, dass viele Menschen aus Brandenburg vom Werk profitieren werden, insbesondere Leute, die in der Corona-Krise ihre Jobs verloren haben. Gesucht werden Techniker, die nicht zwangsläufig einen Berufsabschluss haben müssten. Tesla setze auch darauf, Personal anzulernen. Auf der Tesla-Homepage waren am Montag für das künftige Werk in Grünheide allein für den Bereich Manufactoring, also Produk­tion, 92 Stellenangebote zu finden. Gesucht werden zum Beispiel "Produktionsmitarbeiter" mit dieser Anforderung: "Schulabschluss und/oder relevante Arbeitserfahrung, idealerweise in einem Produktionsumfeld".  mat