Diebstahl in Berlin-Spandau
: Wo Taschendiebe oft zuschlagen – wie man sich schützen kann

In Berlin-Spandau schlagen regelmäßig Taschendiebe zu. Die Polizei informiert während der Präventionswoche über Schutzmaßnahmen und gibt wertvolle Tipps.
Von
Jessica Neumayer
Spandau
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Präventionswoche Taschendiebstahl 2024, vor den Spandau Arcaden, Thema Taschendiebstahl im Supermarkt, Auftaktveranstaltung am 7.10.2024, gemeinsam organisiert von Landespolizei und Bundespolizei

Taschendiebe nutzen Menschenmengen und Rolltreppen, um an ihr Diebesgut zu kommen. Mit einfachen Mitteln kann Abhilfe geschaffen werden.

Jessica Neumayer

Taschendiebstahl ist in Berlin ein großes Problem. Laut Informationen des Landeskriminalamtes entstand dadurch im Jahr 2023 ein Schaden von knapp 900.000 Euro. Dabei sind die Tricks der Diebe einfach. Übergriffe könnten leicht verhindert werden. Auch in Spandau gibt es Orte, an denen auf Wertsachen besonders geachtet werden sollte.

Diebe gehen immer als Gruppe vor. Eine Person lenkt das Opfer ab, eine andere entwendet das Objekt der Begierde und übergibt es einer dritten Person, die schnell verschwindet. „Das passiert so schnell, dass man es kaum sehen kann“, sagt Lothar Spielmann, Leiter des Dezernats für Taschendiebstahl beim Landeskriminalamt.

Taschendiebe in Spandau – wo es besonders gefährlich ist

In der Spandauer Altstadt habe Spielmann auch schon Präventionsmaßnahmen durchgeführt. „Prinzipiell sind alle Situationen gefährlich, wo Gedränge herrscht“, sagt der Kriminaldirektor. Insbesondere Rolltreppen, Menschenmassen und Umsteigesituationen im öffentlichen Nahverkehr seien bei Dieben besonders beliebt.

Präventionswoche Taschendiebstahl 2024, Lothar Spielmann, Kriminaldirektor, Leiter des Dezernats für Taschendiebstahl beim Landeskriminalamt

Kriminaldirektor Lothar Spielmann kennt die Tricks der Taschendiebe. Bei der Präventionswoche Taschendiebstahl 2024 klärt er und sein Team Bürgerinnen und Bürger über unachtsames Verhalten und gefährliche Orte auf.

Jessica Neumayer

Während der Auftaktveranstaltung der dritten, inzwischen bundesweiten, Präventionswoche am 7. Oktober 2024 vor den Spandau Arcaden, klärte der Kriminaldirektor Bürgerinnen und Bürger über unachtsames Verhalten und die Folgen auf.

Taschendiebe in Spandau – Risiko auch am Geldautomaten

Neben Rolltreppen und den Umsteigesituationen bei Bus und Bahn sollten Menschen auch beim Einkauf wachsam sein. Gruppen spähen in Supermärkten besonders gerne Opfer aus, teilt Spielmann mit. Ziel sind dabei neben gestressten Elternteilen, die neben dem Einkauf auf ihre Kinder achten, überwiegend ältere oder beeinträchtigte Menschen.

Auch wenn sich der Bewegungsradius im Alter einschränken sollte: Lebensmittel brauche jeder, führt Spielmann näher aus. Ältere Generationen lassen sich selten Essen nachhause liefern. Zudem haben sie meistens Bargeld dabei. „Es gibt eher wenige 75-Jährige, die ihren Einkauf mit dem Scannen einer Smartwatch bezahlen.“

Präventionswoche Taschendiebstahl 2024, vor den Spandau Arcaden, Thema Taschendiebstahl im Supermarkt, Auftaktveranstaltung am 7.10.2024 gemeinsam organisiert von Landespolizei und Bundespolizei

Die Auftaktveranstaltung der Präventionswoche zum Thema Taschendiebstahl fand am 7. Oktober 2024 vor den Spandau Arcaden statt. Bis zum 11. Oktober 2024 gibt die Polizei bundesweit an verschiedenen Orten Tipp, um sich zu schützen.

Jessica Neumayer

Manche Kriminelle haben sich auch auf EC-Automaten spezialisiert. Eine Gruppe von vier bis fünf Leuten späht Personen beim Geld abheben aus. Mit wenig Abstand wird gezielt der Pin abgeschaut, danach von jemand anderen die Geldbörse entwendet und an eine weitere Person übergeben. Später kann mit Pin und Karte das Konto geräumt werden.

Tipps zum Schutz vor Taschendieben in Berlin-Spandau

Dabei sei Schutz vor Taschendieben eigentlich nicht schwer, betont Spielmann. Für ein Fahrrad müsse man sich ein wertiges Schloss kaufen. Ein sicherer Zylinder oder ein Türriegel, als Schutz vor Einbrüchen, koste auch Geld. „Die Maßnahmen gegen Taschendiebe kosten dagegen nichts.“

Wertsachen sollten immer in einer Reißverschlusstasche in der Innenseite der Oberbekleidung getragen werden, empfiehlt der Kriminaldirektor. Handtaschen sind am sichersten nahe am Körper und am besten mit der Öffnung hin zur Körperseite. Auch hier sollten Wertgegenstände in einer Innentasche mit Reißverschluss aufbewahrt werden.

„Auf Rolltreppen und im Gedränge sollten Rucksäcke nach vorne genommen werden“, sagt Spielmann. Handy, Portemonnaie und Co, gehören zudem nicht in die Außentaschen. „Reißverschlüsse können zusätzlich mit einem Karabinerhaken gesichert werden.“

Am EC-Automaten vor dem Geldabheben immer umschauen, wer in der Nähe steht. Notfalls um mehr Abstand bitten. Wenn eine Situation eigenartig wirkt, den Vorgang abbrechen. Nach dem Abheben sollte genug Zeit genommen werden, um Geld sowie Karte in einem sicheren verschließbaren Innenfach zu verstauen.

Taschendiebe in Spandau – hier schlagen Diebesgruppen zu

Häufig werde von Dieben auch künstliche Szenarien geschaffen. Ein vermeintlicher Tourist kommt an den Tisch im Café und fragte mit einer Karte nach dem Weg. Nachdem er fort ist, ist auch das Handy verschwunden, das noch bis eben auf dem Tisch lag.

Präventionswoche Taschendiebstahl 2024, 7.10.2024 bis 11.10.2024, Aktion zur Prävention von Taschendiebstahl, Aufklärung durch Sticker

Mit einer speziellen Aktion will die Präventionsstelle der Landespolizei auf unachtsames Verhalten aufmerksam machen. Dabei schlüpfen sie selbst in die Rolle der Diebe und decken Sicherheitslücken auf.

Jessica Neumayer

Ein anderes übliches Szenario: Im Vorbeigehen verliert eine Person etwas, das hilfsbereite Opfer hebt den Gegenstand auf und übergibt ihn. Währenddessen ist die eigene Tasche, das eigene Handy oder die Geldbörse auf dem Tisch unbeaufsichtigt, und mit hoher Wahrscheinlichkeit danach auch weg. Ein kurzer Griff nach den eigenen Wertsachen vor der Übergabe kann dies verhindern.

„Sobald die Diebesgruppen sieht, dass man kein leichtes Opfer ist, ist man auch nicht mehr interessant.“ Diebstahl ist das ganze Jahr ein Thema, klärt Spielmann auf. Weihnachtsmärkte sind genauso im Visier der Täter wie Wochenmärkte, Rummel, Umsteigebahnhöfe oder Touristenattraktionen.

Taschendiebe in Spandau – Aktion sorgt für Aha-Effekt

Um Personen auf ihr unaufmerksames Verhalten hinzuweisen, hat Spielmann und sein Team sich eine besondere Aktion ausgedacht: Sie schlüpfen in die Rolle von Taschendieben. Doch sie entwenden nichts, sondern bringen einen Aufkleber an. Dann suchen sie das Gespräch und fragen, ob die Person denke, ihre Wertsachen gut gesichert zu haben.

„Die meisten sind total überrascht und haben nichts mitbekommen“, sagt Spielmann. Durch diese Aktion werde unmittelbare Betroffenheit erzeugt. „Bei den meisten hat das einen Aha-Effekt“, sagt der Experte für Taschendiebstähle. Dieser bewirke dann hoffentlich auch eine Verhaltensänderung auf positive Weise ohne wirklichen Verlust.

Durch Aufklärung über Taschendiebstahl seien die Vorfälle von 2022 auf 2023 um ein Viertel gesunken, berichtet der Kriminaldirektor. Dennoch sei die Anzahl der Anzeigen für Taschendiebstähle mit über 2000 gemeldeten Fällen immer noch unnötig hoch.