Daniel Keip widerstrebt es, sich zu beschweren. „Ein Ehrenamt macht wahnsinnig viel Spaß. Es bringt Erfüllung, man kann gestalten“, schwärmt der Sprecher der Lebens-Rettungs-Gesellschaft DLRG in Brandenburg. Aber die Arbeit werde unnötig erschwert. „Wenn wir in einer Kommune eine Frage oder ein Anliegen haben, müssen wir uns oft durch die Ämter telefonieren. Und erreichen mitunter trotzdem nichts, weil eine Ansprechperson für unsere Belange fehlt.“
Das Landesmotto „Es kann so einfach sein“ gilt für die Arbeit der Ehrenamtlichen in Brandenburg nicht. So lautet der zentrale Befund der am Freitag (31. März) in Potsdam vorgestellten Ehrenamtsstudie Brandenburg. Mehr als 2000 Akteure der verschiedenen beteiligten Ebenen wurden dafür intensiv befragt. Gefördert wurde die Studie mit ihrem 164 Seiten langen Abschlussbericht von der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt.

Sachsen-Anhalt hat eine Strategie, Mecklenburg-Vorpommern eine Stiftung für das Ehrenamt

„Ich mache mir Sorgen um die Engagement-Förderung in Brandenburg“, sagte deren Vorstand Jan Holze bei der Vorstellung der Studie. „Während andere Bundesländer um Brandenburg herum sehr proaktiv verschiedene Maßnahmen betreiben, nehme ich in Brandenburg gegenteilige Effekte wahr.“ Als positives Beispiel nannte Holze unter anderem Sachsen-Anhalt, das 2022 eine Engagement-Strategie erarbeitet hat. In Mecklenburg-Vorpommern wiederum gibt es eine Ehrenamts-Stiftung, die berät und fördert.
So etwas gebe es in Brandenburg nicht. Das Land komme hier über Ansätze nicht hinaus, kritisierte Holze. Dabei sei der Handlungsbedarf groß. Laut einer Erhebung der Bundesregierung sind 36 Prozent der Brandenburgerinnen und Brandenburger ehrenamtlich aktiv. Die Mark liegt damit im Ländervergleich an vorvorletzter Stelle.

Zentrales Problem sind fehlende Ansprechpersonen in den Kommunen

Die Befragten in der Studie bescheinigen dem Ehrenamt grundsätzlich sehr positive Wirkungen für die Gesellschaft. Sie sehen in der Mark jedoch einen negativen Trend. Fast die Hälfte findet, dass die Entwicklung des Engagements in Brandenburg in den vergangenen zehn Jahren abgenommen habe. Lediglich ein Drittel sieht eine Zunahme.
Als ein zentrales Problem werden in der Studie die fehlenden Ansprechpartner auf kommunaler Ebene herausgearbeitet. In kleineren Verwaltungen gibt es demnach in der Regel gar keine Zuständigen für ehrenamtliches Engagement, in größeren sieht es kaum besser aus. Das Vorhandensein einer Ehrenamtsstrategie sei in den Kommunen ebenfalls die Ausnahme.

Umgang mit Ehrenamtlern offenbar oft völlig am Bedarf vorbei

Das führt offenbar dazu, dass der Umgang mit Ehrenamtlern nahezu völlig am Bedarf dieser Menschen vorbeigeht. So wurden Ehrenamtliche für die Studie gefragt, was es an Anerkennung und Unterstützung für sie gibt, und was sie sich an Hilfe wünschen würden. Frappierendes Ergebnis: Nichts wünschen sich die Ehrenamtler mehr, als Angebote zur Kinderbetreuung während des Engagements, aber die bekommen sie so gut wie nie.
Auch die Nachfrage nach rechtlicher Beratung, Hilfe bei Büro-Infrastruktur, Vergünstigungen im Alltag sowie allgemeiner Unterstützung durch Behörden und Verwaltungen ist demnach deutlich größer als das Angebot. Im Gegensatz dazu haben die Ehrenamtlichen nach eigenen Angaben extrem wenig Interesse an Auszeichnungen, Preisen und Ehrungen. Aber was bekommen sie laut Befragung im großen Stil: Auszeichnungen, Preise und Ehrungen.

Autor der Studie fordert Masterplan der Landesregierung

Der Autor der Studie, Professor Joachim Klewes vom Institut Change Centre in Teltow-Fläming, regt als Reaktion auf die Befunde auf Landesebene einen Masterplan Kommunale Engagementförderung an. Landesgesetze müssten auf Engagementfrezundlichkeit untersucht werden, an den Schulen möge über die Ehrenamts-Kultur informiert werden. Nötig sei ein Katalog für Mindeststandards bei der Engagementförderung. Auf lokale Ebene möge Engagementpolitik sichtbar werden. Ehrenamtler sollten regelmäßig zu Sprechstunden eingeladen werden. Die Kommunen sollten dafür zuständige Mitarbeitende benennen, fordert Klewes.