Einkaufen in Berlin
: Das sind die neuen Mieter im Ring-Center nach Galeria-Aus

Seit 2024 steht das Ring-Center III mit dem ehemaligen Galeria-Kaufhof an der Frankfurter Allee in Berlin leer. Nun gibt es neue Mieter. Zumindest als Zwischennutzer.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Das Ring-Center III im Rundbau an der Frankfurter Allee in Berlin steht seit dem Galeria-Auszug im Sommer 2024 leer.

Das Ring-Center III im Rundbau an der Frankfurter Allee in Berlin steht seit dem Galeria-Auszug im Sommer 2024 leer.

Maria Neuendorff
  • Das Ring-Center III an der Frankfurter Allee in Berlin steht seit Sommer 2024 leer.
  • Neue Mieter: REWE im Erdgeschoss und Fitnessanbieter „aGym“ im Untergeschoss.
  • Das Center wird langfristig durch ein Hochhaus ersetzt; Bau dauert mehrere Jahre.
  • REWE und „aGym“ eröffnen 2026/2025 und planen langfristiges Bleiben.
  • Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey betont die Wichtigkeit von Alternativen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ein paar Schränke und Regale unterschiedlicher Modemarken sind noch stehen geblieben, aus den Wänden ragen immer noch Kleiderhaken. Vereinzelt weisen Leuchtschilder zu Kassen und Garderoben, die längst verwaist sind. Wo einst die Rolltreppe Kunden in das zweite Obergeschoss der Galeria Kaufhof spülte, klafft, umrahmt von einem Schutzzaun, ein großes Loch. „Dort werden demnächst Decken eingezogen, um die Geschosse zu schließen“, erklärte Franziska Giffey (SPD) am Montag (24.03.) bei einem Vor-Ort-Termin.

Berlins Wirtschaftssenatorin hatte gemeinsam mit dem Neu-Eigentümer Becken und zwei Neumietern in das seit Sommer 2024 leerstehende Ring Center III nach Berlin-Lichtenberg geladen. Das vierstöckige, abgerundete Center-Gebäude direkt am S- und U-Bahnhof Frankfurter Allee ist noch nicht einmal 20 Jahre alt und steht schon wieder vor dem Abriss. Der Eigentümer, der das Ring-Center III vor zwei Jahren übernahm, plant, langfristig an seiner Stelle ein Hochhaus zu errichten.

Ring-Center in Berlin ist super angebunden

Doch da Bebauungsplanverfahren in der Regel in Berlin mehrere Jahre dauern, haben sich nicht nur der Eigentümer, sondern auch der Senat und der Bezirk Lichtenberg in den vergangenen Monaten dafür eingesetzt, dass es schnell eine Zwischennutzung gibt: „Mit REWE im Erdgeschoss und dem Fitnessanbieter „aGym" für das Untergeschoss konnten zwei Mieter für zusammen 5.000 Quadratmeter Mietfläche gewonnen werden“, freut sich Becken.

Dass die in schwere Schieflage geratene Galeria-Kaufhof-Kette auch diesen exponierten Warenhaus-Standort nicht weiterbetrieben hat, davon sei er selbst überrascht worden, gesteht der Immobilienentwickler. Denn die Lage mit der einmalig guten Verkehrsanbindung durch U- und S-Bahn, Tram und Bus sowie mit vielen Autostellplätzen biete beste Voraussetzungen für Einzelhandel, ist Becken überzeugt.

Dass der Verkehrsknotenpunkt auf der B1/B5 funktioniert, sieht man zum Wochenstart gleich nebenan im Ring-Center II mit Supermarkt, Drogerie, Bistros, Kramläden und Schuhmacher, das auch schon morgens um 10 Uhr gut belebt ist. „Doch Einzelhandel auf vier Ebenen wird es in Zukunft so nicht mehr geben“, sagt Roland Köppe, Prokurist und Niederlassungsleiter Berlin der Becken Development GmbH, über das klassische Warenhaus im Ring-Center III, das mit dem Ring II unter anderem über das Parkhaus verbunden ist.

Auch für das 1. Obergeschoss stünde man mit einem dritten Zwischen-Mieter kurz vor Vertragsabschluss, erklärt Becken. Den Namen werde man aber aufgrund der laufenden Verhandlungen voraussichtlich erst in rund zwei Wochen bekannt geben. Nur so viel: Der neue Mieter werde dem Supermarkt keine Konkurrenz machen.

Rewe wird auf 2500 Quadratmetern ins Erdgeschoss ziehen. „Geplant sind unter anderem eine zehn Meter lange Frische-Theke für Fleisch und Wurst, eine Sushi-Bar sowie eine eigene Floristikabteilung mit handgebundenen Sträußen“, kündigt Dirk Heimann, Bauleiter bei Rewe, an.

Einkaufen und Fitness im Ring-Center in Berlin

Zudem will der im Vergleich eher hochpreisige Supermarkt teilweise auch Ware zu Discounter-Preisen anbieten sowie mit 14 regionalen Anbietern kooperieren. „Wir rechnen täglich mit 30.000 bis 35 .000 Kunden oder besser gesagt Gästen“, so Heimann.

Er hofft, die Baugenehmigung für die Umbauten zum Supermarkt demnächst auf dem Tisch zu haben. Die Eröffnung sei dann im ersten oder zweiten Quartal 2026 geplant.

Etwas früher, nämlich Ende 2025, könnte schon das neue Fitnessstudio auf ebenfalls 2.500 Quadratmetern im Untergeschoss eröffnen. Der Betreiber und Gründer von aGym Jacob Fatih ist kein Unbekannter in der Fitness-Szene. 1998 als politischer Flüchtling nach Deutschland gekommen, gründete der gebürtige Iraner 2009 mit FitX seine erste eigene Fitnesskette.

Fitnessstudiobetreiber Jacob Fatih will in der leer gezogenen Galeria-Filiale im Ring-Center in Berlin-Lichtenberg seinen neuen Traum verwirklichen.

Fitnessstudio-Betreiber Jacob Fatih will in der leer gezogenen Galeria-Filiale im Ring-Center in Berlin-Lichtenberg seinen neuen Traum verwirklichen.

Maria Neuendorff

Diese habe er inzwischen verkauft und wolle nun mit „aGym“ ein weiteres „völlig neuartiges Fitnesserlebnis“ entwickeln.„Das Ring-Center ist die perfekte Plattform, um meine Träume zu verwirklichen“, findet der 49-jährige Selfmade-Millionär. Zu viel will Jacob Fatih von diesem Konzept aber noch nicht verraten, höchstens, dass es ein „Studio für das Volk“ sein wird.

Beide neuen Mieter können sich vorstellen, auch langfristig zu bleiben. Das heißt, sie würden auch wieder einziehen, wenn Becken das Hochhaus realisiert hat, für das das 2007 eröffnete Ring-Center III abgerissen werden soll. Wie hoch das neue Gebäude werden darf, das auch als optisches Eingangstor zwischen Lichtenberg und Friedrichshain fungieren soll, werde gerade unter anderem mit der Senatsbaudirektion verhandelt, berichtete Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Martin Schaefer (CDU)

Aber auch, ob Abgase und Verkehrslärm auf der Frankfurter Allee/Ecke Möllendorfstraße neben Bürobauten auch Wohnungneubau zulassen, müssten noch Gutachten klären, hieß es am Montag. Die 1976 in Hamburg gegründete Becken Holding GmbH hat beides in ihrem Portfolio. In Berlin haben die Immobilienentwickler unter anderem ein Bürohochhaus am Hauptbahnhof und ein Bürogebäude mit angrenzender Produktionshalle Am Borsigturm in Tegel realisiert.

Für Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey ist die derzeitige Entwicklung an der Frankfurter Allee vor allem auch ein Fingerzeig in der allgemeinen Stadtentwicklung. „Wir sehen hier deutlich: Wo Warenhäuser nicht mehr bleiben können, braucht es schnell Alternativen“, erklärte die Politikerin. Dass nun am Ring Center wieder „Leben in die Bude“ einziehe, sei ein gemeinschaftlicher Erfolg.

Pläne zur Rettung des Einzelhandels

Sie wolle nun auch anderswo mit verschiedenen Akteuren zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass die 80 Berliner Stadtzentren mit stationärem Einzelhandel, Kaufhäusern und Einkaufsstraßen auch in Zukunft lebendig bleiben.

Dafür habe man den Zentrengipfel eingerichtet. Dafür sollte jeder der zwölf Bezirke eine Einkaufsstraße/einen Standort benennen, der besonders im Fokus steht. Auch der nächste Zentrengipfel, bei dem Pläne zur Rettung des lokalen Einzelhandels erarbeitet werden, soll demnächst im Ring-Center stattfinden.