Galeria-Kaufhof schließt: Wird das Ring-Center in Berlin zum Freizeit-Paradies?

Das Logo der Kaufhofkette Galeria Kaufhof steht noch am Ring-Center in Berlin. Der finanziell angeschlagene Konzern schließt 16 seiner 92 Filialen zum 31. August dieses Jahres. Auch der Standort an der Frankfurter Allee ist betroffen.
Annette Riedl/dpaIn der Galeria im Lichtenberger Ring-Center sind die letzten Tage angebrochen. „Wir schließen. Alles muss raus. Alles reduziert“, werben die Schilder für einen letzten Besuch in der Filiale des wirtschaftlich stark angeschlagenen Kaufhaus-Unternehmens.
Wie der Konzern bekanntgab, wird die Filiale im Ring-Center am U- und S-Bahnhof Frankfurter Allee, genauso wie die Standorte Spandau und Tempelhof, Ende August 2024 geschlossen. Weil eine zeitnahe Umsetzung eines Bauvorhabens durch den neuen Investor nicht in Sicht ist, fordert die SPD-Fraktion Lichtenberg nun eine innovative Zwischennutzung der bald leerstehenden Galeria Kaufhof-Fläche im Ring-Center III ein. „Ziel ist es, einen vielseitigen Indoor-Freizeit- und Sportbereich für alle Generationen zu schaffen und damit Leerstand zu verhindern“, heißt es in einer aktuellen Mitteilung.
Ring-Center in Berlin: Freizeitangebote für Jung und Alt
„Denn sonst drohten Verwahrlosung in dem 2007 eröffneten viergeschossigen Gebäude mit seinen 13 500 Quadratmetern Fläche", die dann über einen längeren Zeitraum ungenutzt leer stehen wird“, heißt es weiter. Die SPD-Fraktion habe das Bezirksamt ersucht, Gespräche mit dem Eigentümer darüber aufzunehmen, die Zwischennutzung der Fläche beispielsweise als Indoorspielplatz sowie für Sport- und -Freizeitangebote für Jung und Alt zu ermöglichen.
„Unser Anliegen – Vermeidung von Leerstand an diesem hoch frequentierten Umsteigeknotenpunkt“, sagt Jutta Feige, Sprecherin der SPD-Fraktion für Wirtschaft. „Wir möchten erreichen, dass Vandalismus und sinnlose Zerstörung nicht um sich greifen können und bis zur endgültigen Entscheidung und Umsetzung durch die Eigentümerin eine sinnvolle Zwischennutzung erfolgt."
Falls die Genehmigung erteilt werde, sollten für die Umsetzung die Wirtschaftsförderung und Lichtenberger Sportvereine in die Planung einbezogen werden. Diese Lösung würde sich über den Bezirk hinaus positiv auswirken, da im Nachbarbezirk Friedrichshain-Kreuzberg durch den geplanten Abriss des früheren Sport- und Erholungszentrums (SEZ) viele Sport- und Freizeitangebote für die Bevölkerung entfallen und so ein positiver Synergieeffekt entstehen würde, ist man sich in der SPD-Fraktion einig.
Der Antrag wurde zur weiteren Beratung in verschiedene Ausschüsse überwiesen. „Mit unserem Vorschlag schaffen wir eine Win/Win-Situation: Wir verhindern Leerstand und schaffen gleichzeitig ein attraktives Freizeitangebot für die Bürgerinnen und Bürger“, freut sich Kevin Einenkel, Fraktionsvorsitzender der SPD Lichtenberg.
Berlin: Ring-Center III wurde erst 2023 verkauft
Für den Eigentümer sind die Ideen allerdings noch Neuland. „Der Vorschlag der SPD-Fraktion Lichtenberg für eine Zwischennutzung war dem Hause Becken noch nicht bekannt“, sagt Roland Köppe, Prokurist und Niederlassungsleiter Berlin bei Becken Development auf Anfrage. Gleichzeitig begrüße man diesen Vorschlag und sei offen für weitere potenzielle Nutzungsmöglichkeiten als Zwischenlösung.
„Eine möglichst nahtlose Anschlussvermietung ist auch im Sinne von Becken die beste Lösung“, betont Roland Köppe. „Hierfür befinden wir uns weiter in guten Gesprächen. Denn auch die Erhaltung der Immobilie muss wirtschaftlich gesichert sein und zumindest kostendeckend erfolgen.“
Was das Hamburger Immobilien- und Investmentunternehmen langfristig mit der Immobilie vorhat und wie lange eine Zwischennutzung überhaupt andauern würde, dazu gibt es vom Unternehmen derzeit keine Auskunft.
Becken hatte im April 2023 das Ring-Center III von der Credit Suisse Asset Management gekauft. Damals stand dieser Kaufhaus-Standort an der Grenze von Lichtenberg zu Friedrichshain trotz der Galeria-Karstadt-Insolvenz noch nicht auf der Schließungsliste. „Der Betrieb ist noch bis März 2027 vertraglich gesichert“, hieß es im Sommer vergangenen Jahres vom neuen Besitzer.
Doch die Zeiten ändern sich noch schneller als gedacht. Nicht nur Kaufhäuser haben es immer schwerer, sich auf dem Markt zu behaupten. Auch die Tage der klassischen Einkaufszentren scheinen gezählt. Das Ring-Center in Lichtenberg besteht eigentlich sogar aus drei Gebäuden. Auch das 1995 eröffnete Ring-Center I erfährt gerade einen Wandel und wird bis 2025 nach Plänen des Architektenbüros Graft bei laufendem Betrieb umgebaut.
Ring-Center in Berlin: Kunden von Baustellen genervt
Dabei werden Handel und Nahversorgung von fünf auf drei Ebenen reduziert. Das Ärztezentrum bleibt erhalten. Die oberen Geschosse werden für weitere Büronutzung, Arztpraxen und Freizeitangebote ausgebaut. Der Investmentmanager Angelo Gordon sowie das Unternehmen Kintyre Investments hatten 2019 das Ring-Center I erworben und planen nach eigenen Angaben, ein „integriertes Laden- und Bürozentrum mit einer Freizeit- und Einzelhandelsdestination“ zu schaffen.
Wer die Internetbewertungen anschaut, sieht, dass viele Kunden von dem derzeitigen Baustellen-Ambiente eher abgestoßen werden, zumal viele Geschäfte zeitweise schließen müssen.
Doch zumindest als Nahversorgungszentrum ist das Ring-Center noch beliebt und wird es wohl auch bleiben. Im Untergeschoss bekommen der Lebensmittel- und Drogeriemarkt jedenfalls unter anderem einen Bio-Markt als neuen Nachbarn.



