Immobilien in Berlin
: Neueröffnung auf Tacheles-Gelände – das sind die ersten Mieter

Mit der Eröffnung der ersten Geschäfte im neuen Quartier „Am Tacheles“ wird eine alte Fußgängerverbindung zwischen Friedrichstraße und Oranienburger Straße wiederhergestellt.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Das historische Torhaus der Kaufhausruine Tacheles an der Oranienburger Straße in Berlin-Mitte wurde aufwändig saniert und mit Neubauten ergänzt.

Maria Neuendorff

Noch prägen hohe Bauzäune das Bild rund um das neue Quartier „Am Tacheles“. Doch ab Mittwoch, 28. Juni 2023, wenn Rewe und Rossmann als erste Mieter eröffnen, können Passanten über das historische Gelände in Berlin-Mitte eine alte Abkürzung nehmen und wieder wie vor einem Jahrhundert quer von der Friedrichstraße bis zur Oranienburger Straße flanieren oder umgekehrt.

Die neue, eigentlich alte Verbindung lehnt sich an die 1909 eröffnete Friedrichstraßen-Passage an. Diese war die zweitgrößte Einkaufspassage Berlins und der letzte große Passagenbau in Europa, aus dem wenig später ein Warenhaus mit verschiedenen Mietern und damit die erste deutsche Shopping-Mall wurde.

Graffiti-Reste erinnern an „Kunsthaus Tacheles“

An dem nun frisch sanierten übriggebliebenen fünfstöckigen Kuppelbau an der Oranienburger Straße verweisen hier und da noch Figuren und Reliefs aus Sandstein auf anno dazumal. Graffiti-Reste und „Freedom“-Sprüche erinnern dagegen an die wilde Nachwendezeit, in der die kriegszerstörte und von Künstlern besetzte Kaufhausruine als alternatives Kunsthaus Tacheles ebenfalls weltweit Berühmtheit erlangte.

Am Zugang an der Friedrichstraße ist, nur wenige Schritte vom Friedrichstadtpalast, in den vergangenen Jahren ein ähnlich imposantes modernes Eingangsgebäude entstanden. 2014 hatte die britische Fondsgesellschaft Aermont Capital das „Tacheles“-Grundstück mit insgesamt 84.700 Quadratmetern Gesamtnutzfläche gekauft und die Pwr Development mit der Projektentwicklung beauftragt.

Seitdem sind auf einer der letzten Brachen in Mitte sieben Wohnhäuser und drei Bürohäuser hochgezogen worden. „Erste Einzüge beginnen ab Juli, dies gilt sowohl für Wohnungen als auch gewerbliche Flächen“, sagt Manja Buschewski von der Agentur Markengold, die die Öffentlichkeitsarbeit für das Mammutprojekt übernommen hat. Die einzelnen Gebäude würden sukzessive bis Ende 2024 eröffnet.

Blick auf den neuen Zugang zum Quartier „Am Tacheles" in der Friedrichstraße. Dort wird am 28. Juni 2023 um 16 Uhr unter anderem auf 3000 Quadratmetern ein REWE-Frischemarkt eröffnen.

Maria Neuendorff

89 Prozent der rund 180 zwischen 25 bis 330 Quadratmeter großen Eigentumswohnungen waren laut Investoren schon Anfang 2022 verkauft. Die von den Architekten von Herzog & de Meuron kreierten Wohnungen haben zum Teil Raumhöhe von ungefähr drei Metern und eigene Balkone zum privaten Hofgarten.

Vier Millionen Euro für ein Penthouse in Berlin

Für das 164 Quadratmeter Luxus-Penthouse mit Terrasse muss man vier Millionen Euro berappen. Die 50 Quadratmeter große „Minimal Design Suite mit Ost-Loggia“ ist für 685.000 Euro zu haben. Die neuen Eigentümer werden exklusiven Zugang zum „Health Club und Spa“ mit Schwimmbad, Fitnessstudio, Sauna und Dampfbad haben.

„Außer einem privaten Wohngarten ist das gesamte Stadtquartier aber für die Öffentlichkeit zugänglich“, betont Buschewski. Unter anderem entstünden drei öffentliche Plätze. „Einer davon, der Aaron Bernstein Platz, wird der größte Platz in Berlin-Mitte“.

Blick aus der Oranienburger Straße auf eines der insgesamt zehn Neubauten im Quartier „Am Tacheles" in Berlin-Mitte.

Maria Neuendorff

Am 16. Juli 2023 wollen die Berliner Symphoniker dort im Rahmen ihrer Reihe „Berliner Orte“ in Kooperation mit dem Jüdischen Kulturbund ein Freiluftkonzert geben, das allerdings kostenpflichtig ist.

In dem sanierten historischen Torhaus mit seinen ebenfalls meterhohen abgerundeten Fassaden-Fenstern eröffnet am 14. September 2023 das unter Kunstkennern weltbekannte Fotografie-Museum Fotgrafiska.

Ende des Jahres sollen zudem auch die ersten Firmenangestellten einziehen. Mieter der Büroflächen sind unter anderem der Streamingdienst Netflix sowie der Pharmakonzern Pfizer.

Ursprünglich wollte auch der Berliner Online-Autoteile-Händler „Autodoc“ 2023 mit rund 400 Angestellten sechs Etagen des Gebäudes „Scape“ an der Friedrichstraße 111 beziehen. Das international agierende Internet-Unternehmen, das in diesem Jahr sein 15-jähriges Bestehen feiert, will nun aber seine „Flächenstrategie“ noch einmal überarbeiten und mehr auf hybride und flexible Arbeitsweisen setzen.

„Viele unserer MitarbeiterInnen nutzen die Möglichkeit des mobilen Arbeitens inzwischen regelmäßig, sodass insgesamt weniger Büroflächen benötigt werden, als noch vor zwei Jahren geplant“, sagt eine Autodoc-Sprecherin. So werde man einen Teil der angemieteten 14.000 Quadratmeter Gesamtfläche im Stadtquartier „Am Tacheles“ für Untervermietungen anbieten. Details zu den jetzt schon gezahlten Preisen gibt das Unternehmen aber nicht bekannt. „Wir zahlen eine ortsübliche Miete für ein Objekt dieser Qualität in dieser Lage.“