Erdölraffinerie PCK Schwedt: Rohöl aus Kasachstan – ist langfristiger Vertrag in Aussicht?

Die PCK-Raffinerie in Schwedt: Aktuell soll die Auslastung laut Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) zwischen 75 und 80 Prozent liegen.
Christophe Gateau/dpaDie deutsche und brandenburgische Politik ist diese Woche in Kasachstan – der Besuch könnte nicht nur symbolische Bedeutung haben, sondern ganz konkrete Auswirkungen auf die PCK-Raffinerie in Schwedt nehmen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird ab dem 19. Juni in Kasachstan sein, um am 20. Juni beim Deutsch-Kasachischem Wirtschaftsforum eine Rede halten.
Zudem strebt das Staatsoberhaupt Gespräche zu grünem Wasserstoff an. Begleitet wird Steinmeier vom brandenburgischen Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD), der ebenfalls dem Wirtschaftsforum beiwohnt. „Dem Minister eröffnet sich so die Möglichkeit, Informationen zur möglichen Ölversorgung der PCK-Raffinerie in Schwedt durch Kasachstan sammeln zu können“, teilt die Ministeriumssprecherin mit.
Update 20.06.: Eine Einigung konnte mittlerweile erzielt werden.
Rosneft soll ebenfalls nach Kasachstan reisen
Zudem soll die Geschäftsführung von Rosneft Deutschland (RDG) auf dem Weg nach Kasachstan sein, heißt es aus kasachischen Kreisen. Die Quelle möchte jedoch anonym bleiben. Die RDG ist aktuell die Mehrheitseigentümerin der PCK-Raffinerie und steht seit dem 15. September unter Treuhandverwaltung durch die Bundesnetzagentur.
Rosneft wolle am Rande des Besuchs des Bundespräsidenten einen längerfristigen Vertrag mit dem kasachischen Mineralölunternehmen KazMunayGas vereinbaren. Es gehe um monatliche Rohöl-Lieferungen bis Ende 2024. Allerdings haben weder die Bundesnetzagentur als Treuhänderin noch das Bundeswirtschaftsministerium bislang auf eine Anfrage mit Bitte um Bestätigung der Information reagiert. Auch Angaben über die Größenordnung konnten noch nicht verifiziert werden.
Kasachisches Rohöl ähnelt dem russischen
Laut dem Brandenburger Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Energie (MWAE) werde Steinbach nicht an Verhandlungen teilnehmen. „Sie sind nicht Teil seiner Reise und bleiben ausschließlich den Anteilseignern vorbehalten“, so das MWAE auf Nachfrage.
Sollte sich aber tatsächlich bestätigen, dass die PCK-Raffinerie bald monatlich mit größeren Mengen kasachischen Rohöls beliefert wird, könnte dies eine Reihe von Problemen lindern, die die Raffinerie seit der Abkehr von russischem Öl habe. Der aktuelle RDG-Geschäftsführer Johannes Bremer sagte im März im Bundestag, dass aus den Rohölen per Schiffstransport bestimmte Zwischenprodukte nicht erzeugt werden können – auch die Herstellung von Bitumen sei nicht möglich. Das kasachische Rohöl soll dem russischen in seinen physikalisch-chemischen Eigenschaften wiederum sehr ähnlich sein.
Wie würde Polen reagieren?
Einer, der sich seit Monaten für die Option Kasachstan einsetzt, ist Christian Görke (Linke), Brandenburgs ehemaliger Finanzminister und aktuell Abgeordneter im Bundestag. Auf Nachfrage reagiert dieser euphorisch: „Sollten diese Nachrichten stimmen, geht das bei mir runter wie Öl!“ Ein längerfristiger Vertrag würde die Versorgungssicherheit erhöhen und zur Sicherung des Standorts beitragen. Görke plädiert zudem weiterhin für einen Einstieg des Konzerns KazMunayGas in die PCK-Raffinerie.
Jens Koeppen (CDU), Bundestagsabgeordneter für die Uckermark und den Barnim, bleibt skeptisch. „Aufgrund der Erfahrungen der letzten Monate bleibe ich mit euphorischen Aussagen zurückhaltend. Erst wenn ausreichende Mengen Öl verlässlich und dauerhaft in Schwedt ankommen, kann Entwarnung gegeben werden.“ Die Herkunft des Rohöls für die PCK sei für ihn dabei zweitrangig. Wichtig sei, „dass sowohl die benötigte Qualität – abgestimmt auf die Anlagen – als auch die Quantität stimmen. Öl über eine Pipeline ist jedoch besser, günstiger und umweltschonender, als über den Seeweg.“
Offen bleibt, inwieweit ein möglicher Liefervertrag mit Kasachstan die Kooperation mit Polen beeinflusst. Der Danziger Hafen zählt neben der Rostocker Pipeline zu den wesentlichen Versorgungsrouten für die PCK. Laut polnischen Medienberichten zweifele Polen an, dass über den nördlichen Druschba-Strang ausschließlich kasachisches Öl ankommt. Warschau wolle beim nächsten EU-Sanktionspaket auf Garantien der Bundesregierung bestehen, dass es sich bei dem gelieferten Rohöl nicht um russisches handele.



