Die Potsdamer Platz Arkaden heißen jetzt „The Playce“. Und der neue „Food Hub“, in niveaulosem Deutsch könnte man auch „Fressmeile“ sagen, trägt den Namen „Manifesto Market“. In dem zweistöckigen neuen Riesen-Restaurant können Besucher des umgebauten Einkaufscenters ab sofort auf 4400 Quadratmetern eine kulinarische Weltreise unternehmen.
Nicht weniger als 22 Restaurants und vier Bars bieten Speisen und Getränke aus Asien, Südamerika und dem Nahen Osten an. Hinter vielen Theken wird derzeit noch gewerkelt. Am Mittwoch (24.1.), dem offiziellen Start des Manifesto Market, werden längst nicht alle Anbieter geöffnet haben.

Syrische Spezialitäten für die Bundeskanzlerin

Am Start sind unter anderem das „Malakeh“, ein Catering-Unternehmen, deren syrisches Besitzerpärchen schon Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei einem Empfang gefüllte Auberginen servieren durfte. Bei „El Bodegon“, ein paar Schritte weiter, bekamen die ersten Gäste, die argentinische Empanada orderten, einen Flyer zur richtigen Verzehrweise in die Hand gedrückt.
Von einigen Plätzen des neuen Manifesto Market Berlin kann man auch direkt in das umgebaute Einkaufscenter am Potsdamer Platz blicken.
Von einigen Plätzen des neuen Manifesto Market Berlin kann man auch direkt in das umgebaute Einkaufscenter am Potsdamer Platz blicken.
© Foto: Maria Neuendorff
Denn die mit Fleisch und Gemüse gefüllten Teigtaschen sind so saftig, dass man sie lieber per Hand in umwickelter Serviette genießen sollte, anstatt mit Messer und Gabel hineinzustechen und seinen Nachbarn vollzuspritzen.

Keine großen Ketten, sondern Familienbetriebe

Alle Gerichte werden nicht in Pappschalen, sondern nachhaltig in Porzellan serviert. Die großen typischen Imbiss-Ketten, die sonst in Malls vorherrschen, findet man hier nicht. Die meisten der Gastronomen, die nun täglich von 11 bis 23 Uhr ihre Spezialitäten anbieten wollen, haben sich in der Berliner Slow- und Streetfood-Szene schon einen Namen gemacht.
Das hat seinen Preis: Eine Portion gegrilltes argentinisches Saumfleisch, gefüllt mit Provolone-Käse, Spinat und getrockneten Tomaten, kostet 12 Euro, genauso wie die scharfe koreanische Nudelsuppe mit Tofu und Gemüse.
Die gesamte obere Etage ist der asiatischen Küche gewidmet. „Das war mir wichtig, denn in Berlin gibt es besonders viele sehr gute familiengeführte Asia-Restaurants, von denen es hier nur eine Auswahl gibt“, erklärt Manifesto-Chef Martin Barry. Der Unternehmer in karierter Hose und Turnschuhen kommt selbst aus New York. Seinen ersten Manifesto Market hat er 2018 in Prag gegründet. Die Mega-Filiale am Potsdamer Platz ist nun europaweit die größte ihrer Art.
Die Möbel hat Barrys Frau, die Architektin Hollie Lin, designt. Man kann auf hölzernen Thekenstühlen an geräumigen Bars sitzen und unter anderem japanischen Köchen beim Messerwetzen zusehen, sich aber auch in gebogenen Couchen oder gepolsterten Sesseln lümmeln, sich in großer Truppe an moderne Bierbänke hocken oder es sich mit Kissen auf den breiten Treppenstufen gemütlich machen, die gleichzeitig als Zuschauer-Arena dienen sollen.

Kulturprogramm im Manifesto Market geplant

Denn um die Menschen anzulocken, will der Manifesto-Chef auch regelmäßig DJs engagieren und Live-Konzerte, Filmabende und Kochshows veranstalten. Zur Berlinale (6. bis 26. Februar 2023) sind unter anderem Vorträge geplant.
Die Getränke werden an den Tischen bestellt, die Gerichte an den Theken. Wenn die griechischen Pommes oder die koreanischen Bowls fertig sind, brummen „Buzzer“, den jeder mit zu seinem Tisch nehmen kann.
Im neuen Manifesto Market am Potsdamer Platz in Berlin kann man unter anderem Bowsl von "Fat Monk" ordern.
Im neuen Manifesto Market am Potsdamer Platz in Berlin kann man unter anderem Bowsl von „Fat Monk" ordern.
© Foto: Maria Neuendorff
Bezahlt werden kann jedoch nur noch bargeldlos. Bevor die Gäste ihren Pin eingeben, werden sie vom Kartenlesegerät gefragt, ob sie Trinkgeld geben möchte. Scheine und Münzen werden Kunden höchstens noch im Dönerladen oder bei dm im Untergeschoss der Arkaden los.
In diesen wurden für den gesamten Umbau unter anderem 13 Rolltreppen abgerissen. Aus der früheren Mall wurden sechs Themenbereiche auf zwei Geschossen unter einem gemeinsamen Glasdach.

Bundesweit erster NBA-Fanshop

Der kanadische Eigentümer Brookfield hat das Areal 2016 übernommen und will das vor 25 Jahren auf dem Reißbrett im Niemandsland zwischen Ost und West entstandene Viertel neu gestalten und revitalisieren. Der Umbau der Arkaden war im April 2020 gestartet. Der neue Name „The Playce“ setze sich aus dem Wortspiel „place“ (Ort) und dem interaktiven Aspekt „play“ zusammen und soll die Neuausrichtung unterstreichen.
Blick in den umgebauten Potsdamer Platz Arkarden in Berlin. Die meisten der insgesamt 90 Geschäfte wollen bis März 2023 eröffnen.
Blick in den umgebauten Potsdamer Platz Arkarden in Berlin. Die meisten der insgesamt 90 Geschäfte wollen bis März 2023 eröffnen.
© Foto: Maria Neuendorff
Die meisten der rund 90 Geschäfte sollen nach und nach bis März 2023 eröffnen. Shoppen kann man unter anderem schon im TK Maxx, im Faschings- und Spielwaren-Shop Deko Behrend, in der holländischen Familien-Spielhalle namens „Gamestate“ sowie im bundesweit ersten NBA-Basketball-Fanshop.
Dazu will Peek & Cloppenburg seinen ersten „nachhaltigen Shop“ einweihen. Dazu wird das französische Unternehmen Mattel nicht nur Spielzeug verkaufen, sondern die Besucher in eine „Erlebniswelt“ einladen.

Geschäfte sind zu 95 Prozent vermietet

Die Umbauarbeiten von The Playce sind seit September 2022 abgeschlossen. Seit Dezember vergangenen Jahres seien die Geschäfte auf rund 40.000 Quadratmetern und drei Ebenen zu 95 Prozent vermietet, so ein Brookfield -Sprecher.
Auch die breite Treppe im zweistöckigen Manifesto Markt in Berlin ist als Aufenthaltsfläche gedacht. Auf der Leinwand soll es unter anderem regelmäßig Filmvorführungen geben.
Auch die breite Treppe im zweistöckigen Manifesto Markt in Berlin ist als Aufenthaltsfläche gedacht. Auf der Leinwand soll es unter anderem regelmäßig Filmvorführungen geben.
© Foto: Maria Neuendorff
Inzwischen haben auch die Bauarbeiten vor der Tür begonnen. Die Alte Potsdamer Straße sowie die Eichhornstraße werden bis 2025 zur Fußgängerzone umgebaut und bekommen zusätzliche Bänke und fußgängerfreundliche Erholungs-, Grün- und Freizeitbereiche. Das Quartier soll auch 30 Prozent mehr Bäume bekommen und das erste Berliner Viertel mit einer Insekten verträglichen Beleuchtung werden.
Doch auch auf der anderen Seite der Potsdamer Straße wird in den kommenden Jahren noch einiges passieren. Der ebenfalls kanadische Eigentümer Oxford Properties will über 200 Millionen Euro in die Modernisierung des Sony Centers investieren und dort auch das gastronomische Angebot erweitern und revolutionieren. Dabei legen die Entwickler einen Fokus auf gesunde Snacks und Feierabend-Cocktails für die Büromieterinnen und –mieter, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung.

Sony-Center bekommt auch neues Gastronomie-Konzept

Auch im Sony Center soll eine neue, zweistöckige „Food Hall“ auf zwei Etagen nach dem Konzept des Londoner Gastro-Anbieters Kerb entstehen. Das ähnelt dem des neuen Manifesto Markts. Auf den Flächen des ehemaligen IMAX-Kinos sollen auf 2.200 Quadratmetern in den besonderen Räumlichkeiten eine Auswahl von zwölf Vertretern der unabhängigen Berliner Gastro-Szene ab 2024 ihre Spezialitäten anbieten sowie ihre Kochkünste präsentieren, erklärt Oxford Properties. Daneben sind vier Bars geplant. Interessierte Berliner Gastronomen können sich per E-Mail an hq@kerbfood.com bewerben.