Nach der Öko-Katastrophe an der Oder sind erneut tote Fische angespült worden. Die Fische seien am Sonntagmorgen (4. September) in der Alten Oder bei Oderberg am Zusammenfluss mit dem Oder-Havel-Kanal aufgetaucht. Das teilt Lars Dettmann, Geschäftsführer des Landesfischereiverbandes Brandenburg/Berlin, gegenüber MOZ.de mit. Das seien „die Nachwehen der vor drei Wochen erfolgten Abschottung des Oderbruchs vom Wasserzulauf aus der Oder“, so Dettmann. So habe der „danach entstandene Sauerstoffmangel innerhalb des Systems der Alten Oder“ zu Fischsterben geführt.
Zuerst hatte der rbb berichtet. Dem Bericht zufolge seien Angermünde, Eberswalde, Hohenfinow, Liepe, Lunow-Stolzenhagen, Chorin, Niederfienow sowie die Städte Oderberg betroffen. Die Leitstelle Nordost der Brandenburger Feuerwehr hatte vor einer möglichen Gewässervergiftung gewarnt und dazu aufgerufen, dem Fluss fernzubleiben, nicht zu angeln und keine toten Fische anzufassen.
Das Fischsterben in der Alten Oder ist nach Auskunft von Landesagrarminister Axel Vogel (Grüne) nicht vergleichbar mit dem massenhaften Fischsterben in der Oder.
Nach derzeitigen Erkenntnissen sei das Fischsterben in der Alten Oder durch Sauerstoffzehrung ausgelöst worden, sagte Vogel am Montag in Potsdam. Die Dimension und die Ursache seien nicht vergleichbar mit dem, was in der Oder passiert sei. Es gehe hier auch nicht um Einleitungen in den Fluss. „Fischsterben ist eben nicht gleich Fischsterben“, meinte Vogel.

Alte Oder wurde abgeriegelt

Die Alte Oder sei abgeriegelt worden, nachdem die erste Welle von toten Fischen die Oder heruntergekommen sei, sagte der Minister. Deshalb sei über mehrere Tage kein Frischwasser zugeführt worden. Das habe dazu geführt, dass aufgrund der hohen Temperaturen und der Verdunstung die Wassermenge in der Alten Oder gesunken sei. „Die Fische ersticken, weil sie keinen Sauerstoff mehr haben“, sagte Vogel.
Das Institut für Binnenfischerei untersucht dem Minister zufolge das Fischsterben in der Alten Oder. Das Landesamt für Umwelt nehme Proben, sagte die Ministeriumssprecherin. Die genaue Ursache für das massenhafte Fischsterben in der Oder ist noch nicht abschließend geklärt. Bis Ende September soll der Abschlussbericht einer deutsch-polnischen Expertengruppe vorliegen. Wissenschaftler gehen davon aus, dass ein hoher Salzgehalt im Fluss ein wesentlicher Grund ist, verbunden mit Niedrigwasser, hohen Temperaturen und einer giftigen Algenart. Laut Umweltministerium in Potsdam könnte die Einleitung von Salz legal gewesen sein.
Seit Anfang August war aus dem deutsch-polnischen Grenzfluss tonnenweise toter Fisch geborgen worden. Ende August hatte Brandenburgs Umweltminister Vogel Entwarnung signalisiert und gesagt, die akute Krisenlage für die Oder sei vorbei.

Fische können auch weiterhin verenden – das ist der Grund

Seit der Öffnung der Zuläufe am 19. August ströme „jetzt von Süden frisches Wasser nach“, was „das abgestandene und durch die abgestorbene Biomasse trübe Wasser in den nördlichen Teil des Oderbruchs“ drücke, so Lars Dettmann. Dabei könne es auch weiterhin passieren, dass Fische verenden.