Vor einem Jahr habe er noch im Kraftwerk Jänschwalde gearbeitet, sagt er im Pressegespräch gleich mehrfach. Und nun soll er am heutigen Mittwoch im Namen der größten Oppositionsfraktion auf die Regierungserklärung des Ministerpräsidenten zum Strukturwandel in der Lausitz antworten. "Ich habe so etwas noch nie gemacht, kann seit Tagen kaum schlafen und hoffe, dass ich mich mit meiner Rede nicht blamiere", gesteht der 56-Jährige.
Aber Kubitzki weiß auch, dass es auf diesen Auftritt nicht ankommt, wenn das Schicksal von Partei und Fraktion auf dem Spiel steht. Seine größte Sorge sei, morgens aufzuwachen und die nächsten Austritte, Auflösungen oder Abspaltungen innerhalb der Brandenburger AfD quittieren zu müssen, sagt er.
Und was ist in seinen Augen zu tun, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen? Abwarten, keine Hektik verbreiten, nichts übers Knie brechen, lautet dazu seine erste Antwort. Man habe überhaupt keinen Druck, sich jetzt mit der Causa Kalbitz zu beschäftigen. Vor allem mit der Frage, ob der aus der Partei ausgeschlossene Ex-Chef weiterhin Mitglied der AfD-Fraktion im Landtag sein sollte. Die Frage, ob sich die Fraktion öffentlich von ihm distanzieren sollte, stelle sich sowieso nicht. Und ein politischer Kurswechsel der AfD-Fraktion sei ebenfalls kein Thema.
Der von Andreas Kalbitz angeblich per freundschaftlichem Boxhieb mit Milzriss ins Krankenhaus beförderte Dennis Hohloch, sein kommissarischer Nachfolger, soll erst einmal gesund werden, wiederkommen und sich in der Fraktion erklären. Das werde in ein oder zwei Wochen der Fall sein. Anschließend könne man über die Wahl eines neuen Fraktionschefs nachdenken, skizziert Kubitzki das weitere Vorgehen. Und sicher werde dann auch über den künftigen Status von Kalbitz diskutiert.
Bis dahin würden er und Birgit Bessin, ebenfalls Vize-Chefin, die Fraktion führen. Doch Kubitzki ahnt offenbar selbst, dass die Fraktion das Verhältnis zu Kalbitz auf Schritt und Tritt verfolgen wird. "Er ist ein Alphatier, das gebändigt werden muss", sagt Kubitzki.
Er persönlich glaube nicht, dass Kalbitz in der Landtagsfraktion eine Zukunft hat. Denn dieser sei kein Parteimitglied und als rechtsstaatlichen Prinzipien verpflichteter Politiker akzeptiere er das Urteil des Berliner Landgerichts, das Kalbitz’ Eil-Antrag gegen den Parteiausschluss abgewiesen hat, betont Kubitzki. "Ich habe dazu einen klaren Standpunkt." Ob er glaube, dass diese Position in der AfD-Fraktion mehrheitsfähig ist, ließ Kubitzki offen. Zuletzt hatte es bei Abstimmungen immer noch großen Rückhalt für Kalbitz gegeben, der allerdings in der vergangenen Woche nach der Milzriss-Affäre zumindest seinen Verzicht auf den Fraktionsvorsitz erklärt hatte.
Wenn er kommt, sitzt er hinten
Für die nächsten Tage wird er wohl sowieso von der Bildfläche verschwinden. Von der dreitätigen Landtagssitzung habe sich der 47-Jährige abgemeldet. "Warum er nicht da ist, weiß ich nicht. Er wird seine Gründe haben", vermutet Kubitzki. Sich abzumelden sei sein gutes Recht. "Aber natürlich ist es immer doof, wenn man an Plenarsitzungen nicht teilnimmt."
Sollte Kalbitz doch im Landtag auftauchen, erhalte er einen neuen Sitzplatz. "Ich sitze in der ersten Reihe, und er wird alphabetisch nach hinten sortiert", erläutert Fraktions-Vize Kubitzki.