Gehalt in Brandenburg
: Scholz fordert höhere Löhne im Osten – können Firmen das zahlen?

Bundeskanzler Olaf Scholz hat auf dem Ostdeutschen Wirtschaftsforum in Bad Saarow gefordert, dass Arbeitnehmer im Osten höhere Löhne bekommen sollten. So reagieren Unternehmer und Verbände.
Von
Sebastian Becker
Bad Saarow
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Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) spricht auf dem Ostdeutschen Wirtschaftsforum (OWF). Er hat höhere Löhne für den Osten gefordert. Geht das überhaupt?

Patrick Pleul/dpa

Höhere Löhne für Fachkräfte im Osten – dafür hat sich Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) am Sonntagabend auf dem Ostdeutschen Wirtschaftsforum in Bad Saarow ausgesprochen. „Noch immer bekommen Ostdeutsche im Durchschnitt rund 620 Euro weniger Lohn im Monat als Westdeutsche, in manchen Branchen sogar bis zu 1000 Euro“, sagte der Regierungschef.

Mit dem „Wirtschaftsboom Ost“ müsse sich das nun ändern. Was sagen jetzt die Unternehmen dazu?

Brandenburg: Anpassung der Löhne vielerorts schon Realität

Das Bild, das dieses Nachrichtenportal auf dem ostdeutschen Wirtschaftsforum gewonnen hat, sieht dagegen eher zurückhaltend aus: Letztlich sei dies eine politische Aussage, die kaum überraschend komme, schließlich ist der Bundeskanzler Mitglied einer Partei, die sich für höhere Löhne einsetzt. Darüber hinaus sei eine Lohnanpassung bei Ihnen doch schon längst Realität, erklären Wirtschaftsvertreter aus den ostdeutschen Bundesländern.

RockTech aus Guben zahlt schon Löhne wie im Westen

„Wir sind der Meinung, dass hoch qualifizierte Arbeit auch fair bezahlt werden muss“, sagt Dirk Harbecke, der CEO von RockTech aus Guben. „Fair bedeutet ganz klar, dass wir mit denselben Löhnen im Osten unterwegs sind wie im Westen Deutschlands“, so der Manager. „Das ist ganz klar unsere Philosophie“, betont der Geschäftsmann. Von Branche zu Branche sei dies zwar unterschiedlich. Bei RockTech im Bereich der Batterie Supply Chain sei das mit Sicherheit zu bewerkstelligen. „Es gibt aber bestimmt andere Industrien, in denen das etwas komplizierter ist und wo man bestimmte Standortnachteile in Ostdeutschland hat“, so Harbecke. „Bei uns in der Batterie-Supply-Chain ist aber Ostdeutschland der perfekte Standort – und damit sind auch erhöhte Löhne gerechtfertigt“, so der Manager.

„Die Forderung der Politik, Ost und West anzupassen, besteht schon länger“, sagt Nora Schmidt-Kesseler, Hauptgeschäftsführerin Nordostchemie-Verbände. Folglich seien die Aussagen von Scholz keine Überraschung gewesen. „Dies betrifft uns allerdings nicht“, so die Verbandsvertreterin.

Keine Unterschiede beim Gehalt zwischen Ost und West

„Denn bei uns in der Chemie-Industrie gibt es keine Lohnunterschiede mehr zwischen Ost und West“, so Schmidt-Kessler. Scholz habe gesagt, dass die Tarifbindung angeblich so schlecht sei. „Aber wir in Ostdeutschland haben eine starke Tarifbindung“, erklärt die Hauptgeschäftsführerin. „Wir sind eine Hochlohnbranche.“

Keine Überraschung war diese Forderung auch für Michael Schumann, den Vorsitzenden des Vorstands des Bundesverbandes für Wirtschaftsförderung und Außenwirtschaft (BWA): „Es war eine begrüßenswerte Initiative, die der Kanzler hier ergriffen hat“, so der Firmenvertreter. „Denn es geht im Wesentlichen darum, wie wir weitere Investitionen in die ostdeutschen Bundesländer bekommen können“, so Schumann.

BWA: „Löhne müssen auf westdeutsches Niveau gebracht werden“

Alles, was der Strukturförderung helfe, sei willkommen. „Er hat sich noch an die Unternehmer gewendet, dass man natürlich auch die Anreize schaffen muss, in den ostdeutschen Bundesländern zu leben und zu arbeiten“, erklärt er. „Wir als Unternehmensverband können dem beipflichten, dass man die Löhne auf ein Niveau bringen muss, das mit den westdeutschen Löhnen mithalten kann“, fügte Schumann hinzu.

„Ähnliche Löhne in der Elektroinstallation und im Heizungsbau bereits Realität“

Ähnlich relaxt reagierte auch Stefan Korneck, der Geschäftsführer von SCM Energy, einem Technologieunternehmen aus Salzwedel in Sachsen-Anhalt: „Diese Forderung kam überhaupt nicht überraschend, weil dies tatsächlich schon in vielen Unternehmen Standard ist“, so der Manager. „Es gab bereits viele Anpassungsrunden für die Löhne, einerseits, um die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu halten, und zum anderen, um sich gegen Abwerbungsversuche zu schützen“, erklärte der Geschäftsführer.

„Das erleben wir insbesondere im Bereich der Elektroinstallation und im Heizungsbau und anderen Branchen, wo die Märkte boomen“, sagte er. „Wir verzeichnen dort im Halbjahresrhythmus steigende Löhne“, erklärt der Manager. Das sei für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer positiv. Solange dies mit steigender Produktivität und entsprechenden Umsätzen einhergehe, sei dies für die Unternehmen auch machbar.

„Wettbewerbsfähigkeit der Firmen muss erhalten bleiben“

Auch Robert Franke, der Managing Director von IMG, der Wirtschaftsförderungsgesellschaft von Sachsen-Anhalt, blieb gelassen:

„Auf der einen Seite sind attraktive Löhne natürlich wichtig, um Fachkräfte zu gewinnen“, so der Wirtschaftsförderer. „Deswegen sehe ich an dieser Stelle, dass viele Unternehmen ganz stark auf die Entlohnung setzen“, erklärt er. Viele Firmen sagten ja auch, dass wir noch weitere Überlegungen benötigten, wie wir noch weitere Mitarbeiter binden können. „Auf der anderen Seite muss unterm Strich die Kostenstruktur in den Unternehmen so bestehen bleiben, dass die Wettbewerbsfähigkeit für jedes einzelne Unternehmen am Markt bestehen bleibt“, erklärt er.