Klirrende Kälte hat Brandenburg und Berlin auch am Sonntag noch im Griff. Doch am Montag (19.12.) droht der Wetterumschwung mit gefährlichem Glatteis. Bereits in der Nacht zu Montag wird es deutlich ungemütlicher.
Von Westen her komme Regen auf, der im Norden und Teilen der Mitte in gefährliches Glatteis übergehen könnte, erklärt Meteorologe Florian Bilgeri vom Deutschen Wetterdienst (DWD). „Auch unwetterartige Entwicklungen sind durchaus denkbar“, sagt der DWD-Meteorologe.
Wir berichten über die aktuelle Lage in Brandenburg und Berlin:

Polizei: Kein Chaos auf Brandenburgs Straßen

Die befürchteten Glätteunfälle sind in Brandenburg bis zum Montagnachmittag ausgeblieben. Es gebe keine dramatische Lage, sagte ein Sprecher des Lagedienstes. Er sprach von zwei bis vier Glätteunfällen im gesamten Land. Die Autofahrer seien rechtzeitig informiert und dadurch offensichtlich gewarnt worden, schätzte er ein. Die Autofahrenden rief er auf, sich den Witterungsverhältnissen anzupassen und vorsichtig zu fahren.

Einige Verletzte in Berlin nach Glatteis im Krankenhaus

Glatte Straßen haben am Montag vermehrt für Einsätze der Berliner Feuerwehr gesorgt. Am Montagnachmittag hätten sich die Meldungen gehäuft, dass Menschen ausgerutscht und gestürzt seien, sagte ein Feuerwehrsprecher.
Einige von ihnen wurden demnach mit Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht. Einsatzkräfte von 16 freiwilligen Feuerwehren aus Berlin seien wegen der Wetterlage zusätzlich in den Dienst gerufen worden. „Das hilft uns, dass wir immer noch Herr der Lage sind“, sagte der Sprecher.

Unfälle in Neuruppin und Kyritz

Trotz vielerorts überfrorener und glatter Straßen kam es in Oberhavel und Ostprignitz-Ruppin bis 15 Uhr kaum zu glättebedingten Unfällen. Nach Angaben der Pressestelle der Polizeidirektion Nord in Neuruppin kam es nur in Neuruppin und Kyritz zu jeweils einem Unfall wegen der Witterung entsprechend unangepasster Geschwindigkeit. In beiden Fällen blieb es bei Sachschäden. In Oberhavel wurde bis 15 Uhr kein witterungsbedingter Unfall aufgenommen.

Schule schließt in Eisenhüttenstadt

Das Glatteis hat auch in Eisenhüttenstadt erste Folgen. Mindestens eine Schule hat bereits den Präsenzunterricht um 12 Uhr beendet. Wie die Straßenmeisterei mit dem Winterdienst auf die Situation vorbereitet ist, erfahren Sie hier.

Warnung vor Glatteis in Parks und Gärten

Auf Ausflüge und Spaziergänge in Parks und Gärten in Potsdam, Berlin und Brandenburg sollten Besucher wegen Glätte vorerst verzichten. Dazu hat die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) am Montag geraten. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte vor Glatteis durch gefrierenden Regen.
Die Stiftung bat ihre Gäste, diese Warnung zu beachten. Im Verbund der SPSG sind über 30 Schlösser und Gärten in Berlin und Brandenburg. Neben den berühmten Hohenzollernresidenzen Sanssouci in Potsdam und Charlottenburg in Berlin gehören in Brandenburg die Schlösser Rheinsberg, Caputh, Königs Wusterhausen, Oranienburg und Paretz dazu.

Tierpark Berlin schließt wegen Gefahr vor Glatteis

Wegen Glatteisgefahr hat der Tierpark in Berlin am Montag, 19. Dezember, seine Tore geschlossen. Mitarbeiter haben am Montagmorgen damit begonnen, den Park zu räumen, wie eine Sprecherin mitteilte. „Tiere, für die das Glatteis eine Gefahr darstellen könnte, bleiben vorsorglich in ihren Ställen.“
Am Dienstag, 20. Dezember, sollte der Tierpark laut Angaben der Sprecherin wieder öffnen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte am Montag vor Glatteis in Berlin und Brandenburg gewarnt.

Auch die Feuerwehr mahnt zur Vorsicht

Angesichts der Glättegefahr in Berlin am Montag hat die Feuerwehr die Menschen zur Vorsicht aufgerufen. Grundsätzlich warnte sie davor, gefrorene Gewässer zu betreten. Man könne nicht sehen, ob eine Eisschicht dick genug und begehbar sei, sagte ein Sprecher der Feuerwehr am Montag. „Gerade bei fließenden Gewässern ist Vorsicht geboten, das Wasser fließt unter der Schicht ja weiter.“ Eisflächen auf Flüssen, Seen oder Teichen sollten Menschen allgemein nicht betreten.

Warnung vor Unwettergefahr: Regen kann Straßen in Eisbahnen verwandeln

Der Deutsche Wetterdienst warnt am Montag, 19. Dezember, vor Unwettergefahr ab dem Vormittag von Westen her kommend. Demnach beginnt es zwischen Prignitz, Havelland und Fläming. Dort beginnt es zu regnen, der Regen trifft auf die tief gefrorenen Böden – es bildet sich gefährliches Glatteis. Der gefrierende Regen kann einen dicken Eispanzer bilden. Autofahrer sollen laut DWD vorsichtig fahren, möglichst volltanken und Decken sowie warme Getränke mitnehmen.
Gegen Mittag erreicht der Regen den Berliner Raum und am frühen Nachmittag droht auch an Oder und Neiße Regen, der die Straßen in gefährliche Eisbahnen verwandelt. Im weiteren Tagesverlauf, in den westlichen Landesteilen beginnend, Milderung und wieder abnehmende Glatteisgefahr.
Und es wird wärmer. Die Temperaturen erreichen am Montag, 19. Dezember, Höchstwerte zwischen 1 Grad Celsius an der Oder und bis 4 Grad Celsius im Havelland. Es herrscht überwiegend mäßiger Südwind.

Der Wetterexperte erklärt, wie Glatteis entsteht

Laut ARD-Wetterexperte Donald Bäcker war die Nacht von Dienstag auf Mittwoch (14.12.) die bisher kälteste des Jahres 2022. In Doberlug-Kirchhain im Landkreis Elbe-Elster war es sogar minus 15,0 Grad Celsius. Bäcker hatte das Glatteis in Brandenburg bereits in der vorherigen Woche für diesen Montag, 19. Dezember, vorhergesagt. „Ab Montag schieben atlantische Tiefausläufer zuerst in höheren Atmosphärenschichten milde Luft nach Brandenburg.
Daher fällt Regen, der auf dem kalten Erdboden sofort gefriert“, erklärt der gebürtige Neuruppiner, der in Walsleben im Landkreis Ostprignitz-Ruppin lebt. Dieser gefrierende Regen wird auch Glatteisregen oder Blitzeis genannt und ist die schärfste Form der Glätte. „Eine gefährliche Glatteis-Situation in weiten Teilen von Brandenburg ist zu befürchten“, sagt Bäcker.
Regenfälle auf gefrorenen Boden sorgen binnen kurzer Zeit für gefährliches Blitzeis auf Straßen und Schienen. Darüber hinaus besteht auch die Gefahr von Eisbruch, wenn sich binnen kurzer Zeit etwa auf Bäumen oder Masten massive Eisanhaftungen oder größere Mengen nassen Neuschnees ansammeln.