Haus Petri Berlin
: Unterwelt-Grüße – Archäologen lüften Geheimnisse der Geschichte

Das neue Haus Petri in Berlin bietet besondere Erlebnisse: Besucher dürfen Archäologen bei der Arbeit zusehen und auf Entdeckungsreise gehen. Alte Fluchttunnel und spektakuläre Funde warten.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Pressevorbesichtigung des Archäologie Lab „Petri“

Im Untergeschoss des neue „Petri Berlin“ sind unter anderem Fundamenten der mittelalterlichen Lateinschule aus dem 14. Jahrhundert zu sehen, die Archäologen schon 2007 freigelegt haben.

Fabian Sommer/dpa
  • Neues „Petri Berlin“: Museum und Labor mit Einblicken in Archäologie und Geschichte.
  • Besucher erleben Funde vom Mittelalter bis zur Neuzeit; interaktive Stationen inklusive.
  • Highlights: mittelalterliche Schul-Fundamente, DDR-Fluchttunnel und historische Gebeine.
  • Kosten: 6€ Erwachsene, 3€ Kinder; Eröffnungswoche ab 24. Juni 2025 kostenlos.
  • Terrasse bietet neue Perspektiven auf Berlin-Mitte.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

In der Berliner Erde sind viele Geheimnisse verborgen. Archäologen versuchen, besonders in der historischen Mitte der Stadtgeschichte mithilfe von Funden von der Steinzeit bis zur Neuzeit auf den Grund zu gehen. Nun können Laien ihnen dabei quasi live über die Schulter schauen.

Das neue „Petri Berlin“ ist nicht nur ein Museum, sondern auch Werkstatt- und Laborgebäude. Durch große Fenster können Besucher den Archäologen bei der Arbeit zuschauen. Im ersten Stock werden Funde gereinigt, im zweiten restauriert. Es gibt auch interaktive Stationen, an denen Interessierte selbst Hand anlegen können.

Archäologie in Berlin – Freude am Forschen vermitteln

An einer kann man die nachgebauten Scherben eines Henkeltopfes aus dem 13. Jahrhundert zusammenpuzzeln. An einer Fotostation Bilder von archäologischen Fundstücken machen und diese digitalisieren.

„Das Petri ist ein Ort zum Entdecken, Anfassen und Mitmachen. Wir wollen Prozesse sichtbar machen, die sonst im Hintergrund verborgen bleiben, und Freude am Forschen vermitteln“, erklärte Anne Sklebitz, Leiterin des Petri Berlin, einen Tag vor der offiziellen Eröffnung am 24. Juni 2025. „Die Besuchenden können bei uns spielerisch selbst die Rolle von Forschenden einnehmen und parallel Einblicke in reale Arbeitswelten erhalten.“

In den Räumen, die für rund 35 Millionen Euro unweit des U-Bahnhofs Spittelmarkt entstanden sind, arbeiten rund 20 Mitarbeiter vom Museum für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin sowie des Landesdenkmalamtes Berlin. In den Magazinen lagern rund 100.000 Objekte.

Auf den Werkstatt-Tischen liegen Tierknochen und gebrannter Lehm neben einer reich verzierten grünen Ofenkachel aus dem 15. Jahrhundert. Im ersten Schritt säubern die Experten die Fundstücke mit Pinsel, Wasser und manchmal auch mit der Zahnbürste. Neben zusammengeflickten Mittelalter-Krügen, Pfeilspitzen und Feuersteinen hängt ein Telefonhörer aus der Berliner Gründerzeit.

Petri Berlin – toller Blick über Hauptstadt

Denn die Archäologen sichern auch vieles aus dem 20. Jahrhundert. Mercedes Gransow, die das archäologische Eingangsmagazin des Landesdenkmalamts Berlin im neuen Haus Petri leitet, berichtet von alten Fahrkarten und einer blauen Glühbirne, die in einem Bunker im Zweiten Weltkrieg für gedimmtes Licht sorgen sollte.

Im Haus Petri sind aber auch eine VEB-Seifendose und ein Schraubenzieher aus einem DDR-Fluchttunnel ausgestellt. „Manchmal lebt vielleicht sogar noch der Besitzer“, sagt Mercedes Gransow. „Da muss man dann auch überlegen: Geben wir es zurück oder ist es schon Kulturgut?“

Was besonders erhaltenswert und interessant erscheint, geht, bevor es ausgestellt wird, in die Restauration. Auch diesem Bereich ist im neuen Haus eine eigene Etage gewidmet. Die Mitarbeiter und die Funde ziehen nach und nach vom Schloss Charlottenburg nach Mitte um.

Von einer Terrasse in der sechsten Etage aus haben die Museums-Besucher einen ganz neuen Ausblick auf die Berliner Mitte. An der viel befahrenen Grunerstraße - die im Zuge eines aufwendigen Stadtumbaus verkleinert werden soll - sind in den vergangenen Jahren zwischen Rotem Rathaus und Alexanderplatz neue Hotelquader und Apartmenthäuser entstanden. Das „House of One“, eine Drei-Religionen-Kirche, ist noch im Bau. Doch jedes Mal, bevor die Bauarbeiter anrücken, dürfen immer erst die Archäologen den Boden nach historischen Relikten durchsieben.

Der Molkenmarkt gleich nebenan, auf dem nach den Grabungen ein neues Wohnquartier entstehen wird, eignet sich perfekt für die Spurensuche, freut sich Mercedes Gramsow. „Dort können wir uns von der Neuzeit tief ins Mittelalter runtergraben.“

Arbeiten im Archäologie Lab „Petri“ an Ausstellungsstücken

Im neuen archäologischen Haus „Petri“ in Berlin-Mitte wird auch an den Ausstellungsstücken gearbeitet. In der Eröffnungswoche ab 24. Juni 2025 ist der Eintritt für Besucher frei.

Fabian Sommer/dpa

Die Funde seien für sie persönlich „gelebte Geschichte, mit der ich mich auch selbst identifizieren kann“, berichtet die 38-jährige Archäologin. Die Begeisterung für ihre Arbeit ist ihr mit jedem Wort anzumerken. Sie färbt auch schnell auf die Kinder der Schulklasse über, die zur Eröffnung an einem zweitägigen Workshop mit den Experten auf Spurensuche gehen darf.

Geschichte in Berlin – Gebeine der Ur-Berliner

Diese personalintensiven Veranstaltungen sind zwar eher die Ausnahmen. Das neue Haus eignet sich aber auch so für einen Ausflug mit Kindern. Für sie gibt es Begleithefte mit einem „Fundspiel“, bei denen sie die Stationen, von der Ausgrabung über die Reinigung, die Restaurierung, bis hin zur Aufnahme in das Magazin und zum Exponat in der Ausstellung durchlaufen können.

Das Haus, von außen eher ein schmuckloser Betonbau, erstreckt sich dabei über sieben Etagen und wurde über den Fundamenten der mittelalterlichen Lateinschule aus dem 14. Jahrhundert gebaut, die Archäologen schon von 2007 bis 2009 freigelegt hatten. Die Schule stand auf dem Petriplatz, auf dem sich über viele Jahrhunderte die Petrikirche befand. Sie war das Zentrum der Stadt Cölln, die früher eine eigenständige Stadt neben Berlin war.

Reste der Kirche sind neben den barocken Mauern der Schule im Keller zu sehen. Friedhofsblumen sorgen in dem Museumskeller für einen speziellen Geruch. Denn auch die Knochen der ältesten Berliner, die 2007 auf dem Kirchhof der ehemaligen Petrikirche entdeckt wurden, haben dort in einem Ossarium ihre letzte Ruhe gefunden.

In den ausgestellten Totenbüchern konnten die Wissenschaftler zwar ihre Namen nicht auflisten, aber etwas zu ihrem Alter, ihren Lebens- und Todesumständen dokumentieren. Über einen Mann, der im Alter von 20 bis 30 Jahren starb, steht geschrieben: „Seine Nasennebenhöhlen waren chronisch entzündet, vielleicht wegen der vielen offenen Feuer und der kalten Witterung?“, haben die Forscher in seiner Kurz-Vita notiert.

Im neuen Petri Berlin hat man nicht nur interessante Einblicke in die aktuelle archäologische Forschung, sondern auch einen schönen Ausblick auf Berlin-Mitte.

Im neuen Petri Berlin hat man nicht nur interessante Einblicke in die aktuelle archäologische Forschung, sondern auch einen schönen Ausblick auf Berlin-Mitte.

Maria Neuendorff

Die Gebeine von insgesamt 3716 Skeletten war nur einer von vielen Sensationsfunden aus den vergangenen Jahren. Doch nicht nur Berlins Gründungsort ist reich an verborgenen Schätzen. In Britz im Süden der Stadt wurde zum Beispiel eine Goldmünze im Grab eines 16-Jährigen entdeckt. Verwandte haben sie ihm vor mehr als 1400 Jahren mit auf seine letzte Reise gegeben, wahrscheinlich damit er damit den Fährmann ins Totenreich bezahlen kann, vermuten die Forscher.

Auch diese Geschichte können Besucher im Ausstellungshaus verfolgen. „Das Petri ist viel mehr als ein Museum. Es ist ein offenes Haus, das viele Überraschungen birgt – und die Menschen für Archäologie begeistern wird“, glaubt auch Kai Wegner, Regierender Bürgermeister von Berlin.

Kostenloser Eintritt in Eröffnungswoche

Das Petri Berlin befindet sich in der Kleinen Gertraudenstraße 8 in Berlin-Mitte, ganz in der Nähe des U-Bahnhofs Spittelmarkt.

In der Eröffnungswoche, die vom 24. bis zum 30. Juni stattfindet, ist der Eintritt kostenlos. Am 28. und 29. Juni gibt es stündlich kostenlose Führungen. Danach zahlen Erwachsene 6 Euro und Kinder 3 Euro. Für Jugendliche bis 18 Jahren ist der Eintritt frei.

Das Petri Berlin ist dienstags bis freitags von 9 bis 17 Uhr und am Wochenende von 10 bis 18 Uhr geöffnet