Heizungsgesetz von Habeck: Darum machen Handwerker Kunden Druck bei Tausch der Gasheizung

Eine Frau am Gas-Brennwertkessel, der noch vor zehn Jahren in Kombination mit einer Solarthermie-Anlage als neuester Stand der Technik und umweltfreundlich angepriesen wurde. Spätestens 2045 soll Schluss mit dem Einsatz fossiler Brennstoffe sein. Die Umrüstung auf eine Wärmepumpe in Bestandsgebäuden ist jedoch meist aufwendig und teuer.
IWOHabecks neues Gebäudeenergiegesetz (GEG) bereitet vielen Hauseigentümern auch in Brandenburg schlaflose Nächte. Noch wird um das neue Gesetz politisch heftig gerungen, eine Entschärfung des Gasheizungsverbots ist in Sicht. Doch Handwerker machen zunehmend Druck, fordern von ihren Kunden eine schnelle Entscheidung zum Gasheizungstausch – und setzen sogar Fristen. Was dahintersteckt und was Experten empfehlen.
Bis zum 15. Juni 2023 soll er sich entscheiden, ob er nun eine neue Gasheizung will oder nicht, erzählt ein Leser. Namentlich genannt werden will er nicht. Das ist genau das Datum für die Bundestagssitzung, die sich mit dem Entwurf des neuen Gebäudeenergiegesetzes beschäftigt. Längst ist klar, dass der überwiegende Teil der Gasheizungsbesitzer zunächst mit einer Schonfrist davonkommen wird. Wozu also die Eile?
Die Antwort darauf kennt Erik Debertshäuser, Geschäftsführer des Fachverbandes für Sanitär, Heizung, Klima (SHK): „Wer jetzt noch eine neue Gasheizung bis Ende des Jahres will, kommt eigentlich schon zu spät“, sagt er. Die Nachfrage sei so groß, dass Hersteller und Handwerker kaum hinterherkommen. Lange Lieferzeiten, volle Auftragsbücher können da zum Problem werden. „Der Zeitpunkt des Einbaus zählt, nicht der der Bestellung“, betont er.
Energieberater: Wasserstoff ist Champagner der Energiewende
Akut betroffen davon sind jedoch lediglich Gasheizungen in Neubauten in Neubaugebieten. Nur für diese soll das Verbot ab 2024 gelten, wenn sie nicht wasserstoff-fähig sind. „Solche Heizungen gibt es noch nicht serienmäßig“, sagt Erik Debertshäuser. Er selbst kenne Anlagen, die mit einem Wasserstoffanteil von 20 bis 30 Prozent arbeiten. Doch auch das reicht nicht für den geforderten Anteil von 65 Prozent an erneuerbaren Energien.
„Wasserstoff ist der Champagner der Energiewende“, sagt Joshua Jahn, Energieberater bei der Verbraucherzentrale. Für Privathaushalte sei er zu rar und zu teuer. „Die Lausitz hat zwar große Wasserstoffpläne„, betont er. Doch für die Produktion werde viel Wasser benötigt, was im trockenen Brandenburg zum Problem werden könne.
Für ihn ist zumindest im Neubau die von der Bundesregierung favorisierte Wärmepumpe ebenfalls die beste Wahl. Anders sieht es in Bestandsgebäuden aus. Der Umbau kann so aufwendig und kostenintensiv sein, dass die Wärmepumpe für die Besitzer keine Option ist. Der Anschluss ans Fernwärmenetz ist eine andere Möglichkeit. Die Kommunen müssen bis 2028 ihre Wärmeplanung vorlegen. So lange soll die Schonfrist für die Gasheizungsbesitzer in Bestandsgebäuden laufen.
EU deckelt CO₂-Preis bis 2030 auf 45 Euro pro Tonne
„Es gibt keinen Grund, eine funktionierende Gasheizung von heute auf morgen rauszuschmeißen“, sagt Joshua Jahn. Doch genau das machen zahlreiche Hausbesitzer, aus Angst, dass der Einbau eines neuen Gasgerätes ab 2024 verboten wird. Die Auftragsbücher der Lausitzer Handwerker sind brechend voll. Ob das die richtige Entscheidung ist, kann keiner sagen. Selbst die Handwerker halten sich mit einer Empfehlung zurück.
Fest steht, dass ab 2045 überhaupt nicht mehr mit fossilen Brennstoffen geheizt werden darf. Experten gehen aber davon aus, dass die Gaspreise mit dem EU-weiten CO₂-Emissionshandel ab 2028 steigen werden. Bis 2030 hat sich die EU auf eine Obergrenze von 45 Euro pro Tonne CO₂ geeinigt. Für eine Familie mit einem Gasjahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden sind das Mehrkosten in Höhe von knapp 200 Euro pro Jahr.
Wärmepumpen arbeiten mit Strom, der aktuell noch immer zu 50 Prozent aus fossilen Energieträgern wie Kohle und Gas gewonnen wird. Doch sie können aus einer Kilowattstunde Strom bis zu drei und vier Kilowattstunden Wärme produzieren. Laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) sparen Außenluft-Wärmepumpen 27 bis 52 Prozent CO2 im Vergleich zur Gasbrennwerttechnik, bei Erd-Wärmepumpen sind es 45 bis 65 Prozent.
Umfrage: 60 Prozent fordern bessere finanzielle Unterstützung
Laut einer Umfrage von Trendreport Wärmewende in Deutschland Anfang 2023 unterstützen 46 Prozent der Befragten das Gesetzesvorhaben der Bundesregierung, das einen Anteil von 65 Prozent erneuerbarer Energien beim Heizen festlegt. 44 Prozent lehnen es ab. Auf die Frage, was passieren müsste, damit das Gesetzesvorhaben unterstützt wird, geben 60 Prozent der Befragten eine bessere finanzielle Unterstützung beim Umstieg auf Erneuerbare Energien an.
Laut einer Beispielrechnung von CO₂-online.de für ein Einfamilienhaus (Baujahr 1970, letzte Sanierung 1993, 110 Quadratmetern Wohnfläche) kostet die Umstellung auf eine Luftwärmepumpe knapp 80.000 Euro inklusive Komplettsanierung. Bei der Erdwärmepumpe sind es 81.000 Euro, bei einer Pelletheizung 83.000 Euro, bei Fernwärme 78.000 Euro. Die monatliche Energiepreiseinsparung liegen zwischen 403 Euro (Luftwärmepumpe) und 537 Euro (Pelletheizung).
Was Gasheizungscheck und Dämmung bringen
Einsparpotenzial sieht Erik Debertshäuser aber auch bei Gasheizungen. „Die Optimierung der Anlage und der Hydraulik können bis zu 20 Prozent einsparen“, sagt er. Für Gasheizungen ist bis Ende 2024 ein verbindlicher Heizungscheck vorgeschrieben. „Das ist völlig in Vergessenheit geraten“, sagt er. Jetzt, wo alle Fachhandwerker geschult seien, gehe es nur noch um den Heizungstausch.
Aus Sicht von Energieberatern ist die Dämmung von Bestandsgebäuden aktuell der beste Weg, um CO₂ und Heizkosten zu sparen. „Wer ein schlecht gedämmtes Haus zu einem Passivhaus macht, was der Goldstandard ist, kann die Heizenergie sogar auf ein Zehntel reduzieren“, sagt Joshua Jahn. Das ist das maximal Mögliche.
In der Praxis ist eine Energieeinsparung von 50 Prozent durchaus realistisch. Selbst kleinere Maßnahmen wie die Dämmung der obersten Geschossdecke oder der Austausch von Fenstern und Türen bringen jeweils zehn Prozent Einsparung.
Wärmepumpen in Großbritannien und Italien
Streit um das Thema Wärmepumpen gibt es auch in Großbritannien. Hier plant die Regierung die Vorgabe von Quoten für die Produktion und den Einbau von Wärmepumpen, wie die FAZ berichtet. Werden die Vorgaben nicht eingehalten, soll es 5000 Pfund Strafzahlung je fehlende Wärmepumpe geben. Die meisten Briten heizen mit Gasboilern.
Italien gilt als Wärmepumpen-Wunderland. Nirgendwo wurden 2022 mehr Wärmepumpen verkauft (mehr als eine halbe Million). Der Grund ist die großzügige Förderung von 110 Prozent. Der Superbonus kostete den Staat laut FAZ-Bericht 75 Milliarden Euro. Die neue Regierung zog die Reißleine. Nur noch bestimmte Immobilen sind förderfähig, der Fördersatz ist auf 90 Prozent gesunken.
