Herz-Check in Berlin
: Gratis Untersuchung zwischen Bus und Bahn

Bei einer Aktion am Hauptbahnhof Berlin bieten Ärzte einen gratis Herz-Check an. Viele Freiwillige nutzen die Untersuchung. Ein Beispiel auch für andere medizinische Leistungen?
Von
Ole Rockrohr
Berlin
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Herzuntersuchung

In Berlin können Bürger spontan ihr Herz untersuchen lassen. Unmittelbar vor dem Hauptbahnhof bietet eine Initiative den gratis Herz-Check an.

Ole Rockrohr
  • Vor dem Berliner Hauptbahnhof gibt es einen gratis Herz-Check in einem Zelt.
  • Vivantis-Kliniken und „Initiative Hertzklappe“ bieten die kurze Untersuchung an.
  • Ablauf: ohne Anmeldung anstellen, Arzt hört wenige Sekunden Herzgeräusche ab.
  • Initiator Jens Neumann betont Früherkennung, 20 Prozent zeigen auffällige Befunde.
  • Bei Auffälligkeiten folgt eine Überweisung, weitere Aktionen sind in Planung.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Vom Bus auf dem Weg in die Bahn noch mal eben schnell eine ärztliche Untersuchung erledigen? In Berlin ist das möglich. Die Vivantis-Kliniken und die „Initiative Hertzklappe“ haben im Zentrum der Hauptstadt, direkt vor dem Hauptbahnhof, eine kostenlose und schnelle Untersuchung der Herzgeräusche angeboten. Herzprobleme können so frühzeitig erkannt werden. Wie läuft die Aktion ab?

„Eigentlich bin ich hier nur, um zu hören, dass alles okay ist“, erzählt eine Frau mit grauen Haaren ihrer Freundin in der Schlange vor dem Hauptbahnhof in Berlin. Die antwortet mit einem eifrigen Nicken. Nur noch wenige Personen stehen vor ihnen auf dem Washingtonplatz. Nach und nach betreten sie das weiße Zelt. Darin befindet sich nicht viel: eine medizinische Liege, ein intensiver Geruch nach Desinfektionsmittel und ein Arzt, der darauf wartet, die Wartenden zu untersuchen. Denn die improvisierte Arztpraxis steht an diesem Freitag (18.9.) aus einem guten Grund da: Die Vivantis-Kliniken und der Verein „Initiative Hertzklappe“ ermöglichen allen Vorbeikommenden, eine unkomplizierte und schnelle Untersuchung der Herzgeräusche.

Die Bürger kommen ohne Voranmeldung vorbei, stellen sich an und lassen sich nach einer gewissen Wartezeit untersuchen. Nachdem ein Mediziner wenige Sekunden die Herzgeräusche abgehört hat und nach einem kurzen Arztgespräch, können die Menschen weiter ihrem Tagesablauf folgen. Und das Angebot kommt an. Während der Aktion stehen konstant mehr als ein Dutzend Menschen in der Warteschlange.

Diese Gefahren drohen bei unbehandelten Herzerkrankungen

Jens Neumann ist Initiator der Aktion und Vorsitzender der „Initiative Hertzklappe“. Während die Berliner drinnen ihre Herztöne abhören lassen, verteilt Neumann draußen an die Anwesenden Fruchtzucker und Infomaterial, um die Wartezeit zu verkürzen. Neumann ist sichtlich erfreut über den Andrang. Nach knapp zwei Stunden hätten sich bereits mehr als 60 Menschen kontrollieren lassen. „Und es wird auch nicht weniger“, stellt Neumann mit einem Blick auf die Warteschlange fest.

Neumann ist nicht nur Vorsitzender des Vereins, sondern auch selbst Patient mit einer Herzklappenerkrankung. Er weiß: „Eine gute Früherkennung ist wichtig, um Folgeschäden zu vermeiden und das Risiko bei einer OP zu minimieren.“ Deshalb hätten sich auch die Ärzte bereit erklärt, hier ehrenamtlich für die Initiative die Herzgeräusche abzuhören.

Bleiben Herzklappenerkrankungen unbehandelt, können teils schwere Folgen für die Patienten eintreten. Herzschwäche, Luftnot, Herzrhythmusstörungen sind nur einige der möglichen Folgen. Dabei sind vorwiegend ältere Mitbürger gefährdet. Deshalb sei es wichtig, das Herz regelmäßig von einem Arzt abhören zu lassen, so Neumann. „Oder wenn man typische Symptome wie Kurzatmigkeit, schnelle Erschöpfung oder Schwindel hat“.

Lange Wartezeit auf Facharzt-Termin schreckt viele ab

Das müsste auch jeder Arzt können. Doch heutzutage einen Arzttermin zu machen, ist gar nicht mal so einfach, wie die Initiatoren der Aktion wissen. „Gerade mit einem Facharzt, da muss man teilweise ein Jahr warten“, sagt Jens Neumann. „Deshalb machen wir die Aktion ja heute. Es ist ein niedrigschwelliges Angebot, bei dem man schnell herausfinden kann, ob eine der vier Herzklappen beschädigt ist.“

20 Prozent haben in Berlin auffällige Herzgeräusche

Und das kommt gar nicht so selten vor. Circa 20 Prozent der Menschen, die sich bei den Aktionen der Initiative abhören lassen, haben ein auffälliges Herzgeräusch, sagt Neumann. „Das bedeutet nicht, dass jeder sofort operiert werden muss, aber man sollte ein Auge drauf haben.“ Kommt es bei der Untersuchung hier am Hauptbahnhof zu Auffälligkeiten, besprechen die Ärzte mit den Patienten, wie es weitergehen soll, und verweisen sie an einen Arzt, der dann die Auffälligkeiten noch einmal genauer untersucht. „Der nächste Schritt wird dann mit dem Facharzt besprochen“, so Neumann.

Doch die meisten kommen an diesem Tag mit unauffälligen Ergebnissen und einem erleichterten Gesichtsausdruck aus dem Untersuchungszelt auf dem Washingtonplatz. Bei Ihnen wurden keine ungewöhnlichen Herzgeräusche entdeckt. So auch die Frau, die zuvor noch ihrer Freundin erzählt hatte, dass sie nur hier sei, um zu hören, dass alles okay ist. Nach ihrer Untersuchung strahlt sie ihre Begleitung an: „Nichts gefunden!“ Und auch bei ihrer Freundin ist alles okay. Nach der kurzen Untersuchung ziehen beide erleichtert weiter Richtung Bahn.

Für die beiden Frauen und für viele andere hat sich der kurze Zwischenstopp am Hauptbahnhof gelohnt. Es zeigt sich an diesem Tag: Solche niedrigschwelligen Angebote leisten einen wichtigen Beitrag bei der Früherkennung von Krankheiten. Deshalb plant Neumann mit seinem Team auch weitere Aktionen wie diese. Die Vorbereitungen laufen, so Neumann, nur einen genauen Zeitpunkt und Ort gebe es derzeit noch nicht. Und auch andere medizinische Maßnahmen, wie etwa Impfungen, könnten mit solchen Kampagnen umgesetzt werden.