Prostata-Krebs: Welche Faktoren sprechen für Operation oder Bestrahlung beim Mann?

Diese Erkrankung ist bei Männern die häufigste Krebsart. Wie man ein Prostata-Karzinom erkennt, welche Behandlungsmöglichkeiten bei wem infrage kommen und wie Patienten mit Nebenwirkungen umgehen, war Thema einer Leser-Frage-Aktion mit Experten.
www.imago-images.de- Prostatakrebs ist häufig, früh erkannt gut heilbar – Vorsorge und PSA-Kontrollen sind wichtig.
- PSA >3 erfordert weitere Diagnostik. PSMA-PET-CT oft nur im ASV-Rahmen, nicht Kassenstandard.
- Operation oder Bestrahlung: Entscheidung nach Gleason-Score und Befund, Beratung beim Facharzt.
- Rückfallmanagement: Salvage-Radiotherapie möglich, ggf. Hormontherapie mit Nebenwirkungen.
- mpMRT der Prostata ist meist keine Regelleistung. Reha und Beckenbodentraining helfen bei Inkontinenz.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Das Prostata-Karzinom ist die häufigste Krebsart beim Mann. In einem frühen Stadium entdeckt, lässt sich das Karzinom gut heilen. Dazu sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen nötig. Wie diese durchgeführt werden und welche Rolle der PSA-Wert dabei einnimmt, haben Dr. Sören Promnitz, Chefarzt der Klinik für Urologie am Klinikum Markendorf, und Ralph Schrader, Chefarzt der Klinik für Strahlentherapie am GLG Klinikum Eberswalde, am Lesertelefon erklärt. Themen waren zudem Heilungsmethoden, Nebenwirkungen und selbst zu zahlende Untersuchungen.
Ich bin 86 Jahre alt und noch sportlich unterwegs. Mein Urologe meinte, dass regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen nicht mehr notwendig seien. Was raten Sie?
Vorsorge ist nie überflüssig, hängt aber natürlich von zahlreichen anderen Gesundheitsfaktoren und Ihrer gesamten Körpersituation ab. Wenn Ihnen ansonsten nichts fehlt, Sie gesund und fit sind, dann kann man die Untersuchungsintervalle vielleicht vergrößern. Weglassen würde ich Vorsorge nicht.
Wie merkt man erste Anzeichen von Prostatakrebs? Kann man dies auch über Blutwerte feststellen?
Das Gefährliche an dieser und vieler Krebsarten ist, dass man sie erst bemerkt, wenn die Krankheit fortgeschritten ist. Deshalb ist gerade bei Prostatakrebs die Vorsorge sehr wichtig. Wer beispielsweise Probleme beim Wasserlassen hat, der sollte auf jeden Fall zum Facharzt gehen. Das ist ein Anzeichen und muss ernst genommen werden, ohne dass in dem Moment bereits eine Einschätzung von bös- oder gutartiger Veränderung erfolgen kann.
Prostatakrebs - Anzeichen erkennen
Ratsam ist auch regelmäßiges Abtasten der Prostata von einem Urologen sowie die Kontrolle der PSA-Werte. Auf diesen Diagnosewegen findet man Anhaltspunkte. Liegt der PSA-Wert über dem Wert 3, ist weitere Diagnostik einzuleiten. Im Frühstadium ist gerade Prostatakrebs gut behandelbar. Wenn Ihr Hausarzt über schlechte Blutwerte Krebs feststellt, handelt es sich in der Regel nicht mehr um ein Karzinom im Frühstadium. Die PSA-Bestimmung beim Arzt ist meist eine IGeL-Leistung, also eine individuelle Gesundheitsleistung, die gesetzlich Versicherte selbst bezahlen müssen und die auch nicht alle Praxen anbieten.
Mein PSA-Wert ist von 0,2 auf 0,19 gesunken. Der Urologe empfahl ein Tumorboard und ein PSMA-PET-CT. Soll ich das wahrnehmen?
Bei einem Tumorboard legen Mediziner aus verschiedenen, medizinischen Fachrichtungen gemeinsam die optimale, individuelle Therapie für Krebspatienten fest. Das können Sie gern nutzen.
Beim Diagnostikverfahren PSMA-PET-CT wird untersucht, wo sich in Prostata, Lymphknoten oder Knochen sowie anderen Organen die PSA-ausschüttenden Krebszellen befinden. Es ist keine reguläre Kassenleistung. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für ein PSMA-PET-CT bei Prostatakrebs häufig nur unter der Bedingung, dass die Behandlung über ein interdisziplinäres Team im Rahmen der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) erfolgt. Erst wenn die PSA- Werte über 0,2 Nanogramm pro Milliliter liegen, sollte zum PET-CT überwiesen werden.
Über zehn Jahre ist es her, dass bei mir Krebs festgestellt und die Prostata entfernt wurde. Jetzt wurde das Ansteigen des PSA-Wertes auf 0,13 festgestellt. Mein Urologe will erst gegensteuern, wenn der Wert 0,2 übersteigt. Das beunruhigt mich.
Der Kollege handelt entsprechend der Leitlinien. Wenn sich bei regelmäßigen Kontrollen kein sprunghafter Anstieg des PSA-Wertes zeigt, muss die Erhöhung nicht zwangsläufig einen Anstieg des Tumorrisikos bedeuten. Ähnliche Zellen – Drüsenzellen – können diese Werte erzeugen. Bei einem Wert ab 0,2 sollte der Facharzt dann spezielle bildgebende Untersuchungen einleiten.
Prostatakrebs operieren oder bestrahlen?
Im Juni wurde bei mir Prostatakrebs diagnostiziert, weitere Untersuchungen zeigten, dass dieser bisher nicht gestreut hat. Was wäre für mich besser, Operation oder Bestrahlung?
Die Entscheidung hängt davon ab, welcher Gleason-Score unter anderem bei der Untersuchung ermittelt wurde. Dieser Wert gibt Auskunft über die Aggressivität der Krebszellen. Steht in Ihrem Untersuchungsbericht ein Wert größer oder gleich 8, würde ich eher zur Operation raten. Ist dies noch nicht der Fall, dann kann auch eine Bestrahlung erfolgreich sein. Das sollten Sie dringend mit Ihrem behandelnden Facharzt besprechen. Sie können sich nach der Beratung frei entscheiden.

Urologe Dr. Sören Promnitz, Chefarzt der Klinik für Urologie am Klinikum Markendorf
Sophie Keller/Klinikum MarkendorfVor drei Jahren hatte ich eine Prostata-Operation und danach Bestrahlung. Danach lag der PSA-Wert immer im unkritischen Bereich. Jetzt ist er wieder bei 0,15. Muss erneut eine Operation erfolgen?
Eine nochmalige Kontrolle ist jetzt erst einmal der richtige Weg, da Operation und Bestrahlung bereits erfolgten. Die Dynamik des Anstiegs muss ermittelt werden. Daran lässt sich die Aggressivität der Tumorzellen und damit der Handlungsbedarf ermitteln. Verdoppelt sich der PSA-Wert schnell, muss schnell gehandelt werden. Ist der Anstieg minimal, sind für eine Entscheidung Ihre Lebensqualität wichtig, Ihr Alter, Ihr Gesundheitszustand oder andere Erkrankungen. Ein Gegensteuern mit Tabletten kann unter anderem erfolgen.
Strahlentherapie und Reha bei Rückfall
Eine Biopsie der Prostata hat an gut einem Dutzend Stellen einen Karzinom-Befall von 80 bis 90 Prozent ergeben. Es wurden Prostata, Samenblasen und Lymphknoten entfernt. Es hat sich allerdings gezeigt, dass Zellen an den Schnitträndern weiterhin befallen sein können. Der Urologe hat mehrere Behandlungsmöglichkeiten vorgeschlagen. Wie verhalte ich mich?
Die Auswertung zeigt eine Infiltration der Samenblase, dass also Krebszellen in deren Gewebe eingewachsen sind, und dass an den Schnitträndern ggf. nicht alle Zellen vollständig entfernt werden konnten. Die Möglichkeit, dass es einen Rückfall des Karzinoms gibt, ist erhöht.
Hier reicht die alleinige Kontrolle der PSA-Werte aus meiner Sicht nicht aus.
Wenn Sie sich von der Operation erholt haben, dann sollten Sie sich in Ihrem Alter mit unter 70 Jahren zu einer Salvage-Radiotherapie beraten lassen. Alle Strahlentherapie-Zentren in Brandenburg und Berlin können eine entsprechende Behandlung heimatnah durchführen. Danach sollten Sie eine Rehamaßnahme durchführen und das Kontinenz-/Blasentraining fortsetzen, da nach der Radiotherapie die Inkontinenz etwas zunehmen kann. Über eine Hormontherapie sollten Sie nach Beratung mit Ihrem Urologen in Abhängigkeit von der Erkrankungssituation entscheiden.
Ich habe gehört, dass eine Bestrahlung ohne Erfolg sein kann und zur Narbenbildung führt. Wäre danach noch eine OP möglich?
In vielen Krankheitssituationen mit lokal begrenztem Prostatakarzinom sind die primäre Operation oder Strahlentherapie eine gleichwertige Behandlung. Ich empfehle Ihnen ausführliche, fachärztliche Beratungen durch einen Urologen und Strahlentherapeuten. In Abhängigkeit von Ihrer konkreten Krankheitssituation einschließlich eventueller Begleiterkrankungen oder Einschränkungen sollte mit Ihnen unter Abwägen von Nutzen und Risiken eine Entscheidung getroffen werden.
Grundsätzlich kann es nach einer primären Operation und auch nach einer primären Strahlentherapie zu einem lokalen Rückfall kommen. Dann ist nach einer initialen Operation häufig eine Salvage-Strahlentherapie möglich. Auch nach einer initialen Strahlentherapie eines lokal begrenzten Prostatakarzinoms kann bei einem Rückfall eine Operation durchgeführt werden.
Hitzewallungen, Gewichtszunahme: Nebenwirkungen eingrenzen?
Vor zwei Jahren wurden bei mir ein Prostata-Karzinom und Metastasen in den Knochen festgestellt. Ich erhielt eine Chemotherapie und bekomme jetzt Hormonspritzen. Mir machen die Nebenwirkungen enorm zu schaffen: Ich habe deutlich zugenommen, die Brust ist gewachsen, ich habe Hitzewallungen und stelle eine Leistungsminderung fest. Was kann ich tun?
Wenn Ihnen die Brust sehr wehtut oder wächst, ist eine Bestrahlung bei Gynäkomastie möglich. Die Hitzewallungen sind auf den Testosteronentzug zurückzuführen. Versuchen Sie, trotz der Leistungsminderung, aktiv zu bleiben, um Muskeln und Gelenke zu stärken und weiter am Leben teilzunehmen. Welche leichten sportlichen Tätigkeiten für Sie infrage kommen, dazu lassen Sie sich von Ihrem Hausarzt beraten. Sollten Sie übergewichtig sein, ist eine Ernährungsumstellung zu empfehlen.

Strahlentherapeut Ralph Schrader, Chefarzt der Klinik für Strahlentherapie am GLG Klinikum Eberswalde
Thomas Burckhardt/GLGVor zehn Jahren wurde mir wegen eines Tumors die Prostata total entfernt. Jetzt steigt der PSA-Wert wieder kontinuierlich an. Verschiedene bildgebende Untersuchungen haben keinen Krebsverdacht bestätigt. Ich muss Tabletten nehmen, bekomme Hormonspritzen und kämpfe mit den Nebenwirkungen. Wie lange muss ich diese Medikamente nehmen?
Ohne Umschweife: lebenslang. Ich vermute nach Ihrer Beschreibung, dass es noch Tumorreste in Ihrem Körper gibt. Sonst dürfte Ihr behandelnder Urologe die Medikamente gar nicht verordnen.
Absetzen bzw. ändern können Sie die Medikation, wenn Unverträglichkeiten auftreten oder andere gesundheitliche Störungen auf Nebenwirkungen hindeuten. Wenn Sie alles absetzen, wird der PSA-Wert sofort weiter ansteigen. Das ist der Beweis dafür, dass der Tumor noch agiert, auch wenn bildgebende Verfahren ihn nicht aufzeigen konnten.
Meinem Mann machen wegen der Medikamente vor allem Hitzewallungen und Hautjucken zu schaffen. Stimmt es, dass Salbeitee oder kleinblättriger Weidenröschentee Linderung bringen soll?
Es wird tatsächlich empfohlen, Salbeitee als ergänzende Behandlung zu trinken, auch wenn man das Schwitzen nicht ganz wegbekommen wird. Den Tee sollte man über den Tag verteilt trinken, in der Regel nicht mehr als drei Tassen. Zu viel Salbei könnte ggf. wieder Nebenwirkungen durch den Inhaltsstoff Thujon verursachen, unter anderem Herzklopfen und Schwindel. Sie können den Salbeitee auch mit einem Lappen auf die Schweißbereiche wie Brust, unter den Armen oder auf dem Kopf verteilen.
Ihr Mann kann den Tee gern etwa eine Woche lang ausprobieren und dann ggf. auf Weidenröschentee wechseln, um zu beobachten, welcher Tee ihm besonders hilft.
Inkontinenz nach einer Operation nicht ungewöhnlich
Nach einer Krebsdiagnose hatte ich eine Prostata-Operation. Die Heilung verlief gut. Allerdings habe ich noch Inkontinenzprobleme beim Laufen. Zur Reha konnte ich nicht, da ich meine Frau mit pflege. Wird sich das Problem noch bessern?
Wenn Sie nicht zur Reha waren, bekommen Sie jetzt aber sicher Physiotherapie. Dieses Programm, dass Ihre Therapeuten mit Ihnen trainieren, sollten Sie ernst nehmen und praktizieren. Nur so kann die notwendige Muskelspannung des Schließmuskels wieder aufgebaut werden und ein Gegensteuern zur Inkontinenz erfolgreich sein.
Krankenkasse bezahlen nicht immer Prostata-MRT - was tun?
Mein PSA-Wert ist von sechs auf über zehn angestiegen. Mein Urologe hat mir deshalb eine Überweisung für ein Prostata-MRT ausgestellt und zugleich bei der Krankenkasse einen Antrag auf Übernahme der Kosten gestellt. Die Krankenkasse hat dies abgelehnt, auch meinen Widerspruch, und ich soll fast 700 Euro selbst zahlen. Das finde ich ganz schön viel.
Von ähnlichen Kosten berichten auch andere Patienten. Ein multiparametrisches MRT (mpMRT) der Prostata ist aktuell leider keine allgemeine Regelleistung der gesetzlichen Krankenkassen, die Untersuchung ist nicht im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) für die Regelleistung verankert, hier fehlt ein Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA).
Einige gesetzliche Krankenkassen bieten mittlerweile über Spezial- oder Selektivverträge (besondere Versorgung) die Kostenübernahme an. Vielleicht finden Sie eine andere Praxis oder Klinik, wo die Kosten nicht so hoch sind.
In Ihrer Krankheitssituation besteht gemäß Empfehlungen der S3-Leitlinie die Empfehlung für ein mpMRT der Prostata. Deshalb hat ihr Urologe Sie überwiesen.
Ich habe gelesen, dass es spezielle Studien zu Prostatakrebs von verschiedenen Universitäten gibt. Wie kann man mehr darüber erfahren?
Es gibt eine Arbeitsgemeinschaft Urologische Onkologie. Diese veröffentlicht derartige Studien bzw. deren Ergebnisse und ist mit allen Universitäten gut vernetzt. Sie können dies umfassend im Netz unter www.AUO-online.de finden und gegebenenfalls mit Ihrem Arzt besprechen.


