Herzschwäche
: Atemnot und Schwindel – was tun, wenn das Herz verrückt spielt?

HintergrundImmer mehr Menschen in Brandenburg leiden an Herzschwäche. Welche Medikamente oder Heilmethoden helfen? Am besten gleich ein Kardio-CT? Experten geben Hinweise.
Von
Kerstin Bechly,
Annegret Krüger
Frankfurt (Oder)
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Luftnot kann ein Warnzeichen für eine Herzerkrankung sein. Jährlich sterben 18 Millionen Menschen weltweit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die MHB Neuruppin beteiligt sich an der europäischen Vascul-Aid-Studie. Ziel ist eine bessere Vorhersage, wann zum Beispiel ein lebensgefährliches Aneurysma droht.

ILLUSTRATION - Luftnot kann ein Warnzeichen sowohl für COPD als auch für eine Herzerkrankung sein. Foto: Christin Klose/dpa-mag - Honorarfrei nur für Bezieher des Dienstes dpa-Magazin +++ dpa-Magazin +++

Luftnot kann ein Warnzeichen für eine Herzerkrankung sein. Wann muss man sie ernstnehmen? Wie erkennt man Herzschwäche – und wann sollte man unbedingt sofort zum Arzt gehen? Mediziner haben am Lesertelefon die Fragen beantwortet.

Christin Klose/dpa
  • Immer mehr Brandenburger leiden an Herzschwäche, was Luftnot und Schwindel verursachen kann.
  • Experten empfehlen regelmäßige Kontrollen und spezifische Medikamente.
  • Moderne Behandlungen wie Kardio-CT und Ablation können helfen.
  • Hoher Blutdruck sollte stets gut eingestellt sein, um das Herz zu entlasten.
  • Bei Verdacht auf Herzprobleme ist eine schnelle ärztliche Abklärung wichtig.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

In Deutschland sterben weniger Menschen an Herzschwäche. Zugleich steigt die Häufigkeit dieser Erkrankung. Wie kann man der Herzschwäche entgegenwirken? Welche Heilungsmöglichkeiten gibt es? Welche Medikamente helfen? Antworten zu diesen und weiteren Fragen haben Prof. Dr. Alexander Wutzeler vom Klinikum Markendorf in Frankfurt (Oder) und Dr. Matthias Kretzschmar, Chefarzt am Städtischen Krankenhaus Eisenhüttenstadt, am Lesertelefon gegeben.

Meine Herzinsuffizienz geht mit Atemnot und eingeschränkter Leistungsfähigkeit einher. Der Blutdruck schwankt im Tagesverlauf deutlich. Ich (76) verspüre dann eine Flattrigkeit und Schwindel. Ich habe Blutdruckwerte von 160/90 mmHg gemessen, der Puls liegt bei 60 bis 90 Schlägen pro Minute. Was muss ich künftig beachten? Ich nehme bisher keine Tabletten, trinke aber morgens gleich drei Tassen Kaffee.
Ein Blutdruck von 160 ist auch in Ihrem Alter zu hoch. Er muss bei einer Herzschwäche eingestellt werden. Es ist leichter, einen hohen Blutdruck runterzubekommen als umgekehrt. Herzschwäche sollte immer mit mehreren Medikamenten behandelt werden, auch wenn es dem Patienten gutgeht. Denn sie kann sich schleichend verschlechtern, dann ist sie nicht oder nur noch sehr schlecht behandelbar. Mit Tabletten lässt sich das meist gut einstellen. Ihr Problem halte ich für lösbar. Auch die Atemnot lässt sich mit niedrigerem Blutdruck verringern. Kaffee macht das Herz schneller. Das ist okay, wenn der Blutdruck in Ordnung ist. Drei Tassen insgesamt am Tag sind kein Problem. Auch ein Puls zwischen 60 und 100 ist normal.

Wie viele Elektroschocks sind nötig?

Ich habe eine Herzinsuffizienz und öfter Zeichen einer Tachykardie. Deshalb erhielt ich schon zweimal Elektroschock und eine Ablation wegen Vorhofflimmern. Jetzt machen mir wieder ein unregelmäßiger Puls und schneller Herzschlag zu schaffen. Ich habe in der Kardiologie einen weiteren Elektroschock erhalten und soll eine weitere Ablation machen lassen. Habe ich dann endlich Ruhe?
Nach einem halben Jahr eine erneute Ablation, also eine Verödung am Herzgewebe, vorzunehmen, würde ich Ihnen auch empfehlen. Dass Sie nach der Ablation zunächst Ruhe hatten, ist ein gutes Zeichen. Manchmal haben Patienten danach gleich wieder Probleme, anderen ergeht es so wie Ihnen oder die Probleme sind ganz verschwunden. Sie haben aus meiner Erfahrung gute Chancen, dass sich die Tachykardie – die Herzrhythmusstörungen – deutlich verbessert, wenn Sie jetzt veröden lassen.

Wenn plötzlich wieder Vorhofflimmern auftritt, ist das meist nicht lebensbedrohlich. Wenn man die Beschwerden schon kennt, ist das kein Grund zur Panik und es reicht, sich beim Hausarzt oder in unserer Herzrhythmussprechstunde vorzustellen. Wenn aber die Beschwerden besonders heftig sind oder Symptome dazukommen, die Sie nicht kennen und die Sie beunruhigen (Luftnot, Brustschmerzen) ist es besser, sich einmal mehr im Krankenhaus untersuchen zu lassen.

Bei einer Routineuntersuchung hat mein Hausarzt festgestellt, dass meine Nierenfunktion leicht beeinträchtigt ist und führt das auf eine Herzschwäche zurück. Mein hoher Blutdruck ist mit Medikamenten gut eingestellt. Meine Leistungsfähigkeit ist nicht beeinträchtigt. Was sollte ich tun?
Solange der Blutdruck gut eingestellt ist und dadurch die Möglichkeiten einer daraus folgenden kontinuierlichen Herzschwächung minimiert sind und Sie aktuell keine Beeinträchtigungen bemerken, rate ich nur zu regelmäßigen Kontrolluntersuchungen. Die abnehmende Nierenfunktion kann altersbedingt sein. Sie kann aber tatsächlich mit einer Herzinsuffizienz assoziiert sein, wobei auch einige Herzinsuffizienz-Medikamente die Nierenfunktion verschlechtern können. Wichtig bleibt, dass der Blutdruck gut eingestellt sein sollte, um das Herz zu entlasten. Wenn Sie Symptome haben, wie Luftnot, oder einen Leistungsabfall bemerken, dann sollten Sie dies Ihrem Hausarzt mitteilen, damit dieser die notwendigen Kontrollen veranlassen kann.

Medikament Strophanthin ist nicht mehr „Mode“

Eine Bekannte hat gegen ihre Herzschwäche Strophanthin verordnet bekommen und ist damit sehr zufrieden. Da ich immer schneller außer Puste kommen, möchte ich mir das auch verschreiben lassen. Würden Sie zuraten?
Auf alle Fälle würde ich dringend raten, zum Hausarzt zu gehen und sich vielleicht zum Kardiologen überweisen zu lassen, wenn Sie schon Probleme haben, also schneller außer Puste kommen. Luftnot könnte ja auch andere Ursachen haben, etwa durch eine Lungenerkrankung oder eine Blutarmut verursacht sein. Strophanthin ist früher bei leichter Herzschwäche eingesetzt worden, allerdings ist dies ein sehr altes, aus der „Mode“ gekommenen Medikament, weil es heutzutage einfach viel bessere Arzneien gibt, deren Wirksamkeit jeweils in wissenschaftlichen Studien eindeutig belegt ist. Ich würde Ihnen auf keinen Fall raten, bei einer nachgewiesenen Herzschwäche zugunsten des Strophanthins auf solche modernen Medikamente zu verzichten, wenn deren notwendige Einnahme festgestellt wurde.

Prof. Dr. med. Alexander Wutzler, M.A.
Chefarzt Medizinische Klinik II Kardiologie

Prof. Dr. med. Alexander Wutzler ist Chefarzt der Medizinischen Klinik II/Kardiologie am Klinikum Markendorf in Frankfurt (Oder).

Sophie Keller/Klinikum Markendorf

Mein Mann ist wegen seiner Pumpleistung von nur 40 bis 45 Prozent in Behandlung. Ihm wurde ein Herzkatheter gelegt. Er nimmt als Medikament lediglich einen Betablocker. Schon beim Gang von einem Zimmer ins andere hat er weiterhin große Atemnot. Was können wir tun?
Wer eine Pumpleistung unter 50 Prozent hat, braucht in der Regel mehr Medikamente als nur einen Betablocker. Ihre Beschreibung hört sich an, als ob ihr Mann mit Medikamenten neu eingestellt werden muss. Dies ist vor allem wichtig, um das Herz zu entlasten und zu verhindern, dass sich Wasser im Körper ansammelt und es zur weiteren Verschlechterung kommt. Andererseits scheint die Erkrankung bei Ihrem Mann noch in einem milderen Stadium zu sein, sodass er eine gute Chance hat, mit einer Einstellung auf verschiedenen Medikamente wieder eine (fast) normale Herzleistung zu erlangen. Dann würde sich auch die Luftnot bessern oder sogar verschwinden.

Luftnot wegen Funktionsstörung des Herzens

Bei mir ist eine diastolische Funktionsstörung Grad 1 festgestellt worden. Die Pumpleistung des Herzens (LVEF) ist normal. Wenn ich schneller gehen muss, bin ich schnell außer Atem. Mit meinen 80 Jahren fühle ich mich ansonsten aber gut.
Wenn Sie in Ihrem Alter ein bisschen Probleme mit der Luft haben, ist das nicht ungewöhnlich. Sollte es Ihnen schlechter geht, sollte man ein Herzultraschall durchführen und schauen, ob sich etwas am Herzen geändert hat. Bei einer diastolischen Funktionsstörung, auch diastolische Herzinsuffizienz, gibt es eine Gradeinteilung, Grad 1 ist nicht ungewöhnlich, das Herz hat ein bisschen Schwierigkeiten, sich mit Blut zu füllen, in der Phase, wo es entspannt. Dies wird mittels Herzecho kontrolliert. Es kann auch eine medikamentöse Einstellung erfolgen, dies sollten Sie mit Ihrem Hausarzt oder Kardiologen besprechen.

Vor acht Jahren wurde bei mir eine Herzmuskelentzündung festgestellt. Nach einer Kopf-OP wurden auch Herz-Rhythmusstörungen diagnostiziert. Die Ursache ist nicht klar. Die Abstände der Rhythmusstörungen sind ganz unterschiedlich. Dauern sie zwei Stunden und länger, habe ich richtig Todesangst. Ich nehme als Betablocker Carvedilol-Tabletten. Mein Arzt meint, mehr könne man nicht tun.
Es gibt mehrere Ursachen für Herzrhythmusstörungen. Nach einer Herzmuskelentzündung kann es vorkommen, dass kleine Vernarbungen im Herzmuskel dafür verantwortlich sind. Diese kleinen Narben sieht man nicht unbedingt im Herz-Ultraschall.

Die Behandlung von Herzrhythmusstörungen ist auf viele Arten möglich. Anfangs wird zunächst häufig ein Medikament zur „Beruhigung“ des Herzrhythmus eingesetzt, ein sogenannter Betablocker. Dies ist bei Ihnen gemacht worden. Falls durch den Betablocker keine Besserung eintritt oder Nebenwirkungen auftreten, kann man den Herzrhythmus durch viele andere Möglichkeiten normalisieren, zum Beispiel noch speziellere Medi­kamente einsetzen. Man kann auch eine spezielle Herzkatheteruntersuchung durchführen, bei der die Verödung der Ursprungsstelle der Rhythmusstörung erfolgt. Für weitere Informationen können Sie sich bei einer Spezialsprechstunde für Herzrhythmusstörungen vorstellen.

Ist steigender Blutdruck ein Hinweis auf Herzschwäche?

Bei leichter Belastung steigt mein ansonsten mit Medikamenten gut eingestellter Blutdruck an. Deutet das auf eine Herzschwäche hin?
Es ist völlig normal, dass der Blutdruck bei Belastung ansteigt. Es muss nur abgeklärt sein, dass dieser Anstieg nicht zu stark ausfällt und die Werte in der Ruhephase wieder in den Normalbereich zurückgehen. Oft hilft eine 24-Stunden-Blutdruck-Messung, um dies zu ermitteln und eventuell die Medikation zu optimieren. Grundsätzlich ist eine gute Blutdruckeinstellung wichtig, um eine Herzschwäche zu vermeiden oder eine bestehende nicht zu verstärken. Zu beachten ist, dass Einschränkungen der Nierenfunktion, die einen erhöhten Blutdruck bzw. eine Herzschwäche nicht selten begleiten, dazu führen können, dass blutdrucksenkende Medikamente stärker wirken. Daher sind regelmäßige Kontrollen des Blutdruckes und der Nieren-Laborwerte wichtig.

Matthias Kretzschmar, Chefarzt Inneres, KH Eisenhüttenstadt

Dr. Matthias Kretzschmar ist Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Städtischen Krankenhaus Eisenhüttenstadt.

Kerstin Macht

Lange schon leide ich unter Vorhofflimmern, hatte mehrfach eine Ablation. Nach dem letzten Eingriff hatte ich ein Jahr Ruhe, jetzt geht es wieder los. Ich habe einen sehr hohen Puls und auch Schwindelgefühle, was mit meinen 83 Jahren nicht einfach zu bewältigen ist. Was kann ich dagegen tun?
Herzprobleme und Schwindelgefühle können, müssen aber nicht zwangsläufig zusammenhängen. Ihr erster Weg sollte Sie zum Hausarzt führen, um den Blutdruck zu kontrollieren und auch andere Schwindelursachen abzuklären. Mit einem Langzeit-EKG wird beispielsweise ermittelt, ob tatsächlich wieder Vorhofflimmern vorliegt und als Ursache des Schwindels infrage kommt. Vorhofflimmern ist ja eine Erkrankung des Gewebes im Herzvorhof. Wenn Eingriffe gegen Rhythmusstörungen nicht mehr helfen, weil diese dauerhaft auftreten, müssen andere Schritte eingeleitet werden.

Ihre Ärzte werden überlegen, mit welchen Medikamenten man dem Puls Stabilität geben kann. Schwierig wird dies, wenn die Schwankungen sehr ausgeprägt sind, beispielsweise vormittags ein sehr hoher, nachmittags ein zu niedriger Puls vorliegt. Das fordert den Arzt bezüglich Dosierung und Dosisintervall einer rhythmussteuernden Medikation teilweise erheblich heraus. Manchmal wird sogar das Einsetzen eines Herzschrittmachers nötig, um die Phasen eines schnellen Pulses mit einer pulsverlangsamenden Medikation behandeln zu können, ohne – dank Schrittmacher – langsame Pulsphasen befürchten zu müssen, die ihrerseits zu Schwindel führen können.

Kardio-CT dient der sehr genauen Herz-Diagnostik

Ich bemerke deutlich einen Leistungsabfall bei mir und verspüre schon öfter Druck in der Herzgegend sowie ein leichtes Schwindelgefühl. Jetzt habe ich viel gelesen über ein Kardio-CT. Wäre das ratsam für mich, um die Ursachen für meine Probleme zu finden?
Ein Kardio-CT dient der sehr genauen Herz- und Koronardiagnostik, denn es werden nach der Gabe entsprechender Kontrastmittel in der CT-Röhre Aufnahmen vom schlagenden Herzen und den anliegenden Gefäßen gemacht. Vorgeschaltet sind in der Regel diagnostische Schritte, wie EKG, Langzeitmessungen von Blutdruck und Herzultraschall.

Abklären kann ihr Arzt auch, abhängig von vorliegenden Risikofaktoren, ob die Durchblutung des Herzens gestört ist. Hierzu sind neben einem Kardio-CT etwa eine Stressechokardiografie oder eine Myocardszintigrafie geeignet. Bei Hinweisen für Durchblutungsstörungen folgt eine Herzkatheteruntersuchung. Bei zunehmendem oder gar in Ruhe auftretendem Druck in der Herzgegend kann unter Umständen sofort eine Katheteruntersuchung durchgeführt werden, da ein akutes Koronarsyndrom bzw. ein Herzinfarkt die Ursache sein können. Schwindelgefühl dagegen kann auch bei zu niedrigem oder zu hohem Blutdruck auftreten.

Für Ihre Beschwerden gibt es also zahlreiche potenzielle Ursachen und Untersuchungsmöglichkeiten. Deshalb sollten Sie gemeinsam mit Ihrem Hausarzt möglichst bald mit der Suche beginnen, nicht zwingend mit einem Kardio-CT als erstem Schritt.

Lieber zum Notarzt als zu lange warten

Ich habe schon den ganzen Tag lang Druck in der Herzgegend und Schulterschmerzen. Aber einen Termin beim Kardiologen bekommt man schlecht ...
Druck in der Herzgegend oder, noch schlimmer, akute Herzschmerzen sollte man auf keinen Fall „abwarten“, sondern umgehend abklären lassen. Dies erfolgt in der Regel in der Notaufnahme eines Krankenhauses. Allerdings sollten Sie sich auch dann, wenn Sie gelegentliche Herzschmerzen kennen – sogenannte Angina pectoris – und medikamentös eingestellt sind bzw. mit Nitro-Spray versorgt sind, bei einer Häufung bzw. Zunahme solcher Beschwerden beim Arzt vorstellen. Ihr Hausarzt wird ein EKG schreiben lassen und Ihnen nach Dringlichkeit und Vorbefunden weitere diagnostische und therapeutische Optionen benennen.

Ich leide seit vielen Jahren unter Herzrhythmusstörungen, bin seit dem Frühjahr dreimal kollabiert und hatte Kreislaufaussetzer. Es zeigten sich Anzeichen eines Herzinfarkts, der ausgeschlossen werden konnte. Aber es wurden Extrasystolen aus der Herzkammer festgestellt. Der Blutdruck liegt bei 100 und darunter, der Puls dagegen ist zu hoch. Bei einer Myokardszintigrafie wurde eine enge Stelle an der Herzspitze festgestellt. Alle weiteren großen Untersuchungen zeigten keine schweren Erkrankungen. Die Medikamente wurden im Krankenhaus umgestellt. Trotzdem geht es mir nicht gut. Leider erkennt meine Hausärztin die Herzrhythmusstörungen und neue Medikamentierung nicht an. Was soll ich tun, zumal mehrere Familienangehörige an Herzerkrankungen gestorben sind.
Extrasystolen sind zusätzliche Herzschläge, die zwischen den normalen Herzschlägen auftreten. Meist wird dadurch weniger Blut aus dem Herz gepumpt, weil es sich um irreguläre Herzschläge handelt, die zu einem Zeitpunkt auftreten, in dem das Herz noch nicht ausreichend mit Blut gefüllt ist. Eine gewisse Anzahl von Extrasystolen ist normal. Bis zu 100 oder 200 pro Tag haben die meisten Menschen, ohne dass sie etwas davon merken. Wenn ein Patient deutlich mehr hat, also etwas ab 1000 bis 2000 pro Tag, kommt es zu Symptomen. Patienten merken dabei meist Herzstolpern und Atemnot oder Leistungsminderung. Dann sollte man die Extrasystolen auch behandeln. Liegen die Extrasystolen bei mehr als 10.000 pro Tag, sollte man zudem behandeln, auch wenn der Patient nichts bemerkt, da es durch eine so hohe Zahl von Extrasystolen zu Einschränkungen der Herzleistung kommen kann.

Vor- und Nachteile von Verödung und Medikamenten

Als Therapie ist es möglich, am Herzen eine Verödung vorzunehmen oder den Patienten medikamentös einzustellen. Die Erfolgsrate bei einer Verödung liegt bei 60 bis 80 Prozent, teilweise ist die Herzrhythmusstörung dadurch sogar heilbar. Mit Medikamenten liegt die Erfolgsrate bei 50 bis 60 Prozent, es ist mit Nebenwirkungen zu rechnen. Bei sehr häufigen Extrasystolen und Beschwerden kann eine Verödung sehr sinnvoll sein – wie bei Ihnen schon vorgeschlagen. Ein Kompromiss wäre, mit Medikamenten anzufangen und zu schauen, ob sich etwas ändert.

Dass Ihre Hausärztin die Befunde der Fachärzte nicht anerkennt, ist unglücklich. Nach Ihren Informationen schließe ich mich der Einschätzung der Kollegen im Krankenhaus an, dass etwas getan werden muss. Auch bei einer rein medikamentösen Therapie sollte diese gut durch den Hausarzt begleitet werden, z. B. durch regelmäßige Kontrolle der Nierenwerte und EKG-Kontrollen. Vielleicht kann die Hausärztin einmal mit den Kollegen in der Klinik telefonieren, um ihre Bedenken zu äußern oder nach dem Therapiekonzept der Kollegen zu fragen.