Der erste Trupp des Technischen Hilfswerkes (THW) aus Brandenburg ist am Montag in die westdeutschen Katastrophengebiete aufgebrochen. Zehn Eberswalder werden am Nürburgring die Verpflegung der Hilfskräfte sicherstellen. Es ist ein einwöchiger Einsatz vorgesehen, danach wird entschieden, ob die Kräfte durch neue Brandenburger ersetzt werden, berichtet Christian Utech, Referatsleiter Ehrenamt im Landesverband Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt. Aktuell werden weitere Hilfstrupps zusammengestellt. Es geht um die die Sicherstellung der Stromversorgung und um Bergungsarbeiten.

Ein besonderes Ehrenamt

Die Arbeit im THW fordert allen viel ab, berichtet Daniel Kurth, Landrat des Barnim und darüber hinaus Zugführer und Landessprecher der brandenburgischen Ehrenamtler im THW. Es geht um das regelmäßig, zeitintensive Training und natürlich um die Einsätze. Dafür muss das Verständnis beim Arbeitgeber und vor allem bei den Familien vorhanden sein. Die Freistellung für Hilfseinsätze ist gesetzlich geregelt, die Arbeitgeber bekommen vom Bund den Lohnfortzahlungen ersetzt. Aber darüber hinaus geht es auch um die gesellschaftliche Anerkennung.

Spendenaktion Hochwasserhilfe 2021

Die Märkische Oderzeitung und die Lausitzer Rundschau haben eine Spendenaktion für die Opfer der Unwetterkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und in Rheinland-Pfalz gestartet. Die Aktion ist eine Kooperation mit dem Landkreis Märkisch-Oderland und den Bürgermeistern von Wriezen, Golzow und Letschin.
Für die Spenden aus Brandenburg wurde ein Konto eingerichtet:
Landkreis Märkisch-Oderland,
IBAN: DE39 1705 4040 0020 0662 95, Stichwort: Spenden Hochwasserhilfe 2021

Gesellschaft braucht Debatte über Katastrophensituationen

Kurth möchte aktuell keine Debatte über fehlende Ausrüstungen und Einsatzkräfte führen. Auch dieser Einsatz in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz werde hinterher ausgewertet und dann Konsequenzen gezogen. So war es auch bei den Hochwasserlagen in Brandenburg 1997 und 2013.
Als Landrat berichtet er, dass im Barnim nach dem nicht sehr erfolgreichen bundesweiten Warntag vor einem Jahr die Sirenen ertüchtigt werden. „Wir müssen eine Debatte führen, was die Bevölkerung bei einem Dauerton der Sirenen tun soll und ob alle mitmachen“, sagt Kurth. Die Risikokommunikation muss neu definiert werden, Diskussionen, die in Schulen und Betrieben geführt werden muss, so der Landrat.

20 Prozent der Mitglieder sind Frauen

In Brandenburg gibt es aktuell rund 1000 Mitglieder beim THW – von 7 (Jugendgruppe) bis 90 Jahre, erklärt Utech. 20 Prozent davon sind Frauen. Nach der Abschaffung der Wehrpflicht vor rund zehn Jahren gab es einen Einbruch in der Mitgliedergewinnung. Bis dahin profitierten die Hilfskräfte von der Regelung, dass man auf den Wehrdienst verzichten konnte, wenn man sich für sieben Jahre ehrenamtliche Arbeit beispielsweise im THW verpflichtete. Inzwischen haben Werbekampagnen zu einer Stabilisierung der Mitglieder geführt. Die Bereitschaft mitzumachen ist da, schätzt Kurth ein.
Die Einsätze reichen von der Unterstützung der Feuerwehr bei Unfällen (das THW hat das entsprechend schwere Gerät) über die Sicherstellung von Strom- und Wasserversorgung in Katastrophenfällen und natürlich dem Training für Hochwasserlagen. Seit anderthalb Jahren läuft der Einsatz im Kampf gegen Corona. Utech nennt als Beispiel den Aufbau von Impfzentren. Auch bei der Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest sind die Helfer des THW dabei. Sie stellen Schutzzäune auf oder bergen Kadaver.
Brandenburg hilft Unwetter-Opfern - einen Überblick, wie auch Sie helfen können, gibt es jetzt auf einer Themenseite.