In der brandenburgischen CDU war man nicht so zögerlich. Der Landesvorsitzende Michael Stübgen beglückwünschte den neuen Ministerpräsidenten von Thüringen am Mittwoch und hob die demokratische Abstimmung hervor. Kemmerich müsse nun für eine arbeitsfähige Regierung sorgen. Ähnlich ließ sich auch der Fraktionschef im Landtag, Jan Redmann, in den sozialen Medien vernehmen. Sein Stellvertreter Frank Bommert ließ seiner Freude auf Facebook freien Lauf.
Am frühen Mittwochabend rügte dann die CDU-Bundesvorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer das Geschehen in Thüringen und das Vorgehen des dortigen Landesverbandes. CSU-Chef Markus Söder war noch deutlicher und verlangte als einer der Ersten Neuwahlen.  Am Donnerstag sprach dann Kanzlerin Angela Merkel (CDU) von einem "unverzeihlichem Vorgang".
Einige Stunden später fanden dann auch Stübgen und Redmann in einer Pressemitteilung eine neue Sprachregelung. Sie verwiesen, wie vorher schon einige andere Bundespolitiker beim Zurückrudern, darauf, dass eine stabile Regierung in Thüringen nicht in Sicht sei und forderten Kemmerich auf, nicht am Amt zu kleben, sondern den Weg für Neuwahlen frei zu machen.
In der entsprechenden Pressemitteilung wird auf einen Unvereinbarkeitsbeschluss der brandenburgischen CDU verwiesen, keinerlei Zusammenarbeit mit der AfD zuzulassen. Dieser Beschluss und dessen nochmalige Betonung waren für die brandenburgische SPD wichtig. Generalsekretär Erik Stohn sah im Anschluss keinen Grund, an der brandenburgischen CDU zu zweifeln und den thüringischen Konflikt nach Brandenburg zu ziehen.
Andere Signale kamen vom kleinsten brandenburgischen Koalitionspartner. Gerrit Alino Prange, Sprecher der Grünen Jugend, bezeichnete die Glückwünsche von Stübgen und Redmann als "unangebracht, undemokratisch und naiv". Die brandenburgische CDU müsse sich umgehend vom Verhalten der thüringischen CDU distanzieren, anderenfalls sei die Fortführung der Kenia-Koalition nicht tragbar. Josepha Albrecht, ebenfalls Sprecherin der Grünen Jugend, verlangte außerdem, dass Stübgen und Redmann die Äußerungen ihres Parteifreundes Bommert verurteilen müssten. Bommert selbst sah am Donnerstag keinen Grund, zurückzurudern.
Ein Sondertreffen der Koalitionsspitzen soll heute die Position der CDU ausloten, sagte die Landesvorsitzende der Grünen, Julia Schmidt am Donnerstag. Man wolle eine gemeinsame Sprachregelung für eine klare Kante gegen Rechts finden.
Die Ereignisse in Erfurt zeigten allerdings auch, dass es in der brandenburgischen CDU verschiedene Stimmen gibt. Der frühere Landesvorsitzende Ingo Senftleben sprach unmittelbar nach der Wahl von einem "Tabubruch". Die thüringische CDU habe die Chance verpasst, dem Willen der Bevölkerung folgend eine neue politische Konstel-lation in Ostdeutschland durch eine Zusammenarbeit mit den Linken zu versuchen. Senftleben selbst hatte vor der brandenburgischen Landtagswahl Gespräche mit den Linken angekündigt und war nach der Wahlniederlage dafür heftig kritisiert worden, auch aus Thüringen. Auch der ostbrandenburgische CDU-Bundestagsabgeordnete Martin Patzelt verurteilte das Agieren der thüringischen Christdemokraten.
Der AfD-Landesvorsitzende Andreas Kalbitz ließ am Donnerstag ebenfalls von sich hören. Er verhöhnte den Untertanengeist der angstvollen FDP, die mit dem Rücktritt von Kemmerich vor "Merkels Polit-Büro-Befehl" einen Kniefall gemacht habe.
In all den politischen Echos auf die Thüringer Ministerpräsidentenwahl und den anschließenden Rücktritt war von der brandenburgischen FDP nichts zu vernehmen. Die Landesvorsitzende Linda Teuteberg, die gleichzeitig Bundesgeneralsekretärin ist, meldete sich am Donnerstag mit einem Statement zu Wort, indem sie die Worte von Parteichef Lindner wiederholte.
Der Landesverband, auf dessen Internetseite die Todesnachricht von Manfred Stolpe die letzte Eintragung darstellt, blieb selbst sprachlos. Auf Nachfrage machte der Eberswalder FDP-Bürgermeister Friedhelm Boginski, der sich sonst kaum zu Landes- oder Bundespolitik äußert, aus seinem Herzen keine Mördergrube. Er fände es schon schwer erträglich, mit einem Faschisten wie Björn Höcke in einem Raum zu sein, geschweige denn, sich von ihm wählen zu lassen. Er hofft, dass der Imageschaden für seine Partei nicht bis auf die kommunale Ebene durchschlägt, sagte Boginski.