Kriminalität in Brandenburg
: Weniger Straftaten, aber mehr Gewalt

Die Polizei in Brandenburg hat die Statistik für 2025 vorgelegt. Einige Entwicklungen sind positiv, andere erschreckend. Vor allem beim Thema Gewalt.
Von
Bodo Baumert
Potsdam
Jetzt in der App anhören
Häusliche Gewalt: ILLUSTRATION - Das Gewaltschutzgesetz ermöglicht Gewaltopfern in Beziehungen, die alleinige Nutzung der gemeinsamen Wohnung zu beantragen. (zu dpa: «Gewalt in der Beziehung: Wer darf in der Wohnung bleiben?») Foto: Jonas Walzberg/dpa/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++

Die Zahl der Gewaltstraftaten ist in Brandenburg erneut gestiegen. Ein zentraler Tatort bleibt die eigene Wohnung. (Symbolfoto)

Jonas Walzberg/dpa
  • Brandenburg: 166.508 Straftaten 2025, minus 5,7 % vs. 2024
  • Ohne ausländerrechtliche Verstöße: 151.124, minus 3,6 %, „historischer Tiefstwert“
  • Gewaltstraftaten erneut gestiegen; über 5000 Taten, plus rund 2 % vs. 2024
  • Deutliche Rückgänge bei Diebstählen; Wohnungseinbrüche plus 23 %
  • Rauschgiftdelikte minus 38 %; Drogentote erneut gestiegen

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Wie kriminell ist Brandenburg? Diese Frage zu beantworten, ist jedes Jahr Aufgabe der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik (PKS). Für 2025 hat das Innenministerium diese Zahlen nun – leicht verspätet – vorgelegt.

Der erste Trend scheint positiv: „Die Zahl der Straftaten ist insgesamt erneut gesunken“, teilt der neue Innenminister Jan Redmann (CDU) schriftlich mit. 166.508 Straftaten bedeuten einen Rückgang um 5,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr 2024.

Rechnet man die ausländerrechtlichen Verstöße heraus, die sich bei der Einreise von Flüchtlingen ergeben und die in den vergangenen Jahren das Bild der Brandenburger Polizeistatistik stark verzerrt haben, bleibt eine positive Entwicklung. 151.124 Straftaten ohne ausländerrechtliche Verstöße bedeuten einen Rückgang um 3,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das Innenministerium spricht von einem „historischen Tiefstwert“.

Zurückzuführen ist dies allerdings teilweise auf rechtliche Neuregelungen. So greift etwa das neue Cannabisgesetz erstmals für ein volles Berichtsjahr, mit entsprechend deutlichen Rückgängen bei den Rauschgiftdelikten (– 38 Prozent). Dass dies nicht der tatsächlichen Entwicklung der Drogenkriminalität im Land entspricht, wird unter anderem an der Zahl der Drogentoten deutlich, die erneut gestiegen ist.

Es wird weniger gestohlen in Brandenburg

Es gibt aber auch tatsächlich erfreuliche Nachrichten in der Statistik. So ist in Brandenburg laut PKS im Jahr 2025 deutlich weniger geklaut worden: weniger Autodiebstähle (– 20 Prozent), weniger Fahrradentwendungen (– 12 Prozent) und auch weniger gestohlene Mopeds (– 32 Prozent).

Auf der Gegenseite gibt es allerdings auch einige Trends, die Grund zur Sorge geben. Dabei fällt vor allem der deutliche Anstieg bei den Wohnungseinbrüchen auf (+ 23 Prozent). Polizeipräsident Oliver Stepien spricht von einer Entwicklung, „die wir fortlaufend sehr genau analysieren müssen“. Stepien sieht hier vor allem professionelle Banden am Werk: „Die Täter agieren überregional, professionell und entwickeln immer wieder neue Methoden.“

Erneuter Anstieg der Gewalttaten in Brandenburg

Noch weitaus beunruhigender ist die anhaltend hohe Zahl von Gewalttaten. Im dritten Jahr in Folge gibt es hier deutlich über 5000 Taten zu verzeichnen. Im Vergleich zum Vorjahr 2024 sind es noch einmal rund zwei Prozent mehr.

Auffällig ist der deutliche Anstieg der Fälle von Mord und Totschlag (+ 13 auf nun 60), was allerdings auch mit der Aufklärung solcher Fälle zusammenhängen kann. Die PKS ist eine Ausgangsstatistik, die Fälle dann erfasst, wenn die Ermittlungen abgeschlossen sind.

Allerdings sind auch die Fälle von schweren und gefährlichen Körperverletzungen erneut gestiegen. Ähnlich sieht es bei Fällen von sexueller Belästigung und Vergewaltigung aus. „Und auch wenn die Zahl der Angriffe auf die Polizistinnen und Polizisten leicht zurückgegangen ist, verharrt sie weiter auf einem hohen Niveau, genau wie die Zahl der Gewalttaten gegen Feuerwehr- und Rettungskräfte“, so Innenminister Redmann.

Rund ein Viertel der Gewalttaten geschieht in Wohnungen, ein weiteres Viertel auf der Straße. Schulen spielen bei rund 5 Prozent der Fälle als Tatort eine Rolle. Hier ist die Entwicklung aber rückläufig.

Asylunterkünfte sind hingegen nur bei 2,5 Prozent der Fälle als Tatort registriert, was allerdings auch damit zu tun haben kann, dass Flüchtlinge inzwischen meist in eigenen Wohnungen untergebracht sind. Rund ein Fünftel der Tatverdächtigen bei Gewalttaten wird von der Polizei als Zuwanderer angegeben. Dies entspricht in etwa auch dem Anteil der Zuwanderer unter den Opfern solcher Taten. 70 Prozent aller erfassten Gewalttaten werden von deutschen Tatverdächtigen begangen.