Kriminalitäts-Barometer: Cyberattacken auf Firmen in Berlin und Brandenburg

Falsche Fährte: Auch wenn es zur Illustration gut zu passen scheint – Sicherheitsexperten des Fraunhofer-Instituts betonen, dass gefährliche Hacker in Wahrheit meist nicht an Laptop und Kapuze zu erkennen sind, sondern sich gut tarnen können.
Helmut Fohringer/dpaManchmal kommt das Unheil mit einem Bewerbungsschreiben ins Haus. Kriminelle bringen in Erfahrung, dass eine Firma Stellen annonciert und schicken daraufhin eine gut gefälschte Mail. Ahnungslos öffnet der Geschäftsführer den PDF-Anhang der Bewerbung und schon installiert sich im Hintergrund ein Trojaner, der das gesamte Firmennetz verschlüsselt und damit den Betrieb lahmlegt. Nur gegen eine Lösegeldzahlung auf ein Bitcoin-Konto erklären sich die Cyberkriminellen bereit, das Netz wieder freizugeben.
Diese Masche sei derzeit verbreitet, erklärte am Donnerstag eine Expertin des Fraunhofer-Instituts für Offene Kommunikationssysteme in Berlin. Die Industrie- und Handelskammern der Region hatten in das „Lernlabor Cybersicherheit“ des Instituts zur Vorstellung des aktuellen Kriminalitätsbarometers eingeladen. Hackerangriffe steigen demnach rasant, das ergaben Nachfragen bei 1624 Unternehmen aus der Region.
Gaben 2010 noch knapp zwölf Prozent der Firmen an, Opfer eines Cyberangriffs geworden zu sein, waren es im vergangenen Jahr bereits mehr als 28 Prozent. 60 Prozent der Befragten schätzten diese Art der Kriminalität als bedrohlich oder sehr bedrohlich für ihr Unternehmen ein. Je stärker die Wirtschaft auf Digitalisierung setzt, umso angreifbarer wird sie auf diesem Feld.
Wer einmal Opfer einer solchen Attacke geworden sei, den treffe es auch danach oft wieder, betonte Gundolf Schülke, Hauptgeschäftsführer der IHK Ostbrandenburg. "Die Wiederholungsquote ist sehr hoch.“ Man bemühe sich, die Firmen für das Problem zu sensibilisieren, befinde sich aber in einem Wettlauf mit den Kriminellen, die immer neue Techniken und Methoden für Cyberangriffe ersinnen. Die Experten des Fraunhofer-Instituts gaben zu bedenken, dass viele Firmen nach wie vor keine guten Backups ihrer Daten hätten. "Wenn es dann zum Angriff kommt, kann der Verlust der Daten für das Unternehmen existenzbedrohend sein.“
Einen zwiespältigen Trost gab es für Firmen an der Grenze zu Polen. Sie haben laut Umfrage im Vergleich zu anderen Regionen in besonderem Maße mit Einbrüchen, Vandalismus und Sachbeschädigung zu kämpfen, bleiben aber von Hackerangriffen eher verschont. Warum? „Wo es kaum Breitband gibt, gibt es auch kaum Hacker“, erklärte Schülke.
Was die analoge Kriminalität angeht, ist laut IHK-Barometer Klau auf dem Bau die größte Herausforderung. „Es wird Material gestohlen, aber auch große Radlader, oft auf Bestellung aus dem Ausland“, sagte Knuth Thiel, Leiter des Geschäftsbereichs Wirtschaft bei der IHK Ostbrandenburg. Für den Abtransport großen Geräts würden Banden enormen Aufwand betreiben, Radlader zum Beispiel im Zugcontainer voll mit Schrott verstecken.
Wie eine Baustelle am besten zu schützen sei, müsse jeder Unternehmer für sich entscheiden. Mechanische und elektronische Sicherungssysteme ließen sich relativ leicht ausschalten. „Das Anheuern eines Sicherheitsdienstes ist aber recht teuer“, gab Thiel zu bedenken.
Kriminalität als Standortnachteil
Seit 2005 fragt die IHK aller zwei Jahre ihre Mitgliedsunternehmen, welche gesellschaftlichen Themen ihnen die größten Sorgen bereiten. Vor 14 Jahren waren demnach Arbeitslosigkeit und Bürokratie die wichtigsten Probleme. Das hat sich geändert. Größte Sorgen bereiten den Firmen nun der Fachkräftemangel und die Energieversorgung, nur noch übertroffen vom Thema Kriminalität. Allerdings hat sich 2018 die Lage laut Kriminalitätsbarometer im Vergleich zu 2014 und 2016 leicht entspannt. Die IHK Ostbrandenburg betonte, dass die Gefahr rechtsextremer Übergriffe für Firmen mit internationaler Belegschaft zunehmend ein Thema sei, dass ihnen Sorge bereite. mat
