Luftverkehr: Zwei Drittel der Lufthansa-Jets am Boden

Zwei Drittel der Lufthansa-Flugzeuge bleiben zurzeit am Boden.
Frank Rumpenhorst/dpa„Ab den nächsten Tagen werden mindestens zwei Drittel unserer fast 800 Flugzeuge am Boden stehen, inklusive 150 Langstrecken-Flugzeugen“, sagt Vorstandschef Carsten Spohr. Derzeit erhält der Konzern täglich mehr Flug-Stornierungen als Buchungen. Die Lufthansa prüft auch die temporäre Schließung von „Flugbetrieben“ und einzelner Drehkreuze wegen der Folgen der Corona-Epidemie – der bislang wohl größten Herausforderung in der Geschichte der Airline.
Keine Dividende für Aktionäre
Der Vorstand schlägt deshalb der Hauptversammlung vor, trotz eines Betriebsgewinns von gut zwei Milliarden Euro für das Jahr 2019 keine Dividende auszuschütten. Das Aktionärstreffen ist am 5. Mai in Frankfurt/Main geplant. Damit soll ein Beitrag zur Sicherung der Liquidität des Unternehmens geleistet werden.
Gleichwohl steht die Lufthansa angesichts „dieser bisher unbekannten Herausforderung“, so Spohr, mit der Bundesregierung sowie den Regierungen in der Schweiz, Österreich und Belgien in Kontakt, um mögliche Staatshilfen auszuloten, falls dies notwendig wird. In diesen Ländern sind die Lufthansa-Töchter Swiss, Austrian und Brussels beheimatet. Man spreche über mögliche aktive Unterstützung.
Die Situation für die Lufthansa hat sich durch das Einreiseverbot von EU-Bürgern und von Dienstag an auch für Briten und Iren in die USA noch einmal drastisch verschärft. Die USA sind vor China und generell Asien der wichtigste Markt für die Lufthansa. Flüge nach China bietet sie schon seit Wochen nicht mehr an, auch das Angebot zu anderen Zielen in Asien ist drastisch zusammengestrichen. Statt wie üblich 70 Mal täglich fliegt sie derzeit nur noch vier Mal in die USA. Das trifft im Übrigen auch die Frachtsparte der Lufthansa.
Für Waren aus der EU gilt eigentlich kein Einfuhrverbot. Aber viele wichtige Güter kommen auch in Passagiermaschinen in die USA. Problematisch ist das unter anderem für Pharma-Unternehmen und die Lieferung wichtiger Medikamente. Generell ist die Frachtsparte der Lufthansa von den Einschnitten nicht so stark betroffen, unter anderem auch, weil die Produktion in China langsam wieder anläuft. Lufthansa verfügt nach Angaben des Vorstands derzeit über liquide Mittel in Höhe von rund 4,3 Milliarden Euro, auch durch neue Kredite von 600 Millionen Euro, die man sich gesichert habe. Daneben gebe es ungenutzte Kreditlinien von rund 800 Millionen Euro. Außerdem prüft das Management, Mittel aus der Flugzeugfinanzierung zu nutzen.
Für Lufthansa erweist sich als Vorteil, dass 86 Prozent all ihrer Jets in ihrem Besitz sind. Davon seien wiederum 90 Prozent unbelastet. Dies entspricht einem Buchwert von rund zehn Milliarden Euro. Spohr ist deshalb und wegen der hohen Liquidität überzeugt, dass die Lufthansa die Corona-Pandemie und ihre Folgen finanziell länger durchstehen könnte als andere Airlines. Eine Beteiligung des Bundes an der Lufthansa ist wegen des finanziellen Polsters offenbar (noch) kein Thema.
135 000 Beschäftigte
Der Vorstand will versuchen, die „einzigartige“ Krise ohne Entlassungen zu überstehen. Weltweit beschäftigt die Airline rund 135 000 Menschen. Spohr appelliert an die Solidarität der Beschäftigten und ruft zum Verzicht auf. Der Vorstand will sich dabei nicht ausnehmen. Um welche Größenordnung es gehen könnte, ist unklar. Spohr hatte für 2018 3,8 Millionen Euro erhalten.
Gewinn wird deutlich sinken
Das Management rechnet damit, dass der operative Gewinn (bereinigtes Ebit) im laufenden Jahr "deutlich" sinken wird. Schon 2019 brach das Ergebnis wegen des harten Preiskampfs im Europageschäft nach vorläufigen Zahlen um fast 29 Prozent auf 2,03 Milliarden Euro ein. Damit erreichte die Lufthansa gerade noch ihre eigene Prognose. Ausführliche Zahlen will der Konzern am 19. März vorlegen.
Mit 15 Sonderflügen will die Lufthansa übrigens bis Mittwoch etwa 3000 bis 4000 Urlauber aus der Karibik und von den Kanaren zurück nach Deutschland bringen, die sonst nicht zurückkehren könnten.⇥dpa