Mampe in Berlin: Was Bowie, die DDR und Elefanten mit dem Kult-Schnaps zu tun haben

Mampe-Sammerlin Karin Erb und Florian Löhlein, Geschäftsführer der Mampe GmbH stehen in der Schnaps-Manufaktur in Berlin-Kreuzberg. Gemeinsam haben sie bisher unbekannte Geschichten recherchiert.
Maria Neuendorff- Mampe eröffnet am 3. Juli ein kostenloses Museum in der Kreuzberger Manufaktur.
- Die Marke prägt Berlin seit 1831: vom Medizin-Schnaps bis zu Kultlikör mit weißem Elefanten.
- Recherchen zeigen Kurioses – Bowie-Auftritt, Lufthansa-Servierung und Elefanten-Lieferdienst.
- In der DDR produzierte der VEB Neustadt „Halb und Halb“, später übernahm Berentzen die Marke.
- Seit 2010 wird Mampe wieder handwerklich gefertigt, mit neuen Sorten auch von Tim Raue.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Mampe-Manufaktur in Kreuzberg ist auch ohne Museum schon ein Geheimtipp für Berlin-Entdecker. Wer die Tür zum Verkaufsladen in einem Hinterhof öffnet, steht plötzlich in einer historischen Weißbierbrennerei mit hohen gewölbten Fenstern. An den unverkleideten Decken des Ziegelbaus im Bergmannstraße-Kiez sieht man die alten Wasserleitungen.
Früher wurde dort in großen Bottichen geschrotetes Malz mit Wasser erhitzt. Heute wird in der Mampe-Manufaktur Berlins älteste Spirituosen-Marke gebrannt. Rund um die silbernen Destilliere-Kessel stehen unzählige Flaschen zum Kosten und Kaufen bereit. Sie haben den berühmten kleinen weißen Elefanten wie eine Art Talismann um den Hals gebunden.
In der imposanten Schnaps-Manufaktur wird am 3. Juli zusätzlich ein kostenloses Museum eröffnen. „Hier können Besucher dann in die fast zwei Jahrhunderte alte Berliner Schnaps-Geschichte eintauchen“, freut sich Karin Erb.
Mampe-Werbung in der Eckkneipe in Berlin
Seit 25 Jahren hat sie Tausende Devotionalien und Dokumente über Mampe gesammelt, dazu die Geschichte des Berliner Kultlikörs erforscht und Zeitzeugen interviewt.
Als Neuberlinerin waren ihr Anfang der 2000er-Jahre die Werbeschilder in damals noch zahlreicheren Berliner Eckkneipen aufgefallen – der weiße Elefant auf rotem Grund. Wenn sie aber danach fragte, hieß es: „Mampe ist doch sowas von yesterday“. Oder: „Der letzte, der hier Mampe bestellt hat, ist schon lange verstorben.“
Karin Erb orderte trotzdem einen „Halb und Halb“ und war angetan. „Später fand ich heraus, dass die Fußballspieler von Hertha BSC Ende der 70er-Jahre Trikots mit Mampe-Aufdruck trugen und David Bowie in einem Film mit Marlene Dietrich in einer Mampe Flasche durch das Berlin der 20er Jahre wandelte.“
Vor dem Krieg hatte Mampe noch 78 Sorten Spirituosen in mehr 250 Flaschenformen im Sortiment. In ganz Deutschland gab es sogenannte Mampe-Stuben mit teuren Möbeln aus edlem Holz, in denen der „Halb und Halb" aus Kräutern und Bitterorangen für 25 Pfennig ausgeschenkt wurde. Dazu gesellte sich manche „Nebenstube“, in der es den Likör für Arbeiter und Prostituierte nochmal zehn Pfennige preiswerter gab.
Schnaps 1831 als Medizin erfunden
Ob alte Flaschen, Fotos, Gläser oder Preislisten - die ersten Mampe-Objekte stellte Karin Erb, die von Beruf Pädagogin ist, noch in ihrer Wohnung und später in einem Hinterraum eines Geschäftes in Neukölln aus. Im neuen Mampe-Museum in der Kreuzberger Manufaktur werden dann 200 bis 300 Exponate sehen sein, berichtet sie.
Wie sehr der Schnaps, der 1831 in Stargard in Westpommern erfunden wurde, zu einem Getränk für die Berliner wurde, zeigt unter anderem, wie diese den Werbe-Spruch des Optikers Carl Ruhnke („Sind's die Augen, geh zu Ruhnke“) am Tresen umdichteten.

Blick in den Verkaufsraum der Mampe GmbH in einem Hinterhof in Berlin-Kreuzberg, im hinteren Teil werde die Spirituosen per hand hergestellt.
Maria Neuendorff„Sind's die Augen, trink ’ne Mampe, gieß' Dir einen auf die Lampe. Kannste alles doppelt sehn, brauchste nich zu Ruhnke geh’n.“
Dabei war der erste „Bittersüße Tropfen“ ursprünglich tatsächlich als Medizin gedacht. Der geheime Sanitätsrat Carl Mampe Senior hatte den Trunk aus Heilkräutern gegen Cholera entwickelt. Um zu beweisen, dass das keine scherzhafte Legende ist, hat Karin Erb vor kurzem die Approbations-Urkunde von Carl Mampe im Stadtarchiv Stettin ausfindig gemacht. „Sie beweist, dass der Mampe-Erfinder nicht nur Arzt, sondern auch Operateur und Geburtshelfer war“, freut sich die Sammlerin.
Mampe-Führungen in Berlin-Kreuzberg
Kurz vor der Museums-Eröffnung sitzt sie regelmäßig zusammen mit Mampe-Geschäftsführer Florian Löhlein an einem langen Holztisch und wertet Fundstücke aus. Mit dem Diplom-Betriebswirt hat Erb einen von Geschichte begeisterten Mitstreiter gefunden.
Löhlein zeigt unter anderem die E-Mail einer Touristin aus Kanada, die an einer seiner Mampe-Führungen teilgenommen hat. „Sie ist Epidemiologin und hat daraufhin selbst recherchiert und herausgefunden, dass die Cholera-Sterblichkeit in Berlin im Jahre 1832 rund 63 Prozent betrug“, erzählt der 45-Jährige.
Eine alte Festschrift der Lufthansa soll beweisen, dass „Mampe Spritz“ in der ersten Klasse von Flugzeugen und Zeppelinen gereicht wurde, erklärt Löhlein. Mit Karin Erb hat er auch recherchiert, dass es einst sogar eine Mampe-Barkeeper-Schule an der Friedrichstraße gab.
Löhlein fasziniert besonders das Sponsoring, das Werbemann Robert Emil Julius Exner Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte, nachdem er in die Mampe-Familie eingeheiratet hatte. „Der holte dann ein paar Elefanten aus dem Zoo, die pressewirksam Schnaps ausgefahren haben“, berichtet Löhlein und zeigt ein Buch voller Marketing-Ideen. Dazu gehört auch ein eigener Mampe-Krug der KPM Porzellan-Manufaktur.
Mampe vom VEB Neustadt in der DDR
Der Ur-Ur-Enkel des Apothekers Ferdinand Johann Mampe berichtete Karin Erb sogar noch persönlich von der Nachkriegszeit. Seine Familie musste auf der Flucht vor den Russen die Mampe-Maschinen in Neustadt (Dosse) zurücklassen. So stellte auch der VEB Neustadt bis 1990 einen „Halb und Halb“ her – wenn auch nicht nach Original-Rezept.

Ein Miniatur-Werbebus und alte Sorten von Spirituosen stehen in der Mampe-Manufaktur Am Tempelhofer Berg, in der ein Museum aufgebaut wird.
dpa/Jens KalaeneIn West-Berlin wurden die Mampe-Stuben ab 1951 wieder aufgebaut. In den 1980er-Jahren geriet die Marke jedoch mehr und mehr in Vergessenheit und wurde vom Berentzen-Konzern im Emsland übernommen. Mampes berühmteste „Gute Stube“ am Kurfürstendamm mit beheizter Terrasse wurde 1986 geschlossen. 2010 erwarb Tom Inden-Lohmar, einst Werbefachmann bei Berentzen, privat die Lizenz für den Likör und gründete die Mampe GmbH.
Nun wird die Kult-Spirituose wieder in Handarbeit in der Kreuzberger Manufaktur hergestellt. Auch eigene Gin- und Wodka-Sorten kann man dort unter der Marke kaufen.
An den gekachelten Wänden der alten Bierfabrik hängen über tausend kleine Schilder mit Namen der „Mampe-Familie“. Für 99 Euro können Interessenten ein Teil von ihr werden. Dafür bekommen sie unter anderem limitierte Neuauflagen als erstes angeboten.

Die Mampe-Manufaktur befindet sich in einem alten Brauereigebäude in der Nähe von Bergmannstraße und Mehringdamm und kann jetzt schon zu den Öffnungszeiten des Hofladens besucht werden.
Maria NeuendorffSternekoch Tim Raue kreiert eigene Mampe
In einem historischen Holzschrank aus einer einstigen Mampe-Stube stehen neue Sorten bereit, die der Sternekoch Tim Raue mit der Mampe GmbH kreierte. Der „Fleur de Colette“ mit Aromen reifer Zitrusfrüchte, dem Duft von Vanille und Sternanis und der Würze von grünen Jalapenos schenkt Raue als Aperitif in seinem Fernsehturm-Restaurant aus.
Karin Erb begeistert die enge Verflechtung des Schnapses mit der Hauptstadt Berlin mit all ihrem Aufbruch und Wandel. „Besonders fasziniert haben mich in all den Jahren der Austausch und die Gespräche mit Zeitzeugen im Kontext der Berliner Geschichte“, berichtet sie. Im neuen Museum kann man diese Geschichte dann nicht nur entdecken, sondern auch schmecken.
Die Mampe-Manufaktur mit Verkaufsladen befindet sich Am Tempelhofer Berg 6/Aufgang 2 in Berlin-Kreuzberg und hat täglich außer sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Das „Kleine Mampe-Museum“ eröffnet am 3. Juli 2026. Der Eintritt ist frei.


