Mehrere Millionen neue Bäume
: Im zerstörten Wald von Treuenbrietzen beginnt die Wiederaufforstung

Mehrere Millionen Bäume wurden vernichtet und müssen ersetzt werden. Am Wochenende gibt es eine symbolische Pflanzaktion.
Von
Mathias Hausding
Treuenbrietzen
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Sieben Monate nach dem Feuer: Große Flächen des abgebrannten Waldes bei Treuenbrietzen sind bereits gerodet.

Patrick Pleul/dpa

Fragt man Oberförsterin Karin Heintz, welche Herausforderung bei der Wiederaufforstung in Potsdam–Mittelmark die größte ist, weiß sie gar nicht, wo sie anfangen soll. Die explodierten Pflanzenpreise, die ungünstige Witterung, die Munitionsbelastung vieler Flächen, die komplizierten Eigentumsverhältnisse in den Wäldern, die nährstoffarmen Böden, die kaum Laubbäume gedeihen lassen oder ganz einfach der Umstand, dass es keine Erfahrungen mit dem Wiederaufbau auf einer derart riesigen Fläche gibt, so groß wie 500 Fußballfelder.

Es kommt viel an Widrigkeiten zusammen, an jenem Ort, an dem Feuerwehrleute aus ganz Brandenburg Ende August tagelang gegen die Flammen gekämpft haben. Am Sonnabend fällt der offizielle Startschuss für die Aufforstung. Auf einem freigeräumten Waldstück, gut zwei Hektar groß, sollen einige Tausend Laub– und Nadelbäume gepflanzt werden, gespendet vom Verband der Forstbaumschulen. Die Kiefern–Setzlinge werden etwa 20 Zentimeter groß sein, die für die Laubbäume 80 Zentimeter, wie Alain Paul erzählt, der Geschäftsführer des Verbands.

Zwei bis vier Jahre wachsen die Pflanzen zuvor in Baumschulen. Weil die Einrichtungen dabei wegen der Dürre erhöhte Kosten hatten und die Nachfrage nach Setzlingen groß ist, sind die Preise gestiegen. „Obwohl wir Fördermittel erhalten, kommen auf uns gewaltige Summen zu“, sagt Wolfgang Seehaus, Chef einer Waldgenossenschaft, die 25 vom Brand geschädigte Privatwaldbesitzer vertritt. "Alle Interessen unter einen Hut zu bekommen, ist nicht einfach“, erzählt Seehaus. Manche wollen wieder Kiefern anbauen, weil sie das für wirtschaftlich lukrativ halten, aber eigentlich sei ja ein höherer Laubanteil das Ziel.

Das Land hat seine Förderrichtlinie geändert, um den Bedürfnissen in den Waldbrandgebieten gerecht zu werden. „Bislang haben wir im Sinne des Waldumbaus nur Laubbäume gefördert, jetzt gibt es auch die Option Kiefer, weil manche Böden so schlecht sind, dass dort kein Laubbaum wächst“, sagt Carsten Leßner, Chef der Obersten Forstbehörde des Landes. Zu 80 Prozent fördere man die Aufforstung, der Rest sei der Eigenanteil des Besitzers. Landeswald war vom Brand in Treuenbrietzen nicht betroffen.

Leßner schildert die schwierigen Überlegungen vor Ort. Bislang fehlt demnach Regen. Es ist zu trocken für Anpflanzungen im großen Stil. Gehen die neuen Bäume ein, hat man umsonst Geld ausgegeben. Aber tut man jetzt nichts, gedeihen auf den Flächen Gräser, die später die Aufforstung erschweren.

Noch komplizierter ist die Situation für die Stadt Treuenbrietzen. Ihr gehören 140 Hektar verbrannter Wald, der auch noch zu großen Teilen mit Weltkriegsmunition belastet ist. Das Wegräumen übernimmt das Land. "Aber auch die Suche können wir uns als notleidende Kommune nicht leisten“, sagt Bürgermeister Michael Knape. Hier warte er noch auf eine Erklärung des Landes. Eine Vereinbarung habe die Stadt mit der Eberswalder Forst–Hochschule: Im Rahmen eines Projekts soll erprobt werden, „wie sich der Wald entwickelt, wenn die verbrannten Bäume nicht komplett weggeräumt werden, sondern teilweise stehen bleiben und mit Neupflanzungen ergänzt werden“, sagt Knape.