Motorsägen heulen, Radlader schieben Erdhaufen hin und her, und in einer Halle läuft gerade der Kurs „Pflanzenverwendung nach Lebensbereichen“. Alltag in der Großbeerener Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau und Arboristik am südlichen Berliner Stadtrand.
Hier werden seit Mitte der 1990er-Jahre junge Berliner und Brandenburger zu Garten- und Landschaftsbauern ausgebildet. Weiterbildung auch für Hobby-Gärtner ist ebenfalls ein Aufgabengebiet. Seit anderthalb Jahren neu ist, dass die traditionsreiche Müncheberger Obstbau-Versuchsstation zur Großbeerener Anstalt dazu gehört.

Rettung in letzter Minute

Es war quasi eine Rettung in letzter Minute. Dem 1928 gegründeten früheren Kaiser-Wilhelm-Institut für Züchtungsforschung in Märkisch-Oderland drohte das Aus, weil das Land die Zuschüsse immer weiter kürzte.
Vor allem die Landtagsfraktion der Grünen, zunächst noch in der Opposition, kämpft seit Jahren vehement um Müncheberg. Zum Zusammenschluss mit der Lehranstalt in Teltow-Fläming kam es dann ziemlich überraschend. Am Mittwoch nun hat sich Axel Vogel erstmals in Großbeeren umgeschaut und sich ein Bild von der Zusammenarbeit mit Müncheberg gemacht.

Begehrte Fachleute

Der 64-jährige Grünenpolitiker, seit knapp einem Jahr Brandenburgs Agrarminister, konnte im Anschluss verkünden, dass Brandenburg voraussichtlich ab dem kommenden Jahr wieder Obstbäuerinnen und Obstbauern ausbilden werde. „Das gab es seit 2016 nicht mehr. Diese Fachleute fehlen den Betrieben“, sagte Vogel. Dank des Zusammenschlusses der beiden Einrichtungen habe man dafür nun wieder die Kapazitäten. „Hier haben sich zwei Partner gefunden, die gut zusammenpassen.“ Aus dem Landeshaushalt stehen beiden Einrichtungen insgesamt knapp 1,2 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung.

Ab November gibt es einen Obstbaumeister

Im Zusammenhang mit dem Ausbildungsziel wurde für Müncheberg die Stelle eines Obstbaumeisters geschaffen. Sie konnte bereits mit einem sehr geeigneten Experten aus der Region besetzt werden, der seinen Posten im November antreten werde, erklärte Holger Schulz, der Geschäftsführer der als Verein geführten Großbeerener Anstalt. Aufgabe des neuen Obstbaumeisters sei auch die Entlastung des 62 Jahre alten Hilmar Schwärzel, der die Müncheberger Station in den vergangenen Jahren gemeinsam mit seiner Frau fast im Alleingang am Leben gehalten hat. „Herr Schwärzel soll jetzt Freiräume haben, um sein Wissen zu Papier zu bringen“, betonte Holger Schulz.

Beratung ist das A und O

Wissenstransfer und gute Beratung seien das A und O im Obstbau, ergänzte Vogel. Und das funktioniere nur, wenn Forschung, Versuch und Praxis Hand in Hand gingen. Nicht nur der Klimawandel selbst sondern auch neue Schadinsekten würden die Landwirte vor Herausforderungen stellen. Im Kampf gegen die Kirschessigfliege etwa deute sich an, dass eine technische Lösung das Mittel der Wahl sein könnte. „Aber wann und wie installiert man diese feinmaschigen Netze am sinnvollsten? Das muss alles untersucht werden“, schilderte der Minister. Und dieses Wissen könne man auch nicht irgendwo einkaufen, denn es hänge eng mit den märkischen Böden und dem hiesigen Klima zusammen.

Arche mit 1000 Apfelsorten

Dafür biete der Standort in Müncheberg hervorragende Möglichkeiten, betonte Schulz. Denn während man in Großbeeren mit drei Hektar Fläche auskommen müsse, seien es dort 35 Hektar. Also viel Platz für Obstbauversuche auf der „Arche des guten Geschmacks“, wie Hilmar Schwärzel die Müncheberger Station gerne nennt. Jenen allein mehr als 1000 Apfelsorten, die teilweise nur dort zu finden sind, droht nun also nicht mehr der Untergang.

Arboristik - die Kunde von der Baumpflege


Der Begriff Arboristik kommt aus dem Englischen (Urban Forestry, auch Arboriculture) und beschreibt den Schutz und die nachhaltige Entwicklung von Gehölzen und Grünräumen im Siedlungsbereich. Dieses vergleichsweise junge wissenschaftliche Arbeitsgebiet kommt aus dem angelsächsisch-amerikanischen Kulturraum, insbesondere aus dem Bereich der Hochschulausbildung und der wissenschaftlichen Grundlagenforschung. Es handelt sich um ein interdisziplinäres Aufgabenfeld. Dazu gehören Elemente des Gartenbaus, der Forstwirtschaft, der Ökologie, der Landschaftsarchitektur sowie der Stadtplanung, der Baumpflege und der Soziologie.