Eine Verurteilung zur Maximalstrafe "lebenslang" sei „nach einer Gesamtschau auf Tat und Täter unverhältnismäßig“, sagte der Vorsitzende Theodor Horstkötter in der Urteilsbegründung. Anders als etwa bei einem heimtückischen Mord sehe das Gesetz bei einem heimtückischen Mordversuch ausdrücklich vor, dass eventuelle strafmildernde Aspekte zu berücksichtigen seien. So sei der Angeklagte bis zu dieser Tat nicht straffällig geworden, auch habe er die Attacke nicht geplant, sondern aus einem Impuls heraus begangen.
Die Staatsanwaltschaft und die Nebenklage hatten in ihren Plädoyers eine lebenslange Haftstrafe gefordert, die Verteidigung eine nicht genau bezifferte Freiheitsstrafe im Rahmen zwischen drei und 15 Jahren beantragt.
Der Wasserballer und Industriemechaniker Marco F. soll seine Freundin im April 2019 angegriffen haben, weil sich die Lehrerin von ihm trennen wollte und er das Zusammenbrechen der nach außen heilen Welt befürchtete. Er habe nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft die finanziellen Schwierigkeiten wegen der Raten für das Haus gesehen und den drohenden Verlust seiner beiden Kinder. Deshalb habe er sterben und vorher die Geschädigte töten wollen. Er habe heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen gehandelt, als er nachts auf die schlafende, arglose und damit wehrlose Freundin einstach.
Der Angriff habe sich über mindestens 20 Minuten hingezogen. Mehrere Messer seien abgebrochen, so kraftvoll habe der Mann zugestochen. Die Gerichtsmediziner hätten 50 Messerstiche gezählt.
Der Vorsitzende sprach von einer „brutalen und rücksichtslosen Tat“, die dem „sozial angepassten“ Angeklagten allerdings „persönlichkeitsfremd“ sei. Freunde, Kollegen und Sportskameraden hätten ihn als ruhig, fair und friedliebend beschrieben. Zur Sprache kam jedoch auch, dass es nicht der erste körperliche Übergriff auf seine Freundin war, dass er in manchen Situationen zu Unbeherrschtheiten neigte.
Die bevorstehende Trennung von seiner ersten großen Liebe habe ihn tief gekränkt, so der Vorsitzende. Von Egoismus und Selbstmitleid getrieben, habe er seine Freundin bestrafen wollen. Das Mordmerkmal der niedrigen Beweggründe konnte die Kammer nicht erkennen.