Münsingerpark in Berlin-Spandau
: Schlägerei und Drogen – wie sicher ist der Ort?

Der Münsingerpark in Berlin-Spandau ist seit Jahren berüchtigt für Drogen, Schlägereien und eine Trinkerszene. Wie sicher sich die Menschen fühlen, die den Park nutzen.
Von
Pamela Kaethner
Berlin-Spandau
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Polizeieinsatz: ARCHIV - 06.08.2015, Schleswig-Holstein, Flensburg: Ein Streifenwagen der Polizei steht mit eingeschaltetem Blaulicht auf der Straße. (zu dpa: «Streit eskaliert - Schlägerei mit Gehhilfen und Rollern») Foto: Carsten Rehder/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Der Münsingerpark in Berlin-Spandau geriet zuletzt erneut in die Schlagzeilen. Es gab eine Massenschlägerei mit Messerangriff. Wie sicher fühlen sich die Spandauer im Park?

Carsten Rehder/dpa
  • Münsingerpark in Berlin-Spandau ist bekannt für Drogen, Schlägereien und eine Trinkerszene.
  • Der Park geriet erneut in die Schlagzeilen nach einer Massenschlägerei mit einem Messerangriff am 2. November.
  • Viele Menschen fühlen sich unsicher im Park, trotz seiner gepflegten Grünflächen und einem beliebten Spielplatz.
  • 2023 gab es 270 Straftaten im Park, darunter Diebstahl und Drogendelikte.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

An die Auseinandersetzung zwischen 60 Jugendlichen, die mit einem Schwerverletzten endete, erinnert tagsüber nichts mehr im Münsingerpark in Spandau. Die Herbsttage ziehen vorbei. Wie geht es den Spandauern, die jetzt durch den Park gehen, nach der Massenschlägerei mit Messerangriff?

Vom Bahnhof Spandau aus strömen sie zur BVG-Haltestelle Rathaus Spandau – dem größten Busknotenpunkt des Bezirks. Dieser liegt direkt neben dem Münsingerpark. Das Laub der Bäume im Park leuchtet herbstlich bunt. Der Münsingerpark könnte eine grüne Insel sein inmitten von Menschen und Verkehr.

Warum sich niemand im Park in Berlin-Spandau aufhält

Eltern mit Kindern, Radfahrer, Senioren, die in der Altstadt einkaufen, viele Schulkinder und Jugendliche nutzen die Parkwege, um zur zentralen Bushaltestelle zu gelangen. Aber kaum jemand hält sich hier auf.

Der Grund ist offensichtlich: Auf einem Hauptgehweg durch die Grünanlage stehen etwa fünf junge Männer: dunkel gekleidet, den Schal tief ins Gesicht gezogen. Sie warten offenbar auf Kundschaft, um Drogen zu verkaufen. Bei warmem Wetter bevölkert eine Szene von Trinkern den Park. Wegen der kühlen Temperaturen ziehen sich die Männer in die U-Bahn-Station zurück.

Am Abend des 2. November kam es im Park zu einer Massenschlägerei zwischen 60 Jugendlichen. Mit einem Messer wurde ein 17-Jähriger schwer verletzt. Er wurde mit Schnittverletzungen am Hinterkopf und Rücken ins Krankenhaus gebracht.

„Meine Schüler haben mir davon erzählt“, sagt eine Lehrerin der Wolfgang-Borchert-Schule. Die 38-Jährige will ihren Namen nicht öffentlich nennen. Sie müsse täglich auf dem Weg zur Arbeit hier vorbei, versuche aber, den Park im Dunkeln zu meiden. „Es ist super unangenehm, hier durchzulaufen, ich fühle mich unwohl.“

Münsingerpark in Berlin-Spandau hat einen Spielplatz

Münsingerpark in Berlin-Spandau. Foto vom U-Bahnhof Rathaus Spandau.

Der Münsingerpark in Berlin-Spandau: Fünf Hektar Grünfläche, alte Bäume und alles ist sehr gut gepflegt. Eine kleine Oase direkt zwischen Bahnhof und Rathaus Spandau. Wirklich einladend ist es hier trotzdem nicht.

Pamela Kaethner

Vor zehn Jahren habe sie in Spandau gewohnt und sei gerne mit dem Kinderwagen durch diesen Park gegangen. „Eigentlich ist es hier sehr schön, auch mit dem Spielplatz“, sagt sie. Ihren Schülern sei der Münsingerpark bekannt, sie wüssten genau, was es hier zu kaufen gebe.

Christian (66) aus Charlottenburg ist oft in Spandau und hat gerade den Park durchquert. „Als ich den Weg entlangging, habe ich gespürt, wie sich alle Blicke auf mich richteten und mir offensichtlich Drogen verkauft werden sollten.“ Dann wird er etwas ärgerlich: „Ich gehe gerne durch die Stadt und möchte nicht so aufpassen müssen. Ich will hier einfach nur durch.“

Münsingerpark in Berlin-Spandau. Blick zum Spielplatz.

Abseits der Drogendealer: der Spielplatz im Münsingerpark in Berlin-Spandau. Trotz seiner Lage im berüchtigten Park ist er bei Eltern und Kinder beliebt.

Pamela Kaethner

Auf dem Spielplatz im nördlichen Teil des Münsingerparks schaut Florian (28) seinem fünfjährigen Sohn beim Spielen zu. Wie es ihm hier gefällt? „Ganz gut! Der Spielplatz ist sehr gepflegt, aber die Drogendealer sind da hinten und das merkt man schon.“ Von der Schlägerei hat er nichts mitbekommen. Er ist zwar regelmäßig hier, weil sein Sohn und seine Ex-Frau hier wohnen. Er selbst lebe aber woanders.

Ivon (30) arbeitet in der Kita Vogelnest, die nördlich an den Park grenzt. Jeden Morgen und Nachmittag geht sie hier entlang und hat immer ein mulmiges Gefühl, weil sie oft Polizeieinsätze oder Schlägereien mitbekommt. Die Randale mit dem Schwerverletzten am 2. November habe sie deshalb nicht überrascht.

Münsingerpark in Berlin-Spandau. Eingang zum Park am U-Bahnhof Rathaus Spandau.

Münsingerpark in Berlin-Spandau. Aus den Schulen hinter dem Park strömen Gruppen von Jugendlichen zum Bus- und U-Bahnhof gegenüber vom Rathaus Spandau.

Pamela Kaethner

„Unsere Kita hat einen Schuppen, da legen sich manchmal Obdachlose zum Schlafen rein, Betrunkene klopfen an unser Fenster und wollen ein Glas Wasser.“ Seit 2021 arbeitet sie in der Kita, seitdem sei es im Park immer schlimmer geworden.

Die Zahlen der Polizeistatistik aus dem Jahr 2023 sind nüchtern: 270 Straftaten gab es im Münsingerpark, darunter Diebstahl, Drogendelikte, Sachbeschädigung und Schlägereien. Das ist für einen so zentralen Platz im Vergleich zu anderen Berliner Parks nicht viel. Doch Drogendelikte standen 2023 an zweiter Stelle der Kriminalitätsstatistik im Parkumfeld: Arcaden, Bahnhof, Altstadt.