Beleidigungen via Facebook

Seitdem ist es ruhiger geworden, und Johanna Mandelkow, Co-Vorsitzende des Vereins in Brandenburg, ist gar nicht mehr dabei. "Ich habe lange mit mir gehadert, bin dann aber ausgestiegen", sagt sie. Ihr sei klar gewesen, dass man sich mit öffentlichem Engagement angreifbar mache. Aber ab einem Punkt hätten sich die verbalen Angriffe auf ihr persönliches Wohlbefinden ausgewirkt. "Ich wurde angefeindet, vor allem über Facebook. Und meine Telefonnummer war im Internet auch sehr leicht zu finden."
Zum Beispiel sei sie immer wieder beleidigt worden, weil sie Tiere schlachte. "Dabei geht es mir darum, für regionale Wertschöpfung in Brandenburg zu werben, auch um Tiertransporte zu vermeiden", erzählt sie. Als sie dann mitbekam, dass ihr Familienbetrieb in das Visier der Gegner gerät und Mitstreiter aus anderen Regionen Deutschlands von entsprechenden Einbrüchen berichteten, sei für sie das Maß voll gewesen. "Der Zeitfaktor spielte bei der Entscheidung, mich zurückzuziehen, auch eine Rolle. Ein solches Ehrenamt ist sehr zeitraubend", ergänzt sie.
Ihre persönliche Bilanz der von der Basis ausgehenden Proteste fällt dennoch positiv aus: "Die Politik ist aufgewacht. Und die Verbraucher haben registriert, dass Bauern auch Menschen sind." Sie wirbt nun "als einfache Landwirtin" weiter für die Belange der Bauern. "In dieser Woche ist das ZDF für eine Reportage bei mir."
Und wie geht es mit "Land schafft Verbindung" in Brandenburg weiter? Der aus der einstigen Doppelspitze verbliebene Christoph Plass, Landwirt aus Neuholland in Oberhavel, betrachtet Johanna Mandelkows Abschied als "herben Verlust". Leider sei sie nicht der einzige engagierte junge Mensch, der sich aus der Spitze der Bewegung zurückgezogen hat. Man sei eben viel in den sozialen Medien unterwegs und werde dort ungefiltert mit Unmut konfrontiert. Auch innerhalb der Bauernschaft gebe es Grabenkämpfe. Viele seien unzufrieden mit dem etwa im Kampf gegen die Düngeverordnung Erreichten und fordern Blockaden wie in den Niederlanden.

Ambitionen bei Bundestagswahl

"Aber das wird es mit uns nicht geben. Wir setzen weiterhin auf Dialog, wollen mitreden und mitgestalten", sagt Plass. In Brandenburg sei LSV im Kulturlandschaftsbeirat vertreten, auf Bundesebene in der "Zukunftskommission Landwirtschaft". Auch bei der Bundestagswahl 2021 wollen einige Wortführer mitmischen. Bundessprecher Dirk Andresen hat seine Kandidatur für die CDU im Raum Flensburg angekündigt. "Ich bin FDP-Mitglied und denke ebenfalls darüber nach, mich um ein Direktmandat zu bewerben", sagt Christoph Plass. Die Kandidaturen würden sich mit LSV-Posten vertragen, betont er. Nur bei erfolgreicher Wahl stelle sich die Frage nach Vereinbarkeit der beiden Ämter.

Protest ohne feste Strukturen


Die Bewegung "Land schafft Verbindung" sieht sich ausdrücklich als Gegenentwurf zum Deutschen Bauernverband, von dem sich viele Landwirte nicht mehr gut genug vertreten fühlen. "Wir sind ein loser Verbund. Es gibt keinen Mitgliedszwang", sagt Christoph Plass, Landesvorsitzender des Vereins "Land schafft Verbindung". Die Verabredung zu Protestaktionen etwa gegen die EU-Agrarpolitik erfolgt vor allem über Kanäle wie Whatsapp oder Facebook. mat