Notruf bei Unwetter
: Rufe ich über 112 die Feuerwehr, wenn im Sturm ein Baum umstürzt?

Nach dem Unwetter blockierten viele entwurzelte Bäume Straßen in Berlin und Brandenburg. Doch ist jeder umgestürzte Baum gleich ein Notfall für die Feuerwehr?
Von
Elena Stenczl
Fürstenwalde
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In Oder-Spree hatte es die Feuerwehr nach dem Unwetter am Montag (24. Juli) vor allem mit entwurzelten Bäumen und abgebrochenen Ästen zu tun. Besorgte Bürger alarmierten wegen des Gehölz die Feuerwehr – zu Recht? (Symbolbild)

dpa/Jens Büttner

Wenn der Wind durch die Baumkronen peitscht und Starkregen in Sekunden die Straßen flutet, bekommen es viele mit der Angst zu tun. Kein Wunder, schließlich passiert es nicht selten, dass selbst dicke Bäume entwurzelt werden oder dicke Äste hinabstürzen. Eine bedrohliche Situation, doch muss jeder umgestürzte Baum gleich der Feuerwehr gemeldet werden?

Am Montagabend (24. Juli) brach gegen 20 Uhr über Berlin und dem Nordosten Brandenburgs ein Unwetter ein. Etliche Straßen standen schlagartig unter Wasser, umgestürzte Bäume vergruben Pkw unter sich, der Zugverkehr wurde unterbrochen, in der Hauptstadt gab es sogar Verletzte.

Gut eine Stunde versetzte der Sturm etliche Einsatzkräfte der Feuerwehr in Ausnahmezustand. Unzählige Notrufe gingen ein, Anrufende berichteten der MOZ von einer zeitweise überlasteten 112–Hotline. „Weil jeder meint, einen umgekippten Baum melden zu müssen. Das ist Quatsch“, sagt Carsten Greim, Leiter der Regionalleitstelle Oderland in Frankfurt (Oder).

Umgestürzter Baum allein ist kein Notfall

„Von einem umgestürzten Baum geht per se keine Gefahr aus“, erläutert er. Selbst eine dadurch blockierte Straße sei kein Grund, 112 zu wählen. „Die Einsatzkräfte erfahren von den Leitstellen, wenn irgendwo kein Durchkommen mehr ist. Je nach Dringlichkeit kümmern sie sich dann um die Beseitigung“, so Greim. Eine viel befahrene Straße habe in dem Fall natürlich Vorrang, im Wohngebiet müsse man eben ein wenig Geduld haben. „Es geht übrigens auch nicht schneller, wenn man nach zehn Minuten ein zweites Mal die Feuerwehr alarmiert und den bereits gemeldeten Baum erneut meldet“, mahnt der Leitstellen–Chef.

Nicht zögern, wenn Menschen in Gefahr sind

„Befindet sich ein Mensch unter dem Baum, ist das natürlich Notfall“, betont Greim. Gleiches gelte für Tiere oder Güter wie Häuser und Autos. Droht ein Baum erst noch abzustürzen, ist das ebenfalls ein Einsatz für die Feuerwehr. Sein Appell: „Erst nachdenken, ob es sich wirklich um einen Notfall handelt.“ Immerhin würden wirklich dringliche Anrufe wie Herzinfarkte oder Unfälle sonst ebenso wie ein umgestürzter Baum in der 112–Warteschlange festhängen, bis sie entgegengenommen werden können.