Die PCK Raffinerie Schwedt wird zwar seit dem Embargo russischen Öls über die Pipeline Rostock-Schwedt versorgt, doch stehen zur Erhöhung von deren Verfügbarkeit und der hydraulischen Kapazität noch umfassende Arbeiten an. Bis das Ertüchtigungsprojekt „Rostock Only“ vollständig umgesetzt ist, werden mindestens 2,5 Jahre vergehen. Darüber informiert das PCK in einer Pressemitteilung. Ziel ist es, über die Pipeline jährlich 8,5 Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr von Rostock nach Schwedt zu transportieren. Neben der Rohöl-Einlieferung per Schiff über den Hafen Rostock wird Öl auch über Polen und Kasachstan bezogen.
Wie schnell die Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden können, hänge, so informiert das PCK, vor allem von der Dauer von Genehmigungs- und Grundeigentumsrechten sowie behördlicher Vorgänge ab. Gleichwohl konnte eine erste Maßnahme abgeschlossen werden: Fließverbesserer erhöhen die Auslastungskapazität der Pipeline. Weitere Projekte, darunter die Tankraumerweiterung in Rostock und der Ausbau im Hafen, um größere Schiffe löschen zu können, befinden sich derzeit in Prüfung.

Bund unterstützt mit 400 Millionen Euro

Der Bund unterstützt die Ertüchtigung der Pipeline und Anpassungen in der Raffinerie zum einen über das Sonderprogramm „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW). Zusätzlich stellt er 400 Millionen Euro bereit. „Das PCK befindet sich zurzeit in der Abstimmungsphase über die notwendigen Maßnahmen, um die beihilferechtliche Antragstellung beim Bund einzureichen“, erklärt das Unternehmen.
Gleichzeitig steht in der Raffinerie eine Revision (auch Abstellung oder Stillstand-Turnaround) bevor. Von Mitte April bis Mitte Mai dieses Jahres werden Anlagen und technische Ausrüstungen kontrolliert und gegebenenfalls instandgesetzt, repariert oder ausgetauscht. Solche Stillstände finden in allen deutschen Raffinerien nach mehreren Jahren zyklisch statt, um die Anlagen für ihre nächste Laufzeit vorzubereiten. „Die Vorbereitungen und Planungen beginnen mehrere Jahre vor der geplanten Abstellung. Die Versorgungslogistik wird für diesen Zeitraum angepasst, sodass PCK weiterhin Mobilität, Wärme und Energie für die Raffinerie, ihre Ansiedler im Industriepark, die Stadt Schwedt und die gesamte Region liefert.“ Im kommenden Stillstand werden 50 Prozent der Anlagen überprüft. Die Rohölverarbeitung kann gedrosselt weiterlaufen.

Projekt zur Herstellung von grünem Wasserstoff

Neben den aktuellen Herausforderungen hat das PCK Zukunftsprojekte angestoßen, um den Weg hin zu einer grünen Raffinerie zu gestalten. „Ein Strategieteam befasst sich mit der Transformation einschließlich einer konzeptionellen Weiterentwicklung des Industrieparks Schwedt, der sich auf dem PCK-Gelände befindet“, informiert das PCK. Ein erstes Zukunftsprojekt mit einem Kooperationspartner zur Herstellung von grünem Wasserstoff (HyEast) befindet sich in der Vergabephase für ein sogenanntes Basic Engineering.
Mit dem brandenburgischen Unternehmen Enertrag SE läuft eine sektorübergreifende Studie, die ausgehend von der Erzeugung grüner Elektroenergie, über die Herstellung von grünem Wasserstoff in einem Elektrolysesystem bis zur Herstellung strombasierter Flüssigkraftstoffe reicht. „Alleinstellungsmerkmal des Projektes ist der mögliche konkrete und lokale End-to-End-Prozess von erneuerbaren Energien zum finalen Produkt und die gute Skalierbarkeit des Projektes.“ Erste Studienergebnisse sollen noch im ersten Quartal 2023 vorliegen.