Personalmangel: Mehr Ausbildungsplätze in der Pflege

Gehen in die Offensive: Jens Spahn (CDU), Bundesgesundheitsminister, Franziska Giffey (SPD), Bundesfamilienministerin, und Hubertus Heil (SPD), Bundesminister für Arbeit und Soziales (v.l.n.r.), stellen Ergebnisse der „Konzertierten Aktion Pflege“ vor.
dpa/Bernd von JutrczenkaUm den Personalmangel in der Kranken– und Altenpflege zu reduzieren, sollen bis 2023 etwa 7000 neue Ausbildungsplätze entstehen. Das wären zehn Prozent mehr als heute. Auch sollen zehn Prozent mehr Ausbildungsbetriebe für Nachwuchs sorgen.
Das haben Bundesregierung Länder, Kommunen, Krankenkassen und Verbände in der „Konzertierten Aktion Pflege“ vereinbart. Im Ausbildungsjahr 2017/18 hatten 68 200 junge Menschen eine Ausbildung zur Krankenschwester oder zur Altenpflegerin begonnen. Die Zahl stagniert seit einigen Jahren, obwohl die Nachfrage nach Fachkräften immer weiter steigt. Die bei diesem Punkt federführende Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hat mit den Partnern 111 Maßnahmen vereinbart, um mehr Menschen für die Pflege zu begeistern und die Ausbildungsbedingungen zu verbessern.
Bereits in der letzten Legislaturperiode war nach langem Streit die Neuordnung der Pflegeausbildung beschlossen worden; sie tritt Anfang 2020 in Kraft. Künftig werden angehende Kranken–, Kinderkranken– und Altenpfleger in den ersten beiden Jahren gemeinsam ausgebildet; erst im dritten Jahr gibt es eine Spezialisierung. Dadurch soll insbesondere die Altenpflege attraktiver werden. Das Schulgeld fällt weg, das in einigen Bundesländern immer noch erhoben wird – insbesondere im Osten, allerdings nicht in Brandenburg. Zudem erhalten alle angehenden Pflegerinnen eine Vergütung was auch nicht selbstverständlich war.
Jetzt will Giffey zusammen mit Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für die neue Ausbildung verstärkt werben. Zudem wollen sie die Umschulung zur Pflegefachkraft erleichtern. Dafür sind 5000 zusätzliche Weiterbildungsplätze geplant. Auch die Weiterbildung von Pflegehelfern soll attraktiver werden. Daneben wollen sich alle Beteiligten bemühen, dass nicht mehr so viele die Ausbildung abbrechen.
Das dickste Brett muss die Konzertierte Aktion Pflege bei Löhnen und Arbeitsbedingungen bohren. Derzeit arbeitet nur jede fünfte Altenpflegerin in einem Betrieb mit Tarifbindung. Ziel des für diesen Punkt zuständigen Arbeitsministers Hubertus Heil (SPD) ist ein Tarifvertrag mit deutlich höherer Entlohnung, der für allgemeinverbindlich erklärt wird, also auch für Pflegeheime gilt, die nicht Mitglied im Arbeitgeberverband sind. „Das ist die entscheidende Stelle. Dafür müssen sich alle bewegen“, deutete Heil an, wie schwierig dies wird.
In der Altenpflege sind die Monatslöhne um bis zu 800 Euro im Monat niedriger als in Krankenhäusern, was einer der Gründe für den Personalmangel gilt. In einem halben Jahr hofft er auf Ergebnisse. Er habe aber auch schon Vorstellungen, wie der Gesetzgeber aktiv werden könne, wenn die Gespräche nicht erfolgreich sind, sagte er.