Zugleich räumt der studierte Jurist ein, dass er nicht der "Polen-Szene" entstammt, die sich in Brandenburg entwickelt hat. Aber er will deren Forderungen – zum Beispiel danach, dass jeder Schüler, der es wünscht, in der Schule Polnisch lernen kann  – unterstützen. Vor allem aber will er eins: "Den Gedanken, dass die Welt nicht an der Oder oder an der Neiße aufhört, im Bewusstsein von noch viel mehr Brandenburgerinnen und Brandenburgern verankern."
Gemeinsam im Zentrum Europas
Dass diese Feststellung für die Bewohner von Grenzstädten wie Frankfurt (Oder) und Slubice oder Guben und Gubin längst einer Binsenweisheit gleicht, ist Ubbelohde klar. "Aber leider sind die Perspektiven, die sich daraus ergeben, dass Brandenburg und Polen sich gemeinsam im Zentrum Europas befinden, vielen Menschen noch nicht bewusst, die entfernter von der Grenze leben", sagt er. Und räumt auf Nachfrage ein, dass dies wohl auch für so manchen Mitarbeiter der Ministerialbürokratie in Potsdam gelte.
"Seien wir doch ehrlich: Es hat  viele Jahre gebraucht, bis sich Berlin und sein Umland als gemeinsame Region empfunden haben und beide Bundesländer eine gemeinsame Landesplanung beschlossen", sagt der 55-Jährige. Jetzt müsse es darum gehen, auch die Beziehungen zu solchen dynamischen Metropolen wie Stettin, Posen oder Breslau deutlicher zu machen und den gesamten Verflechtungsraum dazwischen "positiv zu bebildern".
"Für die Menschen in der Uckermark, in Ostbrandenburg oder der Lausitz ist es wichtig, dass sie und ihre Familien hier eine Perspektive haben. Und dazu gehört auch die Nachbarschaft zu Polen", fügt er hinzu. Bei der grenzüberschreitenden Kooperation ginge es nicht nur um punktuelle Lösungen, sondern um eine Strategie, "an der alle Ministerien der Landesregierung mitarbeiten".
Diese einheitliche Polenstrategie Brandenburgs ist ein Vorhaben des Koalitionsvertrages der neuen Landesregierung. Bis Ende 2020 soll die Strategie unter Beteiligung der Akteure entwickelt und anschließend umgesetzt werden.
Dass er selbst im brasilianischen Sao Paulo geboren wurde und an der internationalen Deutschen Schule in Brüssel sein Abitur gemacht hat, sei ein Grund dafür, "weshalb ich es gewohnt bin, mich in unterschiedlichen Kulturen zu bewegen und verschiedene Perspektiven zu berücksichtigen."
Erfahrungen beim Zugverkehr
Bisher war der parteilose Ubbelohde kein Politiker, sondern hatte sich seit 1993 in den verschiedensten Brandenburger Verkehrs- und Infrastrukturministerien vom Justiziar zum Abteilungsleiter hochgearbeitet. "In diesen Jahren war ich an zahlreichen Beratungen zur Entwicklung grenzüberschreitender Zugverbindungen nach Polen beteiligt. Ich weiß deshalb, wie vielfältig die technischen und politischen Probleme sind und wie mühsam es ist, Fortschritte zu erreichen." Bei diesen Worten zieht er mit der Hand eine Berg- und Talbahnlinie in die Luft, die verdeutlichen soll, dass es auch immer wieder Rückschläge bei den Zugverbindungen ins Nachbarland gab.
Gerade wegen solcher Misserfolge ist Ubbelohde jedoch der Meinung, "dass wir eine langfristige und systematische Polenstrategie im Land brauchen". Dafür will er sich einsetzen, als Mitglied des EU-Ausschusses der Regionen in Brüssel genauso wie als Koordinator zwischen den einzelnen Ministerien, als Ansprechpartner für Kommunen wie auch für Nichtregierungsorganisationen. Der 55-jährige weiß, dass er keine leichte Aufgabe übernommen hat. Doch er ist überzeugt: "Es ist spannend und wird sich lohnen."

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