Rücktritte beim RBB
: Chefredakteur und Programmdirektorin treten nach Gelbhaar-Causa zurück

Die fehlerhafte Berichterstattung über den Grünen-Politiker Stefan Gelbhaar hat zum Rücktritt der RBB-Programmdirektorin Katrin Günther und des Chefredakteurs David Biesinger geführt.
Von
AFP STATISTISCH
Berlin
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RBB stellt crossmediales Newscenter vor: ARCHIV - 27.06.2022, Berlin: David Biesinger, Chefredakteur des Rundfunks Berlin-Brandenburg, bei einem Pressetermin zur Vorstellung des crossmedialen Newscenters (CNC) auf dem RBB-Gelände an der Masurenallee. Auf zwei Etagen arbeiten Redaktion und Produktion gemeinsam für Netz, Radio und Fernsehen. Es soll die regionale Berichterstattung vor allem im Digitalen gestärkt werden. (zu dpa: «RBB-Chefredakteur geht wegen Gelbhaar-Berichterstattung») Foto: Jens Kalaene/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

David Biesinger, bisheriger Chefredakteur des Rundfunks Berlin-Brandenburg, ist im Zuge des Skandals um die Gelbhaar-Berichterstattung zurückgetreten.

Jens Kalaene/dpa
  • RBB-Chefredakteur David Biesinger und Programmdirektorin Katrin Günther treten nach Skandal zurück.
  • Fehlerhafte Berichterstattung über Grünen-Politiker Stefan Gelbhaar führte zu Rücktritten.
  • Günther bleibt kommissarisch im Amt, Stephanie Pieper übernimmt Chefredaktion.
  • Vorwürfe gegen Gelbhaar teilweise erfunden, juristische Schritte folgen.
  • RBB führt strukturelle und Schulungsmaßnahmen ein.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Skandal um die fehlerhafte Berichterstattung über den Grünen-Politiker Stefan Gelbhaar hat beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) zu personellen Konsequenzen geführt. RBB-Programmdirektorin Katrin Günther und RBB-Chefredakteur David Biesinger legten ihre Ämter nieder, wie der Sender am Freitag mitteilte. Günther soll allerdings kommissarisch im Amt bleiben, bis ihre Nachfolge geklärt ist. Neue Chefredakteurin wird kommissarisch Stephanie Pieper.

Der Bundestagsabgeordnete Gelbhaar hatte nach Berichten über Belästigungsvorwürfe auf eine Kandidatur für den neuen Bundestag auf der Berliner Landesliste der Partei verzichtet und wurde als Direktkandidat für den Wahlkreis Berlin-Pankow abgewählt. Allerdings waren die zentralen Vorwürfe gegen ihn offenbar erfunden, so soll eine angeblich Betroffene unter falschem Namen eine gefälschte eidesstattliche Erklärung abgegeben haben.

Gelbhaar wehrt sich juristisch dagegen, auch die Partei geht dagegen vor. Einige weitere Frauen halten hingegen an ihren Vorwürfen fest, deren genaue Art aber unklar ist.

Rücktritte beim RBB: Intendantin Ulrike Demmer äußert sich

Der RBB ließ die Vorwürfe von einer unabhängigen Kommission untersuchen. Intendantin Ulrike Demmer erklärte zu den nun veröffentlichten Konsequenzen, diese sollten sicherstellen, dass die Standards des RBB auch wirklich angewandt werden. „Unser Anspruch ist, das uneingeschränkte Vertrauen des Publikums in die unabhängige, unvoreingenommene und verlässliche Berichterstattung des RBB wieder herzustellen.“

Dazu kündigte der RBB auch strukturelle Konsequenzen an. Bei Recherchen mit dieser Tragweite sollten die investigativen Einheiten des Senders künftig zwingend mit einbezogen werden. Die Chefredaktion solle eine aktive Rolle bei der Kontrolle solcher Recherchen wahrnehmen. Außerdem sollten verpflichtende Schulungen zur Verdachtsberichterstattung eingeführt werden.

RBB-Rücktritte: Statements von Günther und Biesinger

Der Sender veröffentlichte im Nachgang Statements der beiden Betroffenen. „In meinen Augen ist in den vergangenen Wochen zu schnell und zu viel über mögliche Fehler Einzelner gesprochen worden. Tatsächlich hat der RBB in diesem Fall insgesamt programmlich versagt. Dafür sehe ich mich in der Verantwortung und habe deshalb Intendantin Ulrike Demmer mitgeteilt, dass ich mein Amt niederlegen werde“, äußerte sich Katrin Günther. „Es darf nicht sein, dass der RBB nach einem solchen Fehler einfach wieder zur Tagesordnung übergeht, auch dieses Zeichen ist mir wichtig. Wir müssen jetzt aber über Strukturen sprechen, nicht über Köpfe.“

Nicole Küchler-Stahn (l-r), Direktorin der Verwaltungs-, Betriebs- und Produktionsdirektion, Ulrike Demmer, Intendantin des RBB, und Katrin Günther, Programmdirektorin, stehen bei einer Pressekonferenz vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) zusammen. +++ dpa-Bildfunk +++

Tritt zurück: Katrin Günther, Programmdirektorin des Senders Rundfunk Berlin-Brandenburg.

picture alliance/dpa

„Ich habe der Intendantin und dem Direktorium angeboten, die Funktion des Chefredakteurs abzugeben. Ein Neuanfang an der Spitze der Chefredaktion soll dazu beitragen, die publizistische Reputation des RBB wieder herzustellen. Dieses Angebot hat die Intendantin angenommen“, teilte David Biesinger mit.

RUNDFUNK BERLIN-BRANDENBURG
Stephanie Pieper
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Stephanie Pieper, Leiterin von rbb24 Inforadio und Digital, wird kommissarische Chefredakteurin des RBB.

rbb/Gundula Krause

Die neue kommissarische Chefredakteurin Stephanie Pieper ist aktuell Leiterin von RBB24 Inforadio und Digital. Sie wurde in Niedersachsen geboren, wuchs in Bremen auf, studierte in Berlin und hat im Jahr 2000 in der Inforadio-Wirtschaftsredaktion angefangen.