S-Bahn in Berlin: Neue Pendler-Strecke – so steht es um die Pannen-Baustelle S15

S-Bahn-Baustelle am Hauptbahnhof Berlin. Wann können Pendler erstmals die Linie S15 zwischen Gesundbrunnen und Hauptbahnhof nutzen?
Monika Skolimowska/dpaPendler, die am Bahnhof Berlin-Friedrichstraße aus- oder umsteigen müssen, erleben täglich hautnah, wie schnell die Kapazitäten im Berliner ÖPNV-Netz ausgeschöpft sind. Nicht nur im Feierabendverkehr bilden sich vor den schmalen, teilweise gerade mal anderthalb Meter breiten Treppen Menschentrauben.
„Die bestehende Strecke über die Friedrichstraße ist mit rund 120.000 Fahrgästen täglich bereits nahezu ausgelastet“, heißt es von der Deutschen Bahn als Mutterkonzern der Berliner S-Bahn. Doch die lang geplante neue Nord-Süd-Verbindung S21 – auch City S-Bahn genannt, die das Nadelöhr an der Friedrichstraße und im Nord-Süd-Tunnel entlasten soll, lässt weiter auf sich warten.
Berlin: Zehn-Minuten-Takt zwischen Hbf und Gesundbrunnen
Das Mammutprojekt auf der insgesamt sieben Kilometer langen S21-Strecke ist schon rund acht Jahre im Rückstand. Licht am Endes des Tunnels sieht die Deutsche Bahn im Winter 2024/25 – zumindest was den ersten, vier Kilometer langen Bauabschnitt angeht. Zum Fahrplanwechsel am 14. Dezember soll die City-S-Bahn, die dann erstmal noch S15 genannt wird, zwischen Gesundbrunnen und Hauptbahnhof im Zehn-Minuten-Takt pendeln.
„Mit der Fertigstellung des Interimszustands des ersten S21 Berlin-Abschnitts schafft die Deutsche Bahn für die nördlichen Stadtbezirke einen neuen direkten S-Bahn-Anschluss an den Berliner Hauptbahnhof“, heißt es von dem Verkehrsunternehmen.
S-Bahn Berlin: Baumängel während Bauarbeiten entdeckt
Den Eingang zum S-Bahnhof am Hauptbahnhof kann man schon auf der Baustelle nördlich der Invalidenstraße erkennen. Er wirkt verhältnismäßig schmal. Das liegt unter anderem daran, dass auch der neue unterirdische S-Bahnsteig am Hauptbahn nur eine Übergangslösung ist. Der neue Bahnhof ist nur ein Provisorium. Grund sind Baumängel an der Humboldthafen-Brücke.
Die Beton-Stahl-Konstruktion aus den 1990er-Jahren am Humboldthafen östlich des Hauptbahnhofs ist so verrostet, dass sie komplett erneuert werden muss. „Während der Bauarbeiten am ersten Abschnitt wurden Mängel an den baulichen Vorleistungen am Hauptbahnhof entdeckt", erklärt ein Bahnsprecher.

Blick auf den Interims-Bahnsteig der S21-Bahnstrecke am Hauptbahnhof in Berlin. Der erste Abschnitt der neuen Nord-Süd-Verbindung, die auch City-S-Bahn oder S15 genannt wird, soll noch in diesem Jahr in Betrieb gehen. Der Zeitplan.
Monika Skolimowska/dpaDie Bauarbeiter seien östlich des Hauptbahnhofs auf fehlerhafte Bauausführungen an einer Trägerrost-Konstruktion aus den 1990er-Jahren an der Humboldthafenbrücke gestoßen. Weil diese für den endgültigen S-Bahnhof sowie für das darüberliegende Brückenbauwerk von großer Bedeutung sei, würden derzeit mehrere Varianten zur Erneuerung untersucht, so der Sprecher.
Damit die S15 im Dezember 2024 trotzdem ans Netz gehen kann, baut man den Interims-Bahnhof nun erstmal nördlich des Hauptbahnhofes unter dem Vorplatz des KPMG-Hochhauses.
S-Bahn Berlin: Engpässe bei Material und Personal
Im Zwischengang unter der Invalidenstraße sind schon Bodenplatten verlegt. Die Wände sollen mit Emaille-Platten aus Halle (Saale) verkleidet werden. Auch ein Aufzug wird den Bahnsteig mit der unterirdischen Überführung verbinden. Von dieser werden zwei Rolltreppen direkt zur Straßenbahnhaltestelle der M10 führen.
Eigentlich sollten Bahnhof sowie die S15 schon im Dezember 2023 in Betrieb gehen. Grund für die Verzögerung sind laut Deutscher Bahn „Engpässe bei der Material- und Personalverfügbarkeit.“ Unter anderem habe sich die Anlieferung einer Trafostation sowie einer Netzersatzanlage für die Notstromversorgung verzögert.
S-Bahn in Berlin: Neuer Bahnhof in Wedding geplant
Krankheitsbedingte Personalausfälle bei Planern und Prüfern während der Corona-Pandemie hätten für Verzögerungen gesorgt. „Der Fachkräftemangel wirkt sich mittlerweile – wie überall in der Baubranche – stark auf das Projekt aus“, heißt es von der Deutschen Bahn.
Die Kosten für den ersten Bauabschnitt der S21 belaufen sich laut Unternehmen auf rund 600 Millionen Euro. Ein neuer S-Bahnhof entsteht zudem an der Perleberger Brücke in Wedding. An dieser Stelle soll sich die Strecke gabeln und einen Strang Richtung Jungfernheide – Gartenfeld bereithalten, wo die Siemensbahn 2029 wieder reaktiviert werden soll.
S-Bahn in Berlin: Auch am Brandenburger Tor wird bald gebaut
Die anderen beiden Bauabschnitte der S21 befinden sich in der Planung. Dabei werden in den kommenden Jahren noch zahlreiche Herausforderungen zu meistern sein. Denn im Bereich des Brandenburger Tors wird aufgrund der unterschiedlichen Höhenlagen unter anderem eine offene Baugrube nötig werden, da der Einsatz einer Tunnelbohrmaschine hier nicht möglich ist.
Ferner wird in diesem Bereich der Anschluss an den vorhandenen S-Bahn-Tunnel hergestellt. Die Planer der Deutschen Bahn müssen dort versuchen, die Belastung für Anrainer, Verkehr und den parlamentarischen Betrieb so gering wie möglich zu halten.
Die favorisierte Trassenvariante sieht derzeit vor, dass der neue Tunnel im zweiten Bauabschnitt zwischen Hauptbahnhof und Potsdamer Platz an den sogenannten „Heuboden“, einen bestehenden Tunnelabschnitt aus den 1930er Jahren, angeschlossen wird. Damit könnte man laut Deutscher Bahn eine weitere große Baustelle am Potsdamer Platz für einen langen Zeitraum vermeiden.
S-Bahn Berlin: Hbf und Potsdamer Platz erstmals verbunden
Spannend wird es zudem im dritten Abschnitt in Kreuzberg. Dort wird auch das über 100-jährige Gleisdreieck mit den U-Bahnlinien 1, 2 und 3 an die S21 angeschlossen. Am Bahnhof Yorckstraße sollen dazu zeitgemäße Umsteigemöglichkeiten zwischen den S-Bahnhöfen, dem U-Bahnhof der U7 und zu den dort verkehrenden Buslinien realisiert werden.
„Für Fahrgäste ergeben sich bequeme Umsteigemöglichkeiten zwischen wichtigen S-Bahn-Linien, fast allen Regional- und Fernbahn-Linien sowie verschiedenen U-Bahn- und Buslinien“, heißt es von der S-Bahn Berlin.
Die neue Nord-Süd-Verbindung, die auch erstmals den Hauptbahnhof mit dem Potsdamer Platz per S-Bahn verbindet und frühestens 2037 zwischen dem Nordring (Gesundbrunnen) und dem Südring (Südkreuz) parallel zur S1 und S2 verkehren soll, werde die Attraktivität des S-Bahn-Netzes deutlich steigern, weil sie insbesondere für die bevölkerungsreichen nördlichen Bezirke neue, schnelle, bequeme Anschlüsse an den Regional- und Fernverkehr schaffe.
Mit der S21 würde zum ersten Mal der Hauptbahnhof vom Norden Berlins aus mit der S-Bahn erreichbar sein und der bisherige Verkehrsknotenpunkt Friedrichstraße entlastet.




