U-Bahn in Berlin: Kommt mein Zug pünktlich? BVG testet neues System

Das Berliner Start-up MOXZ testet seine neuartige Funktechnologie im Berliner U-Bahn-Netz. Was soll sich nun bessern?
BVG/Florian Bündig- BVG testet neues Echtzeit-Ortungssystem in der U-Bahn mit Technik von MOXZ.
- Pilottest auf der U2 zwischen Ruhleben und Pankow gestartet.
- Züge sollen im Tunnel metergenau und sekundengenau erfasst werden.
- Fahrgastverband IGEB fordert einheitliche Standards statt Insellösungen.
- BVG prüft Mehrwert zusätzlicher Ortungsdaten für Info und Disposition.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Viele Fahrgäste in Berlin kennen das: Die Monitore auf dem U-Bahnhof zeigen nur noch eine Minute bis zur Einfahrt des Zuges an, doch die scheint plötzlich eine Ewigkeit anzudauern. Die U-Bahn kommt einfach nicht, und plötzlich verschwindet der Zug sogar ganz vom Bildschirm, und der nächste soll laut Anzeigetafel erst wieder in zehn Minuten kommen.
Die Minuten-Anzeigen auf den Displays der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) sind bisher nicht immer exakt oder gar zuverlässig. Das soll sich ändern. Die BVG und das Berliner Unternehmen MOXZ testen dazu im Untergrund eine neue Technologie, bei der die Bahnen auch im Tunnel in Echtzeit und metergenau erfasst werden.
MOXZ ist ein Start-up für drahtlose Kommunikation und Netze in der Hauptstadt, das aus der Technischen Universität Berlin hervorgegangen ist und an dessen Forschung auch das Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut (HHI) beteiligt ist.
U-Bahn in Berlin wird sekundengenau erfasst
Die ersten Tests auf der U-Bahn-Linie 2 zwischen Ruhleben und Pankow sind bereits gestartet. Das System ermögliche laut BVG kontinuierlich festzustellen, wo sich ein Zug befindet, wie schnell er fährt und wie viele Sekunden es noch bis zur nächsten Einfahrt im Bahnhof sind.
„Wenn es gelingt, die Bahnen auch im Tunnel jederzeit präzise zu lokalisieren, profitieren davon sowohl unsere Leitstellen als auch unsere Fahrgäste“, freut sich der BVG-Vorstandsvorsitzende Henrik Falk.
„Die Modernisierung der Fahrgastinformation und der Echtzeitdaten ist zweifellos überfällig“, findet auch Christian Linow vom Berliner Fahrgastverband IGEB. Darum sei jeder Schritt der BVG zu begrüßen, die momentane Lage zu verbessern.
Was Berlin jedoch nicht gebrauchen könne, seien jahre- oder gar jahrzehntelange Pilotprojekte und nicht enden wollende Forschungsarbeiten, die schließlich doch in der Versenkung verschwinden, betont Linow.
Fahrgastverband fordert einheitliches System
Der Fahrgastverband plädiert daher eher für ein System, das auf einheitliche Standards zwischen Bus, Tram und U-Bahn setzt. „Produktspezifische Insellösungen machen das Ganze unnötig teuer und in Sachen Wartung kompliziert“, glaubt Linow. „Wohin so etwas führt, sehen wir doch sehr gut am jetzigen System, das technologisch am Ende ist.“
Die U-Bahn benötige ohnehin ein neues Zugbeeinflussungssystem, das die nächsten Jahre ausgerollt wird. „Über das sind die erforderlichen Ortungsdaten leicht abrufbar“, sagt Linow. „Von daher gibt es keinen Grund, eine weitere proprietäre Technologie zu installieren.“
„Für die klassische Zugbeeinflussung und Sicherung gibt es selbstverständlich bewährte Systeme“, bestätigt BVG-Sprecherin Franziska Ellrich. Das jetzt gestartete Pilotprojekt laufe unabhängig von einer zukünftigen Ausstattung der Berliner U-Bahn mit einem neuen, modernen Zugbeeinflussungssystem. „Es untersucht, ob zusätzliche, eigenständige Echtzeit-Ortungsdaten einen Mehrwert für Fahrgastinformation und betriebliche Disposition liefern können.“
„Unser MOXZ-Tunnel-Funk System ist die weltweit erste Funklösung, welche zuverlässig metergenaue Echtzeitortung ohne Sichtverbindung und unabhängig von GPS ermöglicht“, erklärt Philipp Walk, Gründer der MOXZ GmbH.
Funkgeräte im U-Bahn-Tunnel in Berlin
Man brauche dafür nur wenige Funkgeräte in den Tunneln. Deshalb sei die Methode mit viel weniger Aufwand und Kosten zu realisieren als ein sensorbasiertes Ortungssystem, erklärt der Unternehmens-Chef.
Ob die Anzeigen auf dem Bahnsteig dadurch dann auch wirklich präziser sind, werden die Pendler auf der U2 in den kommenden Wochen sehen.


