U-Bahn in Berlin: Baustart für neuen Tunnel unter der Spree – das ist geplant

Auf dieser BVG-Visualisierung ist der künftige neue Tunnel unter der Spree in Berlin-Mitte zu sehen.
BVG Projekt GmbH- Berlin: Bauarbeiten für den neuen Waisentunnel unter der Spree starten noch 2023.
- Der Tunnel verbindet U5 und U8 und ist für den U-Bahn-Betrieb und dichte Takte essenziell.
- Der alte Tunnel wurde 1918 eröffnet, ist seit 2016 wegen Wasserschäden geschlossen.
- Bau in zwei Phasen: Abriss des maroden Tunnels, Neubau bei laufendem Schiffsverkehr.
- Kosten: 100 Mio. Euro, Fertigstellung wichtig für Werkstattbetrieb und neue Bahntechnik.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Obwohl noch keine einzige U-Bahn mit Fahrgästen jemals durch diesen Tunnel gefahren ist, ist er elementar für das Berliner U-Bahn-System: Der 1918 eröffnete Waisentunnel ist die einzige Verbindung zwischen der U5 (Hauptbahnhof und Hönow) und dem Rest des Netzes.
Doch seit rund sieben Jahren ist der 865 Meter lange Betriebstunnel, der zum Teil unter der Spree verläuft, wegen eines Wassereinbruchs aus Sicherheitsgründen geschlossen. Seitdem ist die Linie U5 inklusive der Betriebswerkstatt Friedrichsfelde vom Rest des Netzes abgeschnitten.
Verkehr in Berlin – U-Bahn auf dem Lkw
Für den dortigen Einsatz oder einen Werkstattaufenthalt müssen die U-Bahnen im Moment aufwendig Wagen für Wagen auf Tieflader und Lkw auf die Straße gehoben und quer durch die Stadt gefahren werden.
Das soll sich wieder ändern.„Nachdem letzte offene Fragen geklärt wurden, bin ich zuversichtlich, dass wir den Waisentunnel nun zeitnah neu bauen dürfen“, sagt Henrik Falk, Vorstandsvorsitzender der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Die Arbeiten sollen noch in diesem Jahr starten.
„Dies ist vor allem eine tolle Nachricht für unsere Fahrgäste“, erklärt Falk. „Denn nur, wenn alle U-Bahn-Werkstätten gleichmäßig ausgelastet sind, können wir jeden Tag die Wagenflotte in den Dienst schicken, die für einen stabilen Betrieb benötigt wird. Außerdem schaffen wir damit auch die Kapazitäten, den zukunftsfähigen Ausbau unserer Werkstätten voranzutreiben.“
Der Waisentunnel verläuft vom U-Bahnhof Alexanderplatz unter der Littenstraße und Spree entlang zum U-Bahnhof Heinrich-Heine-Straße und verbindet somit die U5 mit der U8 (Wittenau – Herrmannplatz).
Neuer BVG-Tunnel ein Risikofaktor für die Schifffahrt?
Er war 1914 bis 1918 zwischen der alten Jannowitzbrücke und der nicht mehr existierenden Waisenbrücke in einem damals risikobehafteten und zuvor noch nicht erprobten Verfahren gebaut worden. Bereits während des Baus und auch unmittelbar danach kam es zu Wassereinbrüchen und damit auch immer wieder zu Betonschäden.
So ging der Waisentunnel erst 1930 in Betrieb, nachdem man ihn zusätzlich mit einer Innenschale abgedichtet hatte. Die Probleme mit den Lecks aber blieben immer bestehen.
Die Planungen für den Neubau laufen seit Jahren. Die BVG hatte Anfang 2022 in ihrer Antwort auf eine Anfrage des Linke-Politikers Kristian Ronneburg mitgeteilt, dass das zuständige Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt bereits seit mehreren Jahren die extrem marode Spreesohle – also die Decke des Waisentunnels unterhalb der Spree – als einen „Risikofaktor für die Schifffahrt“ beanstandet hat.
Die nahegelegene Mühlendamm-Schleuse passieren jährlich rund 26.000 Boote und Schiffe, darunter besonders viele Ausflugsdampfer.
Waisentunnel wird vom U-Bahn-Netz abgetrennt
Auch deshalb wurde nicht die Sanierung, sondern wurden der Abriss sowie ein Ersatzneubau bevorzugt. Die besondere Herausforderung besteht laut BVG darin, den Ersatzneubau zu errichten und gleichzeitig den Schiffsverkehr aufrechtzuerhalten.
In rund vier Jahren Bauzeit wird so zunächst der Waisentunnel mithilfe von Stahlbetonschotten vom restlichen U-Bahn-Netz abgetrennt, um das Eindringen von Wasser zu verhindern. Danach wird die historische Röhre abgerissen.
Der anschließende Ersatzneubau erfolgt in zwei Phasen: Zuerst werden auf der südlichen Spreeseite Spundwände und eine Sohle eingebracht und die Baugrube ausgepumpt. So können die Bautrupps in einer trockenen Baugrube die erste Hälfte des neuen Tunnels errichten.
Im Anschluss wird die Baugrube wieder geflutet und die Spundwände werden auf die nördliche Seite umgesetzt, damit sich die Arbeitsschritte dort wiederholen können. So entsteht Schritt für Schritt ein vollständiger neuer Tunnel, der dann auch wieder für Betriebsfahrten von der U5 vor allem zur Hauptwerkstatt Seestraße in Wedding genutzt werden kann.
Neues System für engere Takte bei der BVG
Die Hauptwerkstatt Seestraße ist eine von vier U‑Bahn-Werkstätten der BVG. Es wird zwischen Hauptwerkstätten und Betriebswerkstätten unterschieden. In Betriebswerkstätten finden laufende Instandhaltungen, zum Beispiel Scheibenaustausch oder Graffiti-Beseitigung, statt. Doch nur in den Hauptwerkstätten können die großen regelmäßigen Hauptuntersuchungen durchgeführt werden.
Zusätzlich ist der Waisentunnel laut BVG unerlässlich für die neue Technologie mit der Bezeichnung „Communication Based Train Control (CBTC)“, die auf den Linien U5 und U8 bis 2030 eingeführt werden soll. Durch das neue automatische Kontrollsystem sollen die Züge im dichteren Takt hintereinanderfahren können als derzeit auf manuell überwachten Strecken.
„Rund 100 Millionen Euro für einen reinen Betriebstunnel sind schon eine sehr teure Baumaßnahme, aber es führt jetzt kein Weg mehr daran vorbei“, findet auch Christfried Tschepe vom Berliner Fahrgastverband IGEB. Es wäre nur anders gegangen, wenn man vor 20 Jahren entschieden hätte, die U5 bis zur Turmstraße zu verlängern, erklärt er.
Nur in diesem Falle wäre der Waisentunnel entbehrlich. „So aber muss man nun in den sauren Apfel beißen“, sagt Tschepe. „Die Bahnen weiterhin oberirdisch durch die Stadt in die Werkstatt zu kutschieren, kann nicht die Alternative sein.“



