Explodierende Kosten für Strom, Wärme, Benzin und Diesel könnten viele Menschen in diesem Jahr zu Schuldnern machen. Ein Vier-Personen-Haushalt wird in diesem Jahr rund 2400 Euro mehr für Wärme, Strom und Mobilität zahlen müssen – das sind mehr als 60 Prozent Mehrkosten.
Das zeigen Daten des Vergleichsportals Verivox und Berechnungen vom Bund der Steuerzahler. Andere Schätzungen gehen sogar von 5000 Euro Mehrausgaben aus. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform sieht ein enormes Verschuldungsrisiko auf Deutschland zukommen. Das bedeutet für mehr als 15 Millionen Menschen – oder 20 Prozent der Haushalte –, dass sie ihre Energiekosten nicht mehr sofort bezahlen können und Gefahr laufen, sich zu verschulden.

Etwa jeder fünfte Haushalt bekommt Zahlungsprobleme

Bislang schlagen diese Kosten in den Haushalten noch nicht zu Buche. Das Risiko droht im nächsten Jahr mit der Nebenkostenabrechnung oder den höheren Abschlägen für Strom und Gas. Besonders gefährdet sind Menschen mit niedrigem Einkommen, die jetzt schon verschuldet sind.

In Berlin gibt es doppelt so viele Schuldner wie in Brandenburg

Aber auch bei vielen Menschen mit mittleren Einkommen ist das in der Corona-Zeit gesparte Geld mittlerweile aufgezehrt. Brandenburg steht nach dem aktuellen Schuldneratlas von Creditreform derzeit gut da, die Verschuldung ging zurück.
Rund 180.000 Verschuldungsfälle gibt es im Land – das ist Rang vier hinter Bayern, Baden-Württemberg und Thüringen. Berlin hingegen hat vergleichsweise mit rund 320.000 Fällen vergleichsweise viele Schuldner – die Hauptstadt rangiert hinter Bremen und Sachsen-Anhalt an dritter Stelle der am meisten verschuldeten Länder.

Wo in Brandenburg die Verschuldung besonders zurückgegangen ist

Besonders hart trifft die Verschuldung auch Frankfurt (Oder). Die Stadt gehört seit einigen Jahren bei den Schuldnerquoten – der Verschuldung gerechnet auf Einwohnerzahlen – zu den zehn am stärksten betroffenen kreisfreien Städten und Landkreisen Deutschlands. Allerdings ist auch in der Oderstadt die Verschuldung zurückgegangen. Deutliche Rückgänge wiesen auch die Kreise Barnim, Teltow-Fläming und Märkisch-Oderland auf.
Die positive Botschaft: Insgesamt sank die Zahl der Schuldner in Deutschland in diesem Jahr. Das liegt nach Angaben von Creditreform an den Corona-Hilfen der Bundesregierung, aber auch der Kaufzurückhaltung der Deutschen in der Pandemie. Dieses Sparguthaben sei jedoch aufgebraucht. „Die Situation wird sich deutlich verschlechtern“, sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Wirtschaftsforschung bei Creditreform.
Risiko Hausbau: Zu den am stärksten Verschuldeten gehören Menschen zwischen 30 und 39 Jahren. Oft sind es Familien, die Kredite für den Hausbau aufgenommen haben.
Risiko Hausbau: Zu den am stärksten Verschuldeten gehören Menschen zwischen 30 und 39 Jahren. Oft sind es Familien, die Kredite für den Hausbau aufgenommen haben.
© Foto: Christin Klose/dpa
Viele der aktuellen finanziellen Belastungen seien noch nicht bei den Verbrauchern angekommen. Zu den am stärksten verschuldeten Personen zählen die 30- bis 39-Jährigen. Das sind häufig junge Familien, die etwa Kredite für Hausbau aufgenommen haben. Hoch ist das Risiko auch bei Älteren mit kleiner Rente.

Wachsendes Risiko für Altersarmut

Ökonomen sehen ein wachsendes Risiko für Altersarmut. An erste Stelle bei den Ursachen für Verschuldung steht Arbeitslosigkeit. „Alles in allem zeigen sich düstere Perspektiven für Wirtschaft, Unternehmen, Verbraucher und Gesellschaft. Der durch die Energie-preiskrise hervorgerufene Einbruch der Sparfähigkeit großer Teile der deutschen Bevölkerung wird starken Einfluss auf ihre Über-schuldungsgefährdung haben, wie die nächsten Jahre sicherlich zeigen werden“, heißt es im aktuellen Schuldneratlas von Creditreform.
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