Schule in Brandenburg: MSA-Prüfung am Gymnasium vor dem Aus – Ministerium bestätigt

Weniger Prüfungsstress: Lehrer in Brandenburg sollen eine Wochenstunde mehr unterrichten, dafür aber an anderer Stelle entlastet werden. Die MSA-Prüfungen in der 10. Klasse am Gymnasium sollen wegfallen. (Symbolbild)
Felix Kästle/dpa- Brandenburg streicht ab 2026 die MSA-Prüfungen an Gymnasien.
- Lehrer unterrichten eine Stunde mehr pro Woche, werden aber entlastet.
- Bildungsausschuss diskutiert Änderungen am 8. April.
- Online-Petition gegen Einstellungsstopp für Lehrer hat 18.000 Unterschriften.
- SPD/BSW-Koalition plant weitere Entlastungsmaßnahmen für Lehrkräfte.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der Landesschülerrat Brandenburg hatte die Forderung sogar in sein Grundsatzprogramm aufgenommen: Die Prüfungen für den Mittleren Schulabschluss (MSA) in Klasse 10 am Gymnasium mögen abgeschafft werden! Es gelte, zusätzlichen und unnötigen Prüfungsstress zu vermeiden, argumentiert der LSR. Auch der Landeselternrat, der Gymnasialschulleiter-Verband und mehrere Fraktionen im Landtag befürworten den Wegfall der MSA-Prüfungen an Gymnasien.
Im Nachbarland Berlin war es zum Schuljahr 2023/2024 so weit: keine MSA-Prüfungen mehr für angehende Abiturienten. Doch in Brandenburg müssen Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 10 am Gymnasium auch 2025 diese Prüfungen ablegen. Am 30. April zum Beispiel steht die schriftliche Deutsch-Prüfung an.
Schule in Brandenburg: Lehrer von Verwaltungsaufgaben entlasten
Vermutlich zum letzten Mal. Am Montag (7. April) kursierte in Brandenburg zunächst ein unbestätigtes Gerücht. Eltern-, Schüler- und Lehrervertreter wussten nichts Genaueres. „Uns sind derzeit leider auch nur die Gerüchte bekannt. Wir würden uns sehr freuen, wenn die Landesregierung im Zuge der Erhöhung der Lehrerwochenstunden den Lehrkräften Arbeit abnimmt und insbesondere die häufig kritisierten MSA-Prüfungen am Gymnasium abschafft“, sagte Landesschüler-Sprecher Stefan Tarnow.
Am Montagabend meldete sich schließlich das Bildungsministerium auf die Anfrage dieses Nachrichtenportals vom Vormittag, ob die MSA-Prüfung am Gymnasium wegfallen soll. „Die Regelung ist Bestandteil des Entwurfes des Haushaltsbegleitgesetzes und somit des parlamentarischen Prozesses“, teilte eine Sprecherin schriftlich mit. Im Haushaltsbegleitgesetz steht all das, was aus Sicht der SPD/BSW-Koalition an gesetzlichen Änderungen im Zusammenhang mit den Haushaltsplanungen für 2025/2026 notwendig ist.
Der Plan von SPD und BSW ist, die Lehrkräfte ab Februar 2026 zu einer Wochenstunde Mehrarbeit zu verpflichten. Im Gegenzug sollen sie von anderen Aufgaben entlastet werden. Also zum Beispiel von der Vorbereitung der MSA-Prüfungen an den Gymnasien.
Bildungsminister Steffen Freiberg (SPD) hat vor wenigen Tagen in einem Brief an die Lehrerinnen und Lehrer in Brandenburg um Verständnis geworben. „Grundlegendes Ziel ist es, Ihnen bei gleichbleibender Wochenarbeitszeit mehr Zeit zum Unterrichten zu verschaffen, indem Sie von Verwaltungsaufgaben weiter entlastet werden“, schrieb der Minister den Lehrkräften. „Wir planen derzeit unter anderem die Bewertung des Arbeits- und Sozialverhaltens nur noch für die Abschlusszeugnisse der Jahrgangsstufen 4, 6 und 10, eine Reduzierung der Zahl verpflichtender Entwicklungsgespräche, zentrale Aufgabenstellungen für die Abiturprüfungen, die Bereitstellung eines zentralen Aufgabenpools für Klassenarbeiten und die Wertung der Vergleichsarbeiten VERA 3 und 8 als Klassenarbeiten sowie die Reduzierung der Zahl der verbindlichen Klassenarbeiten auf zwei je Schuljahr und Fach.“
Schule in Brandenburg: Online-Petition gegen Einstellungsstopp für Lehrer
Freiberg ergänzte in dem Brief, dass sein Haus die Leitungen der Schulämter gebeten habe, weitere Entlastungsvorschläge zu erarbeiten. Trotzdem gibt es nach wie vor scharfe Kritik an der zusätzlichen Pflichtstunde für die Lehrkräfte sowie an der Art und Weise, wie das Vorhaben kommuniziert wurde. Lehrerverbände sprechen von einem schweren Vertrauensverlust. Außerdem herrscht an den Schulen große Skepsis mit Blick auf die Umsetzbarkeit der Mehrstunde mitten im Schuljahr, also zum Start des zweiten Halbjahres im Februar 2026. Denn die zusätzliche Pflichtstunde verändere die Personalplanung grundlegend.
Angehende Lehrkräfte haben eine Online-Petition gegen den mit den Planungen verbundenen vorübergehenden Einstellungsstopp gestartet. Die Petition „Stoppt den Einstellungsstopp!“ hat bislang 18.000 Unterschriften. Das Bildungsministerium bemüht sich, die Wogen zu glätten. Die Lehramtskandidaten sowie ihre Ausbilder seien vor wenigen Tagen informiert worden, „dass alle mit erfolgreichem Abschluss des Brandenburger Vorbereitungsdiensts ein Einstellungsangebot erhalten“, teilt eine Ministeriumssprecherin mit.
Am Dienstag (8. April) um 15 Uhr kommt der Bildungsausschuss im Landtag zu einer Sondersitzung zusammen, um diese Probleme zu diskutieren. Ebenfalls auf der Tagesordnung steht die Absage der bereits fest zugesagten Verbesserung des Betreuungsschlüssels in den Krippen in Brandenburg.


