Special Olympics World Games: Trainer aus Strausberg wegen Kindesmissbrauch suspendiert

Rechtsanwältin Galina Rolnik und der Angeklagte zum Prozessauftakt im Mai 2023 am Landgericht Frankfurt (Oder). Bei den Special Olympics World Games in Berlin war er als Trainer aktiv.
Patrick Pleul/dpaIn einem RBB-Beitrag von den Special Olympics World Games in Berlin kam der Trainer am Mittwoch, 21. Juni, ausführlich zu Wort. Inzwischen ist das Video gelöscht. Der zuständigen Redaktion war offenbar zuvor nicht bekannt, wen sie vor sich hat. Und sie konnte das auch nicht wissen, weil in der Berichterstattung von dem Prozess am Landgericht Frankfurt (Oder) die Anonymität des Angeklagten gewahrt wird, der seine Unschuld beteuert.
Gleichwohl wiegen die Vorwürfe gegen ihn so schwer, dass die Strafkammer bereits ein vorläufiges Berufsverbot verhängt hat. Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) umfasst insgesamt 28 Fälle von sexuellem Missbrauch und einen Fall von Körperverletzung.
Als die Übergriffe angefangen haben sollen, waren die Kinder neun Jahre alt
In mehreren Fällen habe er demnach seinen Opfern unter das T-Shirt gefasst und minutenlang ihre kindlichen Brüste geknetet, um sich zu erregen. Die Taten sollen sich zwischen Sommer 2018 und Frühjahr 2022 an einer Grundschule in Strausberg zugetragen haben. Als die Übergriffe durch den Klassenlehrer losgegangen sein sollen, waren die Kinder neun Jahre alt.
Vom RBB nunmehr mit diesen Vorwürfen konfrontiert, haben die Special Olympics Deutschland den Trainer mit sofortiger Wirkung für die Spiele suspendiert und aus ihrer Delegation ausgeschlossen, wie der Sender am Donnerstag (22. Juni) berichtet. Auf der Homepage von Special Olympics Deutschland ist die Seite, auf der der Trainer vorgestellt wurde, gelöscht. Er fungierte bei den Weltmeisterschaften der Menschen mit geistiger Beeinträchtigung vor allem als Betreuer seines dort startenden Sohnes.
Der Prozess startet im November neu
Jens Mader, der als Rechtsanwalt in dem Strafprozess eine Opferfamilie vertritt, zeigt sich erschüttert darüber, dass der Angeklagte in die TV-Öffentlichkeit ging. „Er hat dem Fest, seinem Sohn und sich selbst sehr geschadet“, sagt Mader. „Falls Betroffene des Verfahrens den RBB-Beitrag gesehen haben, was nicht zu hoffen ist, können diese das nur als Affront auffassen.“
Der Prozess gegen den Angeklagten war Ende Mai wegen der Erkrankung einer Richterin ausgesetzt worden. Am 6. November soll er nach derzeitiger Planung neu starten.


