Start-Ups: Strausberger leitet Firma „Aroundhome“ aus dem heimischen Keller

Startups brauchen eigene Konjunkturprogramme: Robin Behlau führt ein Unternehmen, das im Internet Dienstleistungen rund ums Haus anbietet.
Mike Auerbach/dpaDie Firma verkauft via Internet Produkte und Dienstleistungen rund ums Haus. „Wir haben seit ein paar Wochen 50 Prozent weniger Umsatz“, sagt Behlau. Vor allem der Verkauf von Küchen und Möbeln liegt brach. Küchenstudios haben geschlossen, Kundenberatung funktioniert derzeit nur über Videotelefonie. Auch das Geschäft mit Immobilien ist zurückgegangen. Kaum Verlust gibt es dagegen bei Solaranlagen. Das Interesse an allem, womit sich rund ums Haus sparen lässt, ist derzeit groß, meint Behlau. „Die Leute sind zuhause und haben ein gesteigertes Bedürfnis, ihr Haus schön zu machen.“ Aroundhome verkauft nicht einfach Produkte wie eine Solaranlage beispielsweise, sondern vermittelt Handwerker aus der Umgebung des Kunden, die ihm ein Angebot unterbreiten.
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Das Unternehmen kann nach eigenen Angaben auf ein Netz aus 16 000 Handwerkern und Herstellern zurückgreifen. Vor zwölf Jahren ist Behlau zusammen mit seinem Schulfreund Mario Kohle mit dem Unternehmen gestartet, das damals noch Käuferportal hieß. Aroundhome wickelt heute ein Auftragsvoluen von rund 1,5 Milliarden Euro pro Jahr über seine Onlineplattform ab, bezogen auf Vor-Corona-Zeiten. Die Firma ist stetig gewachsen. Pro Sieben Sat.1 hält heute 80 Prozent der Anteile.
Die Krise hat die Entwicklung von Aroundhome gebremst, so wie die vieler Startups. Rund 80 Prozent der deutschen Gründungen sehen sich in ihrer Existenz gefährdet, ergab eine Umfrage des deutschen Startup-Verbandes Ende März. "Die Gefährdung ist sowohl für große als auch kleinere Startups akut im kommenden halben Jahr“, heißt es darin.
„Die Soforthilfen haben nach unserer Erkenntnis gut funktioniert und sind schnell angekommen“, sagt Malte Fritsche, Startup-Experte beim Branchenverband der IT-Wirtschaft Bitkom. Allerdings sind sie auf kleinere Unternehmen bis 100 Mitarbeiter begrenzt. Mit 500 Leuten ist Aroundhome beispielsweise zu groß dafür. Aber auch günstige Kredite der KfW-Bank, die jetzt anderen Firmen helfen, taugen häufig für Startups nicht. Entweder verbleibt bei diesen Krediten ein zehnprozentiges Haftungsrisiko bei den Hausbanken, das diese zumeist nicht eingehen. Oder die KfW-Kredite sind daran gebunden, dass die Unternehmen Gewinn machen. Das ist bei den Neugründungen in den ersten Jahren oft nicht der Fall.
Startups brauchen aus Sicht von Malte Fritsche jetzt zum einen kurzfristige Hilfe, um die Zahlungsfähigkeit in den nächsten Monate zu sichern. Notwendig seien aber auch staatliche Maßnahmen, die verhindern, dass der Wagniskapitalmarkt einbricht. Die Firmen sind für ihr Wachstum auf Risikokapitalgeber angewiesen. Für Banken ist das Wagnis meist zu groß. Mit heimischen privaten Risiko-Investoren sah es in Deutschland allerdings schon in guten Zeiten eher schlecht aus. Risikokapitalfonds aus dem Ausland würden sich jetzt mit Investitionen in Europa zurückhalten, schreibt der US-Investor Levin Bunz bei medium.org.
„Wir brauchen eigene Konjunkturprogramme für Startups“, sagt Behlau. Sonst sieht er die Gefahr, dass deutsche Startups von arabischen oder chinesischen Investoren aufgekauft werden. Solche Angebote bekommt auch er derzeit. Viele Gründer hoffen auf den angekündigten Zwei-Milliarden-Euro-Schutzschirm der Bundesregierung. Der ist aus Sicht des Bitkom-Experten Malte Fritsche „ein gutes Instrument, das jetzt aber auch schnell umgesetzt werden muss." Wann es losgehen soll, dazu gab es auf Nachfrage keine konkrete Auskunft aus dem Bundeswirtschaftsministerium.
Flug nach München überflüssig
Robin Behlau hat das Gros der 500 Mitarbeiter in Kurzarbeit und ins Homeoffice geschickt. Er will seine Leute unbedingt halten. „Das größte Kapital sind die Menschen“, sagt er. Die Firma habe eine eigene Kultur entwickelt; die geeigneten Mitarbeiter zu finden sei aufwändig. Der Strausberger geht davon aus, dass die Corona-Krise die Welt lange beschäftigt, dass es immer wieder Infektionswellen gibt und eine Rezession, deren Ausmaß sich nicht abschätzen lässt.
Er kann der Krise auch positive Seiten abgewinnen. Früher ist er mindestens einmal pro Woche nach München geflogen, heute wickelt er die Termine per Videokonferenz ab. Im Homeoffice sei er viel effizienter, auch wenn der Breitbandanschluss miserabel ist und Behlau auf die Funkverbindung ausweichen muss. „So viel habe ich noch nie geschafft.“ Im Unternehmen treibt der Strausberger die Digitalisierung voran. Die IT-Leute sind aus der Kurzarbeit zurückgeholt und entwickeln ein Programm für Videokonferenzen. Das sollen Handwerker bei Vor-Ort-Terminen nutzen können. Aroundhome ist auch mit einer neuen Jobvermittlungsplattform am Start. Die läuft in der Krise – Lieferdienste suchen gerade Fahrer.
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