Während des Sturms Ignatz ist bei Templin (Uckermark) auf der Bahnstrecke nach Eberswalde ein Lokführer von einem herabstürzenden Ast erschlagen worden. Er kam schwer verletzt in ein Krankenhaus, wo er am Freitagmorgen starb, wie die Polizei in Frankfurt/Oder mitteilte.
Der 50-Jährige hatte demnach am Donnerstagmittag seine Regionalbahn 63 (Eberswalde - Templin) gestoppt, um zusammen mit einem Kollegen Äste zu beseitigen, die durch den Sturm von Bäumen auf die Gleise gefallen waren und die ihn an der Weiterfahrt hinderten. Dabei war er selbst von einem Ast getroffen worden.
Sein Kollege habe versucht, ihn zu reanimieren, bis die Rettungskräfte eintrafen, teilte die Polizei in Frankfurt (Oder) mit. Laut Feuerwehr fand das Unglück zwischen den Stationen Milmersdorf und Ahrensdorf statt.
Gegen  13 Uhr waren die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren Templin, Storkow und Röddelin, Notarzt und Rettungsdienst sowie die Polizei alarmiert worden. Im Einsatz war auch der Rettungshubschrauber aus Angermünde.
Zunächst mussten die Einsatzkräfte nach der abgelegenen Unfallstelle suchen. Zudem mussten Feuerwehrleute mit Motorsägen einen Rettungsweg zu dem Regionalbahn-Triebwagen freischneiden und mit Steckleitern auf der steilen Bahndammböschung einen Weg zur Bergung des Schwerverletzten schaffen.

Schäden in Brandenburg und Berlin

Für Brandenburg und Berlin waren am Donnerstag amtliche Warnungen vor schweren Sturmböen herausgegeben worden. Die Warnungen erstreckten sich über den Zeitraum von 8 bis 18 Uhr. Die Einsatzkräfte der Feuerwehren hatte alle Hände voll zu tun.
Allein im Süden Brandenburgs mussten die Feuerwehren zu knapp 630 witterungsbedingten Einsätzen ausrücken. Dabei handelte es sich vor allem um umgestürzte Bäume. Zwei Personen wurden verletzt. In Schlieben (Elbe-Elster) stürzte ein Baum am Donnerstagnachmittag auf ein Auto, wie die Polizei mitteilte. Der 41-jährige Fahrer wurde demnach mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht. Rund fünfzig Kilometer weiter drängte eine Windböe ein Auto auf der Bundesstraße 169 zwischen Plessa und Kaupen an den Straßenrand, über die Leitplanke und gegen einen Baum. Nach den Angaben vom Freitag wurde der 21 Jahre alte Fahrer nur leicht verletzt und ebenfalls im Krankenhaus behandelt. Die Bundesstraße blieb für zwei Stunden vollständig gesperrt.

500 Einsätze in Märkisch-Oderland, Oder-Spree und Frankfurt (Oder)

Die Regionalleitstelle Oderland in Frankfurt (Oder) zählte am Donnerstag rund 500 sturmbedingte Einsätze. „Es findet sich immer noch der eine oder andere umgestürzte Baum, aber im Großen und Ganzen ist es vorbei“, sagte ein Sprecher am Freitag.
Die Regionalleitstelle für die Stadt Brandenburg an der Havel sowie die Landkreise Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming mussten am Donnerstag zu 308 Sturmeinsätzen ausrücken. „Es gab kein spezielles Gebiet, es gab Einsätze überall“, sagte eine Sprecherin. Größtenteils seien es auch hier umgestürzte Bäume oder abgerissene Dachrinnen gewesen.
In einigen Gegenden in Brandenburg fiel der Strom aus. Rund 600 Kunden im Landkreis Spree-Neiße waren auch am Freitagnachmittag noch ohne Strom, wie ein Sprecher des Energieversorgers envia Mitteldeutsche Energie AG in Chemnitz sagte. Er hoffe, dass das Problem bis zum Abend gelöst sei.

Sturm Ignatz entwurzelt Bäume in Berliner und Brandenburger Parks

Der Sturm hat in den Potsdamer Welterbe-Parks Sanssouci und Babelsberg große Schäden angerichtet. Im Park Sanssouci seien neun große Bäume entwurzelt oder umgerissen worden, sagte der Sprecher der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Frank Kallensee, am Freitag. Außerdem seien mehrere dicke Äste abgebrochen. Im Park Babelsberg seien größere Teile von zwölf Baumkronen abgebrochen.
Auch der Berliner Schlossgarten Charlottenburg ist von Sturmschäden betroffen: Dort sind dem Sprecher zufolge zwei Bäume und drei Kronen beschädigt worden. „Jeder Baum ist ein immenser Verlust für die Gartenkunstwerke“, sagte Kallensee. Die Gehölze seien ohnehin schon wegen des Klimawandels und der Dürrejahre geschädigt.
Der Bahnverkehr in Brandenburg ist auch am Freitag teilweise weiter gestört. Zahlreiche Züge der Linien RB46 (Cottbus-Forst) und RB65 (Horka-Weißwasser) fallen aufgrund von Sturmschäden aus. Derzeit hängen zahlreiche Bäume in den Gleisbereich, die erst entfernt müssen, heißt es vonseiten der Odeg. Eine Besserung ist nicht vor dem Nachmittag zu erwarten.