In Deutschland sind die Preise für Benzin und Diesel in den letzten beiden Wochen wieder deutlich unter zwei Euro pro Liter gesunken. Zudem hat die polnische Regierung auf Druck der Europäischen Union (EU) angekündigt, den reduzierten Mehrwertsteuersatz von acht Prozent auf Kraftstoffe wieder auf die regulären 23 Prozent anzuheben. An den polnischen Tankstellen kurz hinter der Grenze sind jedoch immer noch viele Fahrzeuge mit deutschen Kennzeichen zu sehen.
Den Kennzeichen nach zu urteilen, kommen die Autos aus der Grenzregion in Brandenburg und zum Teil sogar aus Berlin. Die Autofahrer kommen, um günstigeren Sprit in Polen zu tanken. Doch lohnt sich das Tanken jenseits der Grenze überhaupt noch?

Benzin ist in Polen 38 Cent billiger

Fahrer eines Benziners können nach wie vor kräftig sparen, wenn sie ihr Auto in Polen tanken. Hier wurden für den Liter Superbenzin am Freitagmorgen (26.11.) nur 6,75 Złoty (1,44 Euro) verlangt – eine Ersparnis von 38 Cent pro Liter gegenüber den Frankfurter Tankstellen, wo der Liter Superbenzin mindestens 1,82 Euro kostete. Selbst das teure Premium-Benzin Super-Plus war in Słubice schon ab 7,69 Złoty (1,64 Euro) pro Liter zu haben. Auch hier spart der Kunde immerhin 27 Cent pro Liter. E10-Benzin wird in Polen hingegen nicht angeboten. Die meisten Autofahrer dürften das verschmerzen können.

Diesel-Fahrer sparen in Polen 21 Cent

Wessen Auto Diesel benötigt, sollte sich gut überlegen, ob die Entfernung bis zur Grenze gering genug ist, damit sich die Anfahrt lohnt. Diesel war am Freitag in Polen ab 7,74 Złoty (1,65 Euro) zu haben – Die Ersparnis pro Liter beträgt nur noch 21 Cent. Am Freitagvormittag kostete nämlich Diesel in Frankfurt (Oder) 1,86 Euro pro Liter. Diesel bleibt damit in Polen deutlich teurer als Benzin, auch wenn sich der derzeit 21 Cent pro Liter betragende Abstand leicht verringert hat.

Weniger Ersparnis als vor zwei Wochen

In den letzten beiden Wochen ist die Differenz zwischen deutschen und polnischen Kraftstoffpreisen merklich gesunken. So konnten Fahrer eines Benziners vor zwei Wochen noch 43 Cent sparen – 9 Cent mehr als diese Woche. Grund dafür sind die gesunkenen Preise in Deutschland, während sich die Spritpreise in Polen nur wenig verändert haben.

Polen muss Mehrwertsteuer auf Treibstoffe wieder anheben

Bald könnten sie um 20 bis 25 Cent pro Liter steigen, denn Polen hat dem Druck der EU nachgegeben und muss wieder den regulären Mehrwertsteuersatz von 23 Prozent auf Treibstoffe erheben – er war im Rahmen des polnischen „Inflationsschutzschildes“ auf acht Prozent gesenkt worden. Wer seinen Tankausflug ins Nachbarland maximal ausnutzen möchte, sollte also nicht zu lange warten, und einen Kanister mit über die Grenze nehmen. Neben dem Tankinhalt ist die Einfuhr von weiteren 20 Litern Kraftstoff aus Polen nach Deutschland erlaubt.
Laut ADAC sind die Preise für Benzin und Diesel in Deutschland diese Woche jeweils über sechs Cent gesunken. Einer am Mittwoch veröffentlichten Auswertung zufolge sanken die Preise für Diesel im bundesweiten Durchschnitt um 6,5 Cent auf 1,899 Euro pro Liter. Beim E10-Benzin sanken die Preise um 6,4 Cent auf 1,785 Euro. Treibstoffe sind somit laut des Automobilclubs so günstig wie seit Ausbruch des Ukrainekrieges nicht mehr. Dies liege hauptsächlich an den gesunkenen Rohölpreisen. Trotzdem bleibe 2022 das „teuerste Tankjahr aller Zeiten“, so der ADAC.
Der ADAC empfiehlt, die Preise an verschiedenen Tankstellen zu vergleichen. Wer kann, solle außerdem am besten zwischen 18 und 19 Uhr oder zwischen 20 und 22 Uhr tanken. Der aktuellen Untersuchung zufolge können Verbraucher so rund zwölf Cent gegenüber den Morgenstunden sparen. Es wird zudem empfohlen, neuere Benziner (ab Baujahr 2010) an deutschen Tankstellen mit dem günstigeren E10-Benzin zu betanken.