Tierquälerei in der Uckermark
: Kühe im Milchviehbetrieb misshandelt? Die Vorwürfe

Tierrechtler haben einen Milchvieh-Betrieb in der Uckermark angezeigt. Dort sollen Kühe geschlagen und getreten worden sein. Die Misshandlungen dort seien gravierend, heißt es.
Von
Josephine Theodor
Schwedt
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Die verletzte Kuh in einem Milchviehbetrieb in Brüssow ist kein Einzelfall: in dem Betrieb misshandelten Mitarbeiter die Tiere über Monate hinweg tagtäglich. Ein Tierschutzverein deckte die Missstände am 2. April mit tausenden Stunden Videomaterial auf.

Verletzte Kuh in einem Milchviehbetrieb in der Uckermark (Brandenburg): In dem Betrieb sollen Mitarbeiter Tiere offenbar über Monate hinweg tagtäglich misshandelt haben. Der Tierschutzverein Aninova deckte die Missstände auf.

ANINOVA (vertreten durch Jan Peifer)
  • Tierrechtler decken Missstände in Brandenburger Milchvieh-Betrieb auf; Kühe geschlagen und getreten.
  • Videoaufnahmen zeigen monatelange Übergriffe; rund 1.000 Tiere betroffen.
  • Aninova erstattet Strafanzeige und informiert Veterinäramt und Landwirtschaftsministerium.
  • Verkauf der Milch bei LIDL, REWE und Kaufland; Vorwurf der falschen Werbung.
  • Viele Tiere haben schwere Verletzungen und Krankheiten.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es sind Zustände, die schwer mitanzusehen sind: Kühe, die am Boden liegen, kaum aufstehen können, und dann von Mitarbeitern getreten und geschlagen werden. Das ist nur einer der Vorwürfe, die knapp 1.000 Milchkühe in einem Betrieb in der Uckermark betreffen. Der Tierschutzverein Aninova veröffentlichte Video- und Bildmaterial am Morgen des 2. April 2025.

Seit Mitte Dezember 2024 bis Mitte Februar 2025 filmten laut dem Tierschutzverein Aninova sieben versteckte Kameras das Leiden der Tiere. In einem zweiminütigen Video auf der Internetseite des Vereins sind misshandelte Milchkühe zu sehen, wie sie am Boden liegen und tierärztliche Hilfe benötigen – diese jedoch nicht erhalten, sondern durch die Mitarbeiter mit Stöcken geschlagen, getreten und mit spitzen Gegenständen zum Aufstehen gezwungen werden.

Auch die Kälbchen sind nicht sicher: Die Jungtiere werden nicht nur geschlagen und getreten, sondern stehen auch in sogenannten Kälberiglus. Ohne Sichtkontakt zu Artgenossen und isoliert ist das verboten. Krankheiten und Verletzungen der Kühe sind laut dem Tierschutzverein Aninova in dem Betrieb keine Seltenheit. Geschwüre und offene Wunden setzen den Kühen zu, bis diese gar nicht mehr stehen können. Der rbb teilt mit, dass es sich bei dem Hof um den Betrieb Wollschow-Menkiner Agrar GmbH in Brüssow handeln soll.

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Milchkühe in der Uckermark – monatelang misshandelt

Besonders heikel: eigentlich sollen die Tiere in der Haltungsform 3 leben. Haltungsform 3 bedeutet, dass die Kühe Kontakt mit dem Außenklima haben, beispielsweise durch eine nach außen offene Stallseite oder einen ganzjährig nutzbaren Laufhof im Freien. Wenn beides nicht gegeben ist, muss den Tieren mindestens an 120 Tagen pro Jahr Weidegang gewährt werden.

Auch muss genügend Platz für die Tiere innerhalb des Stalls zur Verfügung stehen: bei einem Laufstall ohne Liegeboxen wenigstens 5 Quadratmeter pro Tier, mit Liegeboxen muss es wenigstens eine Box pro Tier geben. Die Milch der Kühe wird laut Aninova an die Molkerei Fude + Serrahn in Gransee geliefert, welche wiederum die Produkte für die Eigenmarken von Lidl, Kaufland und Rewe stellt.

Tierschutzverein stellte Strafanzeige

„In dem Betrieb werden Tiere gequält, daher haben wir Strafanzeige erstattet“, sagt Jan Peifer, Vorstandsvorsitzender von Aninova. Zusätzlich wurde das Veterinäramt in Prenzlau und das Landwirtschaftsministerium in Potsdam informiert. Auf Nachfrage dieses Nachrichtenportals sagte Ramona Fischer, Pressesprecherin des Landkreises Uckermark: „Das Veterinäramt ist an dem Fall dran.“ Zu einem laufenden Verfahren könne man sich jedoch nicht weiter äußern.

Das Veterinäramt hatte sich gegenüber dem rbb schockiert über die Aufnahmen gezeigt. Szenen daraus seien „tierschutzwidrig“ und gingen in „Richtung Tierquälerei“ wird die Behörde zitiert. Diese wolle selbst Strafanzeige stellen.

Peifer arbeitet bereits seit über 20 Jahren im Tierschutz, ist deshalb einiges gewöhnt. „Was mich bei diesem Fall schockiert hat, war die willkürliche und beinahe schon alltägliche Brutalität“, sagt er auf Nachfrage. Das deute für ihn auf ein strukturelles Problem hin, da in dem Videomaterial nicht nur ein Mitarbeiter die Kühe misshandelt, sondern mehrere Mitarbeiter beteiligt seien.

Hinweise aus der Bevölkerung führten zu den Aufnahmen

Aninova habe aufgrund von Hinweisen aus der Bevölkerung heraus gehandelt. „Die Frage ist natürlich hinterher immer, warum so etwas nicht bei Kontrollen auffällt“, so Peifer, „aber niemand wird direkt neben einem Kontrolleur eine Kuh misshandeln.“ Deshalb seien Aufnahmen über versteckte Kameras wichtig und anderwärtig nicht zu bekommen.

Was passiert jetzt weiter? „Wir warten jetzt auf die Reaktion von der Staatsanwaltschaft und von den Supermärkten“, erklärt Peifer. Aninova habe nicht nur Strafanzeige wegen Tiermisshandlung gestellt, sondern sich auch mit der Molkerei Fude + Serrahn in Verbindung gesetzt. „Sie haben auch schon die Milch aus diesem Betrieb gesperrt und werden diese ab sofort nicht mehr nutzen“, sagt Peifer.

Ein Kommentar zu den Missständen in dem Betrieb gab es nicht vom Eigentümer des Milchkuhbetriebs, trotz Nachfrage dieses Nachrichtenportals. Das Video des Tierschutzvereins Aninova „Die Milch-Lüge: Tierquälerei in jedem Tropfen“ ist hier ansehen.

Am Abend veröffentlichte die Molkerei Fude + Serrahn eine Pressemitteilung zu dem Fall und bestätigte, dass die Lieferungen des Milchkuhlieferanten, gegen den die schweren Vorwürfe erhoben wurden, vorsorglich gesperrt sein. Außerdem habe das Unternehmen sich umgehend mit dem zuständigen Veterinäramt in Prenzlau, sowie mit der Zertifizierungsstelle für die Haltungsform 3 in Verbindung gesetzt. Zudem kündigt die Molkerie Fude + Serrahn an, „umgehend eigene und externe Prüfungen auf dem Hof vornehmen“ zu wollen. Das Tierwohl stünde für das Unternehmen an oberster Stelle.