Tipps für Berlin: Game-Abend oder 3D-Erlebnis? Was das Planetarium noch verspricht
Der Himmel über Berlin ist schon lange dunkel, als sich die Besucher auf den gepolsterten Sesseln im Zeiss-Großplanetarium zurücklehnen. Für die Gäste der Premiere „Legenden des Nachthimmels“ lassen Planetariums-Chef Tim Florian Horn und sein Team die Sonne noch einmal im Zeitraffer über der Berliner Skyline untergehen. Das Sternenmeer, das über den Köpfen an der 23-Meter-Kuppel-Wand erscheint, ist zwar authentisch, aber durch den Lichtsmog der Großstadt draußen viel schwächer und manchmal fast gar nicht zu sehen.
Im Planetarium an der Greifswalder Straße mit seinem 360-Grad-Fulldome-Bild und dem 3D-Sound kann nicht nur jeder real existierende Stern gezeigt, sondern können auch die Sternbilder erklärt werden. „Die Lichtpunkte waren für die Menschen einst nicht nur Kalender und Kompass, sondern auch Inspiration für Gute-Nacht-Geschichten“, erklärt Horn.
3D-Reise zu griechischen Göttern
Diese teils tausende von Jahre alten Geschichten über ägyptische, griechische und römische Götter und Göttinnen, Könige und Königinnen werden im Planetarium auch optisch nacherzählt. Ohne Brille geht der Zuschauer auf die faszinierende 3D-Reise zu Prinzessin Andromeda, Orpheus‘ Suche und Eurydike. Ein animiertes See-Ungeheuer taucht aus den Fluten des Meeres auf und ein Minotaurus – ein Wesen mit menschlichem Körper und Stierkopf aus der griechischen Mythologie – bewacht sein unterirdisches Verlies.
Der neue Streifen ist aber nur ein Programm-Punkt von mehr als 5000 Veranstaltungen im Zeiss-Großplanetarium an der Prenzlauer Allee, das sich 100 Jahre nach der ersten Planetariums-Gründung in München mittlerweile als Europas modernstes Wissenschaftstheater versteht.
Sound aus 50 Lautsprechern
Da gibt es unter anderem Hörspiele zur beliebten Serie „Die Drei ???“, bei denen schlichtere atmosphärische Visualisierungen an die Kuppel geworden werden, auch, um von der eigentlichen Geschichte nicht abzulenken, sondern sie zu unterstützen. Weil der Sound aus den 50 Lautsprechern ebenfalls die 360-Grad-Kuppel ausfüllt, können sich die Besucher dabei so richtig in die Geschichte hineinfallen lassen.
Ansonsten gibt es viele rund einstündige wissenschaftliche 3D-Filme über die Geburt der Erde, Schwarze Löcher oder den Stern von Bethlehem, die sich gut für Familien mit Kindern ab zehn Jahren eignen. Ganze Schulklassen gehen zum Beispiel auf die unendliche Reise mit der Raumsonde Voyager, während sich der Mondflug der wissbegierigen Maus Armstrong schon für Kids ab fünf Jahren eignet. Für Jugendliche und Erwachsene gibt es dagegen auch Vorträge, Lesungen und Musik-Abende wie „The Dark Side of the Moon“ mit Liedern der Rockband Pink Floyd.
Schon fast was für Fortgeschrittene sind Formate wie „Mission Wissen“ oder „Astronomie Aktuell“, die auch gerne mal der Planetariums-Chef persönlich moderiert und bei denen auf die aktuellen Raumfahrt-Missionen und ihre neuesten Forschungsergebnisse eingegangen wird. Dazu werden zum Beispiel Aufnahmen aus dem Hubble- oder dem Euclid-Teleskop gezeigt.
Im Kinosaal laufen zudem verschiedene Dokumentar-Filme, teilweise im Original, mit Untertiteln. Die Ticketpreise liegen für die meisten Veranstaltungen, egal welcher Rubrik, zwischen 6 und 10 Euro.
Interaktiver Spieleabend im Planetarium
Relativ neu ist ein interaktiver Spieleabend für Besucher ab zehn Jahren. „The Game is on“ wird moderiert von YouTube-Star Maurice „Mori“ Lange, der sich schon als E-Sportler einen Namen gemacht hat. „Die Besucher*innen des Kinetariums erwartet ein dynamisches Spieleerlebnis mit dem gesamten Publikum. Alle Teilnehmenden können sich mit ihrem Handy über einen QR Code in das Spiel einwählen und direkt mitspielen“, heißt es in der Ankündigung.
Wer es doch lieber analog mag, dem sei, gerade im Winter, wenn es früher dunkel wird, der Besuch einer der beiden Sternwarten empfohlen. Dort öffnet sich die Kuppel und gibt den Blick auf den realen Sternenhimmel frei, an dem man mit ein bisschen Glück in der nächsten Zeit auch wieder Sternschnuppen sehen kann. Mit dem Cassegrain-Spiegelteleskop können Besucher auf der Archenhold-Sternwarte im Treptower Park jedenfalls tief in den Kosmos mit seinen Planeten, Sternen, Nebeln und Galaxien blicken.
Sternwarte im Winter geöffnet
Auch die Wilhelm-Foerster-Sternwarte auf dem Insulaner im Südwesten der Stadt bietet freitags und samstags um 20 Uhr „Beobachtungsnächte“ an, obwohl das Planetarium nebenan derzeit geschlossen ist. Der 1965 eröffnete Bau in Berlin-Schöneberg wird seit dem Sommer 2023 umfangreich saniert und modernisiert und zu einem zukunftsweisenden Bildungszentrum umgebaut.
Neben einem neuen Sternprojektor wird der Planetariumsaal unter anderem mit moderner Fulldome-Technik, LED Projektoren und einer neuen Projektionskuppel ausgestattet. Dazu soll viel Raum für innovative Bildungsformate, wie Kosmos-Labore für Schüler, entstehen.
Die Stiftung Planetarium Berlin, die alle vier Einrichtungen unter ihrem Dach betreibt, bietet seit November 2023 auch kostenlose Podcasts an. „Kuschel dich ein in einer Wolke aus Sternenstaub und komme in den gigantischen Weiten des Universums zur Ruhe“, heißt es im Eingangstext zur ersten Folge von „Einschlafen mit Weltall“. In der erklärt Kometenjägerin Caroline Herschel, wie antike Astronomen die Entfernungen im All ermittelten, warum das zu einem völlig neuen Weltbild führte und wie wir diese Erkenntnisse noch heute in moderner Form nutzen.

Bild aus „Legenden des Nachthimmels" der ukrainischen Filmemacherin Iryna Filipova.
Fulldome Studio DNUm die Antike geht es auch in „Legenden des Nachthimmels“. Das 32-minütige Animationsprogramm mit modernen 4k-Visualisierungen der ukrainischen Filmemacherin Iryna Filipova wird durch einen 25-minütigen Live-Teil der Stiftung Planetarium Berlin ergänzt. Das Publikum erfährt unter anderem, dass die wohl berühmteste Sternenansammlung, der Große Wagen, nur ein kleiner Teil des Sternbilds der „Großen Bärin“ ist. Der Wagenkasten deutet ihren Körper an, die Deichsel ihren Schwanz.
In der griechischen Mythologie ist der Bär die schöne Nymphe Kallisto, die von Zeus Frau aus Eifersucht in eine Bärin verwandelt wurde. Als sie fast auf der Jagd getötet wurde, warf sie Zeus samt ihrem Sohn (Kleiner Bär) im letzten Moment an den Himmel. Dort überdauern nun beide die Zeiten und leuchten immer auf, sobald es richtig dunkel ist.







