Wald und Boden in Brandenburg: Diese Auswirkungen hat der Regen auf Dürre und Waldsterben

Brandenburg und sein Wald und Boden: Auch wenn es vielerorts auf den ersten Blick gar nicht so aussieht und der Sommer viel Regen brachte, geht es ihm nicht besonders gut. Aber wie sieht die Situation genau aus? (Symbolbild)
Frank Molter/dpaEnde August meldete der Deutsche Wetterdienst (DWD) auch für Brandenburg eine „regelrechten Niederschlagsshow“. Ganze 200 Liter Regen fielen pro Quadratmeter in den Monaten Juni und Juli. Aufatmen für den trockenen Boden und den gebeutelten Wald in der Region? Leider nur auf den ersten Blick.
Denn einerseits blieb Brandenburg mit diesem Wert das trockenste aller Bundesländer, wie der DWD betonte. Andererseits zeigen aktuelle Messungen des Helmholtz Zentrums für Umweltforschung, dass der Regen im wahrsten Sinne des Wortes nur ein Tropfen auf den heißen Stein war.
Zwar hat sich die Lage an der Oberfläche deutlich entspannt. Die entsprechende Karte des Helmholtz-Zentrums zeigt hier lediglich noch gelbe und beige Färbungen in Brandenburg und Nordsachsen – diese stehen für „ungewöhnliche Trockenheit“ und „moderate Dürre“. In 1,80 Meter Tiefe sieht es hingegen ganz anders aus. Orange bis tiefrote Färbungen markieren „schwere Dürre“, „extreme Dürre“ und „außergewöhnliche Dürre“ – kurz gesagt: Der Regen ist in Brandenburg und im gesamten Osten Deutschlands sehr viel weniger in den Boden eingedrungen als im Vergleich zum Rest des Landes.

Der Dürremonitor für Deutschland zeigt links die Dürre im Oberboden bis 25 Zentimeter. Rechts wird deutlich: Die Dürre im Gesamtboden bis etwa 1,80 Meter ist im Osten Deutschlands erheblich. | Legende: weiß = keine Auffälligkeiten, gelb = ungewöhnlich trocken, beige = moderate Dürre, orange = schwere Dürre, rot = extreme Dürre, bordeaux = außergewöhnliche Dürre
UFZ-Dürremonitor/ Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung | gemessen vom 25. August bis 25. September 2023Hinzu kommt: Die Zerstörung der brandenburgischen Wälder durch Feuer hat in den vergangenen Jahren nie dagewesene Rekorde erreicht. Während es in diesem Jahr zumindest oberflächlich Entspannung gab, wurden weite Teile des Landes 2022 von einer Dürre getroffen, die dem Baumbestand stark zusetzte, wie Thomas Frey, Sprecher des Umweltministeriums, erklärt. Diese habe erneut flächendeckend zu Waldbränden geführt, insbesondere in den von Kiefern dominierten Wäldern.
Aber auch die Buchenwälder im Norden des Landes, welche von Bränden verschont blieben, weisen deutliche Schäden auf. Im aktuellen Umweltreport des Ministeriums zeigt sich, nur 15 Prozent des Waldes in Brandenburg sind komplett gesund.
Immenser Wald-Rückgang durch Bebauung und Tagebau
Eine weitere bedrohliche Zahl: Allein zwischen 2015 und 2016 sind in Brandenburg etwa 4600 Hektar Wald verloren gegangen. Darauf weist Björn Ellner, Landesvorsitzender des Naturschutzbundes Brandenburg (NABU). Zum Vergleich: Das ist eine größere Fläche als Guben.
Dabei wird verbrannter Wald rechtlich immer noch als Wald gewertet und fließt somit gar nicht in diese Zahl mit ein. Der Großteil des Waldes müsse Ellner zufolge Bauvorhaben, dem Tagebau und gewerblichen Aktivitäten weichen.
Bis sich verlorener Wald regeneriert, kann es dauern. Dass Menschen die Bäume selbst nachpflanzen, hilft nur bedingt. Ellner erklärt, die von Menschen gepflanzten Bäume stammten meist aus Baumschulen. „Das hat zur Folge, dass die Jungbäume sehr gute Standortsbedingungen gewohnt sind.“
Im trockenen und nährstoffarmen Boden der brandenburgischen Wildnis hätten diese Jungbäume dann aber Probleme, die natürliche Bäume nicht haben.
Der Boden sei ebenfalls nicht mehr derselbe wie vor 100 Jahren. Durch Abgase aus Verkehr und Industrie werde der Boden immer saurer. Verlorener Wald tut sich schwer, auf diesem Grund wieder zurückzukehren.
Tagebau und Lieberoser Wüste als Sonderfälle
In Brandenburg finden sich auch zwei Sonderfälle der Waldzerstörung. Im Tagebau in der Lausitz liegen „völlig veränderte Ökosysteme“ vor. In den Gebieten, die renaturiert werden, fängt die Natur nochmal ganz von vorne an. Tatsächlich schafft sie es jedoch in der Regel irgendeine Form der Vegetation hervorzubringen.

Ein Teil des Tagebaus Jänschwalde in der Lausitz renaturiert sich bereits.
Kevin SantyNicht so klar ist das im Extremfall der Lieberoser Wüste. Die Fläche wird sich selbst überlassen. Sollten die Dürrejahre anhalten, ist damit zu rechnen, dass wenig nachwächst. Die Freifläche würde entsprechend eine Wüste bleiben.
Trockenheit kann nicht durch Regen aufgefangen werden
Zwar ist nicht jedes Jahr ein Dürrejahr, wie sich 2023 bereits gezeigt hat, doch das Brandenburger Umweltministerium stellt klar: „Auch wenn die durchschnittlichen Regenmengen Brandenburgs erreicht werden. Die Trockenheit wird dennoch gravierender.“
Steigende Temperaturen, so Ministeriumssprecher Thomas Frey, zählten zu den größten Bedrohungen der Vegetation. Wie in der folgenden Grafik erkennbar wird, erwärmt sich Brandenburg kontinuierlich. Dies verändere die Lebensbedingungen für die Flora des Landes.
So sei Brandenburg innerhalb von Deutschland eines der vom Klimawandel am stärksten betroffenen Bundesländer, bilanzierte das Umweltministerium bereits im Juni 2023. Um dem entgegenzutreten, beschloss das Land eine Klimaanpassungsstrategie.
„Über alle Handlungsfelder hinweg umfasst die Klimaanpassungsstrategie rund 200 konkrete Maßnahmen“, so Frey. Unter anderem sollen versiegelte Flächen wieder bepflanzt, der Wald feuerfest gemacht und die Feuerwehren mit Personal aufgestockt werden.
Der NABU begrüße es, dass die Ministerien des Landes sich mit der Klimakrise beschäftigen, so Ellner. Allerdings seien kaum konkrete Maßnahmen verfasst worden, alles sei allgemein gehalten. Hauptsächlich sei der Bedarf an weiteren Daten festgehalten. Es ist „niemandem damit geholfen“ bestehende Strategien ohne neue Ansätze zu überarbeiten. „Es ist aber ein erster Schritt“, so Ellner.


