• Der Sturm über Berlin und Brandenburg hat einem Menschen in Beelitz das Leben gekostet.
  • Das Sturmtief brachte am Samstag und in der Nacht zum Sonntag (30. Januar) zum Teil orkanartige Böen und eine Sturmflut nach Norddeutschland und Nordeuropa.
  • Die Deutsche Bahn stellte den Zugverkehr zeitweise ein.
  • Fährverbindungen fielen aus.
  • In Schottland starben mindestens zwei Menschen.
  • Auch in den beiden Nachbarländern Polen und Tschechien sind je eine Person ums Leben gekommen
  • Für ein wenig Verwirrung sorgt der Name des Sturmtiefs. Heißt es nun Malik oder Nadia?
  • Alle Infos auch zu den Auswirkungen des Sturms in Berlin und Brandenburg gibt es hier.
Der Sturm hat in Brandenburg ein Todesopfer gefordert. In Beelitz (Potsdam-Mittelmark) wurde am Sonnabendabend gegen 22.15 Uhr ein Mann getötet – der 58-Jährige wurde von einem Wahlplakat erschlagen, wie ein Sprecher der Polizeiinspektion Brandenburg am Sonntagmorgen bestätigte. „Der Mann war mit Freundin und einem Bekannten unterwegs und lief ein kleines Stück voraus, als eine Windböe das Wahlplakat aus der Verankerung riss“, so ein Polizeisprecher. Der Aufsteller traf den Mann am Kopf, der 58-Jährige sei wenig später gestorben. Das Unglück ereignete sich in der Clara-Zetkin-Straße von Beelitz.
Das Plakat war anlässlich der Landratswahl am kommenden Sonntag in Potsdam-Mittelmark aufgestellt worden. Der Kandidat der Piraten, Meiko Rachimow, erklärte seinen Wahlkampf nach dem tödlichen Unfall für beendet. Seine Wahlbanner der Großplakate würden noch am Sonntag abgehängt, erklärte Rachimow.

Sturmschäden in Berlin und Brandenburg: S-Bahn-Verkehr eingeschränkt

Eine komplette Schadensbilanz des Sturmtiefs über Berlin und Brandenburg liegt noch nicht vor. „Bäume wurden ausgerissen, Fahrzeuge wurden beschädigt“, so ein Polizeisprecher am Morgen.
Wie die Berliner S-Bahn via Twitter mitteilte, kommt es beim Verkehr teilweise zu Unterbrechungen. Fahrgäste sollen sich vor Fahrtbeginn über mögliche Störungen informieren.
In Oranienburg stoppte das Unwetter die S-Bahn-Linie S25, da ein Baum aufs Gleis stürzte.
So musste die Feuerwehr beispielsweise nach Rüdersdorf (Märkisch-Oderland) ausrücken. Dort war ein Baum auf die Oberleitung der Straßenbahn gefallen. Es gab weitere Einsätze im Landkreis MOL.
In Eisenhüttenstadt vermochte das Sturmtief, was selbst ein 200 Kilo schwerer Eber nicht schafft, und fegte den Schutzzaun gegen die Afrikanische Schweinepest um. In Lobetal in Barnim krachte in Baum auf ein Wohnhaus.
Die Feuerwehr-Leitstelle in Brandenburg/Havel berichtet am Vormittag über mehr als 100 Einsätze in der Nacht wegen umgestürzter Bäume, abgedeckter Dächer und umgekippter Wahlplakate. Auch die Feuerwehrleitstelle Lausitz in Cottbus meldete rund 150 Einsätze, vor allem wegen umgestürzter Bäume. In Drahnsdorf (Dahme-Spreewald) habe der Sturm einen Flügel eines Windrads angerissen, sagte der Sprecher der Leitstelle. Verletzt wurde niemand.
In Fürstenwalde merkte eine Frau gerade noch rechtzeitig, dass ein Baum bald auf ihr Haus kippen würde. Am schwersten war jedoch das Amt Scharmützelsee betroffen.
Die Leitstelle Nordost konnte zunächst keine Auskunft zu Zahlen geben, weil noch zu viele Einsätze liefen, so eine Sprecherin. Für die Landkreise Barnim, Uckermark und Oberhavel vermeldet die Regionalleitstelle aktuell 318 Einsätze. Ebenso war die Lage im Osten des Landes bei der Regionalleitstelle Oderland. „Hier brennt die Luft“, sagte der Einsatzleiter.
Auch in Ostprignitz-Ruppin hatten Feuerwehr und Polizei viel zu tun. Ein Einsatz war dabei sogar der Feuerwehr zu gefährlich.
In der Uckermark wurden 158 Einsätze gezählt - es ging vor allem um Windbruch (mit Video).

Sturm in Polen und Tschechien: Zwei Todesopfer

Das Sturmtief „Nadia“ hat in Polen und Tschechien je ein Todesopfer gefordert und schwere Schäden angerichtet. Ein 27-Jähriger starb am Sonntag in der nordpolnischen Woiwodschaft Pommern, als ein Baum auf sein Auto stürzte. Bei dem Unfall wurde ein weiterer Mensch verletzt.
In ganz Polen rückte die Feuerwehr zu Tausenden Einsätzen aus, um umgefallene Bäume von den Straßen zu räumen und Dächer zu sichern. Nach Behördenangaben waren rund 680 000 Haushalte wegen beschädigter Leitungen ohne Strom.
In Tschechien stürzte nahe Prag eine fünf Meter hohe Mauer in einem Industriegebiet durch den Wind ein und verschüttete zwei Arbeiter. Einer von ihnen starb vor Ort, der andere wurde mit Knochenbrüchen in ein Krankenhaus gebracht. Die Polizei hat Ermittlungen zu dem Unfall in der Gemeinde Velke Pritocno westlich der Hauptstadt aufgenommen.
Auch in Tschechien sorgten umgestürzte Bäume für viele Einsätze der Feuerwehr. Mehr als 30 000 Haushalte waren von Stromausfällen betroffen. Im Bahnverkehr kam es zu Verspätungen und Zugausfällen. In den Mittelgebirgen erreichten die Windböen Orkanstärke. Die Bergwacht riet von Skitouren ab.
Der starke Wind erschwerte auch die Löscharbeiten beim Brand einer Lagerhalle in Mlada Boleslav, knapp 50 Kilometer nordöstlich von Prag. Mehr als hundert Feuerwehrleute kämpften dort stundenlang gegen die Flammen. Der Sachschaden wurde auf umgerechnet mehr als 40 Millionen geschätzt.

Sturmtief über Norddeutschland: Hunderte Einsätze

Feuerwehren und die Polizei mussten in Norddeutschland Hunderte Male ausrücken. Eine Verschnaufpause gibt es nicht: Dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zufolge soll der Sturm noch bis Sonntagvormittag andauern. Und das Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) warnt bereits vor der nächsten Sturmflut.
Allein in Hamburg habe es bislang rund 300 Unwetter-Einsätze gegeben, sagte ein Polizeisprecher am frühen Sonntagmorgen. Zuvor hatte eine schwere Sturmflut den Fischmarkt im Stadtteil St. Pauli unter Wasser gesetzt. Der Scheitel wurde nach BSH-Angaben gegen 0.17 Uhr erreicht. Der Wasserstand lag 2,84 Metern über dem mittleren Hochwasser, wie eine Sprecherin mitteilte. Das BSH hatte in Hamburg mit Wasserständen von bis zu 3 Metern über dem mittleren Hochwasser gerechnet.
Wie ein dpa-Fotograf berichtete, zog es Hunderte Schaulustige zum Fischmarkt. Durch die Überflutungen wurden demnach mehrere Autos beschädigt.

Sturmtief Nadia oder Malik?

Aber wie heißt das Sturmtief nun: Malik oder Nadia? Oder sind es vielleicht sogar zwei verschiedene Tiefs? Die Antwort ist ganz einfach: Es gibt zwei Namen für ein- und dasselbe Tief - nachzulesen auf der Homepage des Deutschen Wetterdienstes. Malik ist die internationale Bezeichnung des Sturmtiefs, Nadia heißt es in Deutschland.

Sturmflut auch an andern Küsten-Abschnitten

In der Nacht zum Sonntag gab es nach Angaben des BSH auch an anderen Küstenabschnitten eine Sturmflut. „Zwar nicht überall eine schwere Sturmflut wie in Hamburg“, sagte die Sprecherin. Es sei aber die gesamte deutsche Nordseeküste betroffen gewesen. In Bremerhaven habe der Scheitelwert beispielsweise bei 2,14 Metern über dem mittleren Hochwasser gelegen.
An der Nordseeküste spricht man von einer Sturmflut, wenn das Hochwasser mindestens 1,5 Meter höher als normal aufläuft. Von einer schweren oder sehr schweren Sturmflut wird erst ab Werten von 2,5 beziehungsweise 3,5 Meter gesprochen.

Schiff im Hamburger Hafen unter Brücke verklemmt

In Hamburg und auf der Nordsee kam es außerdem zu zwei Vorfällen mit Schiffen: Im Hamburger Hafen fuhr sich ein Binnenschiff unter einer Brücke fest. Das Schiff sei beim Durchfahren mit dem Steuerhaus an der Freihafenelbbrücke hängengeblieben und habe sich verklemmt, sagte ein Polizeisprecher. Verletzte gab es ersten Erkenntnissen zufolge nicht. An Bord des Schiffes befanden sich demnach zwei Menschen. Die Unfallursache war zunächst unklar. Es sei möglich, dass sich der Kapitän wegen des steigenden Wasserstandes der Elbe verschätzt habe.

Frachter trieb mehrere Stunden in der Nordsee

Der zweite Vorfall ereignete sich 16 Seemeilen (ca. 30 Kilometer) vor der ostfriesischen Küste. Dort trieb ein unbeladener Frachter mehrere Stunden im Meer. Die 190 Meter lange „Vienna“ hatte wegen des Sturms erkennbar Probleme zu manövrieren, wie ein Sprecher des Havariekommandos in Cuxhaven am Sonntagmorgen mitteilte. Die Maschine sei zu schwach gewesen, um das Schiff gegen Wind und Wellen zu halten. Daher wurden unter anderem Notschlepper zu dem Havaristen entsandt. Der Frachter sei nach etwa sechs Stunden gesichert worden.
„Hätten wir nicht eingegriffen, wäre das Schiff zu einem Risiko für die Küste geworden, sagte der Sprecher. Die 24 Crewmitglieder blieben nach ersten Erkenntnissen unverletzt. Der Frachter, der unter der Flagge der Marshallinseln fährt, wurde nicht beschädigt. Um die Schleppverbindung herzustellen, wurden demnach mehrere speziell ausgebildete Seeleute von einem Bundespolizei-Hubschrauber auf den Frachter abgeseilt. Das Sturmtief über der Nordsee habe den Einsatz aber erheblich erschwert. Bei Windstärke 10 seien die Wellen auf der Nordsee sechs bis sieben Meter hoch gewesen.
Zu weiteren Einsätzen kam es etwa auch in Schleswig-Holstein. Allein im Norden des Landes mussten die Feuerwehren etwa 120 Mal ausrücken. Das sagte ein Sprecher der Regionalleitstelle, die unter anderem für Flensburg, Schleswig und Husum zuständig ist.
Die Feuerwehr in Bremen war nach Angaben eines Sprechers in der Nacht mehr als 40 Mal im Einsatz. Im Kreis Aurich in Ostfriesland wurde die Feuerwehr rund 25 Mal zu Hilfe gerufen.

Mecklenburg-Vorpommern: 200 Einsätze allein in Schwerin

Der Sturm bescherte auch Feuerwehr und Polizei in Mecklenburg- Vorpommern viele Einsätze. In Schwerin und Umgebung sei man knapp 200 Mal ausgerückt, sagte ein Feuerwehrsprecher. Auch in Stralsund berichtete das Lagezentrum, dass man alle Hände voll zu tun habe.

Deutsche Bahn: Massive Probleme im Bahnverkehr

Wegen Sturmschäden kam es in Norddeutschland außerdem zu massiven Problemen im Bahnverkehr. Am frühen Samstagabend stellte die Deutsche Bahn den Fernverkehr in Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen für etwa 50 Minuten ein. Betroffen waren insbesondere die ICE-Strecken zwischen Hamburg und Bremen sowie zwischen Hamburg und Berlin. Dort komme es auch weiterhin zu großen Beeinträchtigungen, wie ein Sprecher sagte.
Im Regionalverkehr gibt es laut Bahn ebenfalls Zugausfälle und Verspätungen. Reisende und Pendler sollten sich vor Fahrtantritt über die Webseite, die App oder telefonisch informieren, ob ihr Zug wie geplant fährt. Wann die Züge wieder wie geplant fahren, hänge vom weiteren Verlauf des Sturms ab, sagte der Bahnsprecher.
Wegen der Unwetterwarnungen wurden auch zahlreiche Fährverbindungen am Wochenende gestrichen. An der Nordsee fielen alle Verbindungen der Hallig-Linie am Wochenende aus, wie die Wyker Dampfschiffs-Reederei (W.D.R.) mitteilte. Auch Verbindungen ab Föhr, Amrum und Dagebüll waren betroffen. In Mecklenburg-Vorpommern wurde der Fährverkehr auf der Ostsee zwischen Rostock und Gedser auf der dänischen Insel Falster eingeschränkt. Nach Angaben der Reederei Scandlines fielen mehrere Verbindungen von Samstagnachmittag bis Sonntagmorgen aus. Der reguläre Fahrplan solle am Sonntag wieder aufgenommen werden.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte am Samstag vor Sturm bis hin zu Orkanböen gewarnt. Am Kieler Leuchtturm seien Windgeschwindigkeiten von bis zu 122,8, in Greifswald von bis zu 118,1 Stundenkilometern gemessen worden, sagte eine DWD-Sprecherin in der Nacht zum Sonntag. Die Warnlage im Norden soll noch bis Sonntagvormittag andauern. Es seien auch weiterhin einzelne Orkanböen möglich.

Nächste Sturmflut am Sonntag erwartet

Nach BSH-Angaben droht den norddeutschen Ländern zudem bereits die nächste Sturmflut: Am Sonntag werden das Vormittag- beziehungsweise Nachmittag-Hochwasser an der deutschen Nordseeküste 1,5 bis 2 Meter und im Weser- und Elbgebiet 2 bis 2,5 Meter höher als das mittlere Hochwasser eintreten. Für die Ostseeküste sei bis Sonntagmorgen noch die Niedrigwasserwarnung in Kraft. Die Experten erwarten aber, dass die Wasserstände im Verlauf des Tages bis zu 130 Zentimeter über den mittleren Wasserstand steigen.

Ostprignitz-Ruppin