Wölfe
: Mehr Abschüsse möglich

Der Bundesrat will künftig die Jagd auch schon bei der Gefahr von ernsten Schäden erlauben. Hobbytierhalter erhalten damit mehr Schutz.
Von
Klaus Wieschemeyer
Berlin
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Fotografiert durch ein Zielfernrohr: Ein Wolf steht im Wildpark Eekholt in Schleswig-Holstein. Am Freitag steht die sogenannte Lex Wolf auf der Tagesordnung des Bundesrates.

Carsten Rehder/dpa

Bisher fordert das Gesetz einen „erheblichen Schaden“, was unter anderem Hobbytierhalter nicht mit einbezog. Zudem sollen bei anhaltenden Nutztierrissen auch mehrere Tiere eines Rudels geschossen werden dürfen. Darüber hinaus soll das Füttern und Anlocken wilder Wölfe verboten werden.

Das Gesetz ist nicht zustimmungspflichtig und ein Antrag auf Anrufung des Vermittlungsausschusses liegt nicht vor. Es wird also höchstwahrscheinlich den Bundesrat anstandslos passieren. Trotzdem haben in Brandenburg die Grünen nach wie vor Bedenken. Und nicht nur die. Streit gibt es vor allem um die Idee, Wölfe eines Rudels so lange zu „entnehmen“, bis Nutztierschäden ausbleiben. Das widerspricht nach Ansicht einiger Experten der europäischen Vorgabe, dass Abschüsse zielgerichtet sein müssen und die Rudelstruktur der Tiere nicht gefährden dürfen. Auch die Vorgabe, dass Jäger grundsätzlich vorab über jeden Abschuss informiert werden sollen, hält der Bundesrat für unrealistisch.

Und manchem geht die momentane Regelung schon jetzt nicht weit genug: Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) forderte am Mittwoch eine Verschärfung für sensible Gebiete wie die Deiche. „Wir können Schafe auf dem Deich nicht mit meterhohen Zäunen schützen. Hier müssen wir Prävention gegen Wolfsangriffe neu denken“, sagte Lies der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Seit einiger Zeit werden Wölfe auch direkt an der Küste gesichtet. Weil Schafe für die Deichstabilität wichtig sind, sieht Lies hier auch keinen Verhandlungsspielraum.

Im Süden hingegen sieht man den Zuzug des Wolfs deutlich gelassener. Das liegt auch daran, dass bisher nur wenig Tiere sich echt in Baden–Württemberg angesiedelt haben. Dieser Nord–Süd–Konflikt ist symptomatisch: Da, wo viele Wölfe leben, ist auch der Widerstand groß. In wolfsarmen Regionen gibt es hingegen oft Verständnis für das Tier. Wie hoch die „Aufnahmekapazität“ der Kulturlandschaft Deutschland für den Räuber ist, muss demnach wohl auch politisch geklärt werden.

Um die Wölfe gibt es Streit, seitdem 2000 die ersten Jungtiere in der Oberlausitz geboren wurden. Inzwischen leben Schätzungen zufolge bis zu 800 Wölfe in Deutschland.  Allein in Brandenburg wurden zuletzt  hochoffiziell 41 Rudel, 8 Paare und 154 Welpen gezählt.

Während Naturschützer die Rückkehr als Erfolg für Biodiversität feiern, beklagen Weidetierhalter Risse von Schafen, Kühen und Pferden und eine Verunsicherung der Bevölkerung. Manche Menschen schaffen dabei offensichtlich eigenhändig Tatsachen: Der Nabu zählt seit 2000 bislang 43 illegale Wolfstötungen im Land, 16 davon in Brandenburg.

Mit staatlicher Erlaubnis getötet wurde seit der Rückkehr übrigens erst ein Tier: 2016 wurde der Rüde „Kurti“ alias MT6 im Heidekreis erschossen, nachdem er Hunde angegriffen hatte und Menschen nahe gekommen war. Es wird vermutet, dass Kurti als Welpe auf einem Truppenübungsplatz von Menschen gefüttert worden war und so seine Scheu verloren hat. Zwei weitere „Problemwölfe“, die Wolfszäune übersprungen und Rinder angegriffen haben, stehen seit Monaten in Norddeutschland auf der Abschussliste, kommen den Jägern aber derzeit nicht vor die Flinte.